Politik

Pentagon beauftragte PR-Unternehmen für Kriegs-Propaganda

Lesezeit: 2 min
10.10.2016 00:40
Eine britische PR-Firma wurde vom US-Verteidigungsministerium angeheuert, um Kriegspropaganda-Videos zu drehen. Ein Teil des Programms waren Fake-Videos von al-Kaida.
Pentagon beauftragte PR-Unternehmen für Kriegs-Propaganda

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..

Mehr als eine halbe Milliarde Dollar soll die britische PR-Firma Bell Pottinger vom Pentagon für kontroverse Videos erhalten haben, wie „The Bureau Of Investigative Journalism“ (The Bureau) zusammen mit der Sunday Times berichtet. Army-Verträge, Zahlungsbelege, Berichte des Generalinspektors des Pentagons und zahlreiche Mitarbeiterinterviews werden als Quellen angeführt.

Insgesamt soll das Pentagon über 40 PR-Firmen wie etwa Babylon Media und SOS International für die Produktion und Verbreitung von Medienprodukten zu Zeiten des Irak-Kriegs bezahlt haben. Das meiste wurde jedoch Bell Pottinger gezahlt, so The Bureau. Zwischen Mai 2007 und Dezember 2011 soll die Firma 540 Millionen Dollar erhalten haben und 2006 120 Millionen. Die von der PR-Firma produzierten Videos wurden dann meist von General David Petraeus unterzeichnet. Damals war Petraeus Kommandeur der Koalitionstruppen im Irak, später arbeitete er bis zu seinem Rücktritt als CIA-Chef. Manche Videos, die Petraeus nicht unterzeichnen konnte, sollen sogar dem Weißen Haus vorgelegt worden sein.

Teile des zuständigen PR-Teams arbeiteten vor Ort im US-Camp von Bagdad direkt neben militärischen Einheiten. Die PR-Firma war kurz nach der Invasion in den Iran „gebracht“ worden, damals offiziell, um für die Durchführung demokratischer Wahlen zu werben. Doch schon kurze Zeit später lieferte das Unternehmen drei verschiedene Produkte: Die Kategorie weiß, das waren Filme, bei denen angegeben wurde, wer sie produziert hatte. Grau stand für Medienprodukte ohne Angaben. Medienbeiträge der schwarzen Kategorie waren solche, bei denen eine andere, falsche Herkunft angegeben wurde. Fast 300 britische und irakische Mitarbeiter sollen für diese Tätigkeiten von Bell Pottinger gearbeitet haben.

[caption id="" align="alignleft" width="300"]Martin Wells. (Screenshot:The Bureau Of Investigative Journalism) Martin Wells. (Screenshot:The Bureau Of Investigative Journalism)[/caption]

Martin Wells, ehemaliger Mitarbeiter bei Bell Pottinger, arbeitete in Bagdad für Bell Pottinger. Er war eigens für die Pentagon-Arbeit von der Firma engagiert worden. Wells, der heute nicht mehr für Bell Pottinger arbeitet, sagte „The Bureau“, dass unter der weißen Kategorie TV-Werbungen waren, die Al-Qaida in einem negativen Licht erscheinen lassen sollten. Die grauen Medienprodukte waren Nachrichtenbeiträge, die so aussahen, als seien sie von arabischen TV-Sendern produziert worden. Und unter die schwarze Kategorie fielen gefakte Al-Qaida Propaganda-Filme. „Wir sollten die Videos im Stil der Al-Quaida produzieren, sie sollten zehn Minuten lang sein und sie mussten in einem bestimmten Format gespeichert, decodiert werden“, so Wells.

US-Marines sollen die auf CD gebrannten Videos bei ihren Patrouillen mitgenommen und sie bei Hausdurchsuchungen im Chaos liegengelassen haben. Die CDs enthielten einen Code, der mit Google Analytics verbunden war, so Wells weiter. Analytics lieferte dann eine Liste von IP-Adressen, auf denen die untergejubelten CDs abgespielt worden waren. Die Mitarbeiter der PR-Agentur werteten die Daten auf und meldeten Auffälligkeiten. Besonders verdächtig machte sich jemand, der die CD gesehen hatte, danach seinen Aufenthaltsort wechselte. Manche CDs kursierten nämlich nicht mehr nur im Irak, sondern auch in Syrien, im Iran und in den USA. Zum Ausspionieren der User überwachte das Unternehmen einfach Google-Analytics.

Das Pentagon bestätigte „The Bureau“, dass man mit Bell Pottinger im Zuge der Information Operations Task Force (IOTF) zusammen gearbeitet und dass Bell Pottinger Material produziert hatte. Das Pentagon bestand jedoch darauf, dass das Material, das von der Information Operations Task Force (IOTF) ausgegeben worden war, „wahrhaftig“ war. Lord Bell von Bell Pottinger sagte der Sunday Times, dass er auf die Arbeit von Bell Pottinger im Irak „stolz“ wäre. „Wir haben viel getan, um die Situation zu lösen.“ Aber „wir haben das Chaos, das entstand, nicht gestoppt, aber das war Teil der amerikanischen Propaganda-Maschinerie.“

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..


Mehr zum Thema:  

DWN
Ratgeber
Ratgeber Bestens geplant: Einkommensvorsorge für Beamte

Die neue Allianz Einkommensvorsorge schützt Beamte und alle, die es werden wollen, vor den finanziellen Risiken einer Berufs- oder...

DWN
Politik
Politik Hiobsbotschaft für ganz Europa: Zerstörerische Folgen von Suez-Blockade reichen bis zum Sommer

Die Blockade des Suez-Kanals wird in der Schifffahrt weltweit noch bis in den Sommer hinein zu Verspätungen und Turbulenzen führen.

DWN
Finanzen
Finanzen Kann ein Trennbanken-System die Einlagen der Sparer schützen?

Die EU wollte nach der Finanzkrise 2008 ein Trennbanken-System einführen, um Ausfallrisiken für Kunden und Steuerzahler zu mindern. Doch...

DWN
Politik
Politik Bundesverfassungsgericht weist Eilantrag gegen Corona-Aufbaufonds ab

Eine Bürgerinitiative um Bernd Lucke ist mit ihrem Eilantrag beim Bundesverfassungsgericht gescheitert. Damit wird Deutschland der...

DWN
Finanzen
Finanzen So profitieren Sie von Bitcoin, ohne die Kryptowährung kaufen zu müssen

Bitcoin hat seit Beginn des Jahres eine beispiellose Ralley hingelegt. Doch die Kryptowährung ist extrem schwankungsanfällig und manchem...

DWN
Deutschland
Deutschland Oskar Lafontaine nennt Kanzlerin Merkel „US-Vasallin“

Oskar Lafontaine nimmt in letzter Zeit kein Blatt mehr vor den Mund. Er meint, dass Kanzlerin Angela Merkel eine „US-Vasallin“ sei. Die...

DWN
Politik
Politik Komitee des US-Senats genehmigt Lieferungen von tödlichen Waffen an die Ukraine

Der Ausschuss für auswärtige Beziehungen des US-Senats stimmte am Mittwoch einstimmig für die Genehmigung von bis zu 300 Millionen...

DWN
Politik
Politik Liste der Grausamkeiten: Was sich mit der Bundes-Notbremse ändert

Der Bundestag hat die sogenannte Corona-Notbremse beschlossen. Der Bundesrat wird am Donnerstag zustimmen. Es folgt eine Zusammenstellung,...

DWN
Politik
Politik In Moskau: Sachsens Ministerpräsident ruft zum Dialog mit Russland auf

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer hat sich nach seiner Ankunft in Moskau für einen Dialog mit Russland ausgesprochen.