Finanzen

Saudi-Arabien kündigt Liefer-Engpässe bei Erdöl an

Lesezeit: 2 min
22.10.2016 03:08
Saudi-Arabien erwartet schon bald Engpässe beim Rohöl. Die Bombardements von Ölfeldern durch den IS könnten den Saudis in die Karten spielen. Die Saudis wollen mit allen Mitteln den Ölpreis in die Höhe treiben, um ihre Rechnungen bezahlen zu können.
Saudi-Arabien kündigt Liefer-Engpässe bei Erdöl an

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  

Exxon Mobil, einer der größten Erdölkonzerne der Welt, und Saudi-Arabien, das neben Russland wichtigste Förderland, vertreten sehr unterschiedliche Ansichten bezüglich des globalen Ölangebotes in den kommenden Jahren.

Geht es nach dem saudischen Energieminister Khalid al-Falih, könnte es sogar zu Lieferengpässen kommen, weil das Angebot in Zukunft nicht mehr mit der Nachfrage mithalten könne. Al-Falih sagte am Mittwoch, dass die weltweite Ölindustrie bald aus einem lähmenden Zwei-Jahres-Einbruch herauskommen könnte. Aber er warnte auch vor einer bevorstehenden Erdölknappheit, die die Rohölpreise drastisch erhöhen könnte. „Wir sind jetzt am Ende eines erheblichen Abschwungs (…) Viele Analysten warnen vor Lieferengpässen. Ich bin ebenfalls dieser Ansicht (…) Es wird eine Zeit der Versorgungsengpässe geben“, zitiert das Wall Street Journal al-Falih. Die Aussagen traf der Minister auf einer Öl- und Geldkonferenz in London, an der Top-Manager von Ölfirmen wie Exxon Mobil, Royal Dutch Shell PLC und Total SA teilnahmen.

Kurz nach der Rede von al-Falih ergriff Exxon-Chef Rex W. Tillerson das Wort. Er sagte, dass die US-Frackingsindustrie große Mengen an Öl gelagert hat, die sehr schnell auf den Markt gebracht werden könnte, während die Nachfrage und der Preis steigen. „Ich persönlich habe nicht unbedingt die Sichtweise, dass wir uns in den nächsten drei, vier, fünf Jahren auf einen Zusammenbruch des Angebotes einstellen müssen. Wir haben eine Verfügbarkeit über eine sehr große Ressourcenbasis in Nordamerika…das dient als enorme Reservekapazität im System. Sie müssen auch bedenken, dass wir gegenüber 2013 etwa 600 Millionen Barrel (159 Liter) Rohöl mehr in unseren Lagern haben. Das ist viel Öl, dass auch noch irgendwann verbraucht werden muss“, wird Tillerson von der Financial Times zitiert.

„Es ist verblüffend, dass die beiden so weit auseinanderliegen“, wird ein Analyst der Londoner Denkfabrik Chatham House zitiert. Die Ansichten Tillersons repräsentierten demnach eine Minderheit der Ölmanager, die offenbar eher der Position Saudi-Arabiens Glauben schenken. Der Vorstandsvorsitzende der französischen Total-Gesellschaft etwa geht davon aus, dass die Nachfrage das Angebot zum Ende des Jahrzehnts um täglich fünf bis zehn Millionen Barrel übersteigen werde.

Als Hauptargument für diese These verwies er auf Einsparungen und abgebrochene Investitionen im Gesamtumfang von etwa einer Billion Dollar, welche seit Beginn des Preisverfalls für Erdöl Mitte 2014 getätigt worden seien.

Den Saudis könnte entgegenkommen, dass der Söldner im Irak begonnen haben, Ölfelder in Brand zu setzen. Internationale Nachrichtenagenturen vermuten die Täter beim IS. Unabhängige Belege liegen dafür nicht vor. Saudi-Arabien unterstützt seinerseits zahlreiche Söldner im Nahen Osten.

Die Aussagen des saudischen Energieministers haben ein besonderes Gewicht, da Saudi-Arabien im September etwa 10,6 Millionen Barrel produziert hat, obwohl es eine Kapazität von 12,2 Millionen Barrel hatte. Die Differenz wird als Reservekapazität umschrieben, dass im Falle eines Angebotsmangels zur Verfügung gestellt werden kann. Al-Falih hat auf der Konferenz zwar gesagt, dass Saudi-Arabien in einer Phase des Angebotsmangels aushelfen könnte. Ob dies tatsächlich gemacht wird bleibt unklar, da das Königreich im aktuellen Jahr auf Rekordniveau produzieren musste.

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..


Mehr zum Thema:  

DWN
Ratgeber
Ratgeber 5 Immobilienweisheiten – oder wie Sie den Wert Ihrer Immobilie steigern können

Aufgrund der hohen Nachfrage zeigen Immobilien eine äußerst positive Wertentwicklung. Mit ein paar Maßnahmen lässt sich der Preis der...

DWN
Politik
Politik Beziehungen der Türkei zu Griechenland und den USA verschlechtern sich rapide

Die türkische Regierung hat einen Militäreinsatz gegen mit den USA verbündete Milizen in Syrien angekündigt. Die Drohung ist ein...

DWN
Politik
Politik Wahlskandal bei Bundestagswahl in Berlin: Falsche Stimmzettel ausgegeben - Neuwahlen drohen

Chaos In Berlin: Politiker stellt Strafanzeige wegen Wahlbetrugs - Wahlwiederholung wahrscheinlich.

DWN
Unternehmen
Unternehmen 320.600 Techniker fehlen: Deutscher Fachkräftemangel erreicht neuen Höhepunkt

Vor allem in den Bereichen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik (Mint) wächst die Nachfrage auf Rekordniveau. Mit der...

DWN
Finanzen
Finanzen Kommt die Vermögensabgabe – und wie schützen sich Anleger?

Immer mehr Stimmen fordern einen Corona- oder Ukraine-Lastenausgleich – also eine verpflichtende Vermögensabgabe, die die exorbitanten...

DWN
Deutschland
Deutschland Für den Notfall: Bundesregierung baut Reserve an Kohlekraftwerken aus

Gestern Klimakiller, heute Retter in der Not? Im Angesicht der Abhängigkeit Deutschlands von russischem Gas greift die Bundesregierung...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Einzelhandel: Keine Erholung in Sicht

Der deutsche Einzelhandel leidet weiter unter der anhaltenden Corona-Pandemie und dem Krieg in der Ukraine.

DWN
Deutschland
Deutschland IfW-Vize fordert Rente mit 70: "Rentenversicherung läuft in ein Finanzierungsproblem"

Der Vorschlag des Vizepräsidenten des IfW Kiel, Stefan Kooths, wurde kontrovers diskutiert. Nun will er Missverständnisse aus dem Weg...

DWN
Deutschland
Deutschland Schluss mit lustig: Immobilienmarkt unter Druck

Mit Ende des Jahres erwartet die Immobilienbranche einen Rückgang der Immobilen-Preise.