Finanzen

Allianz: Vermögensverwalter Pimco überrascht positiv

Lesezeit: 2 min
11.11.2016 14:36
Die Allianz hat im dritten Quartal einen überraschend hohen Gewinn bekanntgegeben. Die Konzerntochter Pimco nahm erstmals seit Langem wieder Gelder ein.

Allianz-Aktien stiegen am Freitag deutlich im Kurs. Der Gewinn des Unternehmens stieg im dritten Quartal deutlich, so dass das Jahresziel in greifbare Nähe rückt: Europas größter Versicherer peilt ein operatives Ergebnis von zehn bis elf Milliarden Euro an, wie Finanzchef Dieter Wemmer am Freitag laut Reuters bekräftigte. Nach neun Monaten sind es acht Milliarden. Größter Erfolg: Die US-Fondstochter Pimco kann sich erstmals seit gut drei Jahren wieder über Mittelzuflüsse freuen. Wemmer sprach vorsichtig von einer "Aufbruchstimmung" bei dem kalifornischen Anleihehaus - und hofft, dass sich der Trend trotz des Regierungswechsel in den USA fortsetzt. Noch sei völlig unklar, wie sich gerade die großen Investoren mit Blick auf den künftigen republikanischen Präsidenten Donald Trump mit ihren Geldern positionierten. Experten sind sich uneins darüber, was der Wahlausgang für die weitere Geldpolitik der US-Notenbank Fed bedeutet, für viele ist eine schnelle Zinserhöhung erst einmal vom Tisch.

An der Börse überwog zum Wochenausklang der Optimismus: Mit einem Plus von drei Prozent war die Allianz-Aktie zeitweise größter Dax-Gewinner. Dazu trug auch bei, dass sich neben der Dividende ein zusätzlicher Geldregen für die Anleger abzeichnet: Die Allianz will im großen Stil Aktien zurückkaufen, wie Wemmer bekräftigte. Der Konzern habe rund 2,5 Milliarden Euro auf der hohen Kante, die eigentlich für Zukäufe gedacht gewesen seien. Dass sich hier bis Jahresende noch etwas tue, glaube er aber nicht: "Der M&A-Markt ist nicht besonders aktiv." Insbesondere in der Vermögensverwaltung schielt der Konzern nach früheren Angaben auf Übernahmegelegenheiten.

Im dritten Quartal schnitt die Allianz besser ab, als Analysten erwartet hatten: Der operative Gewinn legte um 18 Prozent auf 2,9 Milliarden Euro zu, der Überschuss sogar um 37 Prozent auf 1,9 Milliarden. "Unsere Bemühungen, das Geschäft in einem sehr schwierigen Umfeld weiterzuentwickeln, zahlen sich aus", erklärte Wemmer.

Der seit anderthalb Jahren amtierende Vorstandschef Oliver Bäte ist seit einiger Zeit dabei, unrentable Geschäftsbereiche im Ausland abzustoßen - auch mit Verlust - und den Konzern digitaler zu machen. Zum Halbjahr hatten diese Umbauarbeiten noch einige Bremsspuren in der Bilanz hinterlassen. Von Juli bis September gab es solche Sonderbelastungen nicht. Stattdessen boomte das Geschäft mit der Lebens- und Krankenversicherung - allein hier gab es einen Ergebnissprung um mehr als die Hälfte, was auch florierenden Kapitalanlagen geschuldet war.

In der Schaden- und Unfallversicherung profitierte die Allianz davon, dass es zuletzt weniger Naturkatastrophen und Großschäden gegeben hatte. Das hatte sich in dieser Woche schon bei Münchener Rück und Hannover Rück gezeigt. Auch Hurrikan "Matthew", der im Oktober über die Karibik und Teile der USA gezogen war, macht die Allianz für das Schlussquartal nicht nervös. Wemmer rechnet mit einer "winzigen" Gesamtbelastung von etwa 20 Millionen Euro.

In der Vermögensverwaltung stagnierte der Quartalsgewinn zwar. Allerdings laufen dem US-Fondshaus Pimco - das den Großteil der Sparte ausmacht - nicht mehr die Kunden weg: Die Nettomittelzuflüsse lagen bei 4,7 Milliarden Euro. Der Mutterkonzern dürfte aufatmen, hatte er Pimco doch als Ziel vorgegeben, dass die Abflüsse bis Jahresende gestoppt werden müssten. Dass jetzt schon jeden Tag alles gut sei, glaube er nicht, sagte Wemmer. Pimco sei aber auf dem richtigen Weg und der neue Chef Emmanuel "Manny" Roman, der vom Hedgefonds Man Group kommt und bei Pimco in diesem Monat übernommen hat, werde das Fondshaus erfolgreich in die Zukunft steuern. Im Fokus stehen weiter auch Kostensenkungen.

Pimco, seit Jahrzehnten spezialisiert auf festverzinsliche Wertpapiere, war vor mehr als drei Jahren in die Krise gerutscht. Erst lieferten die Fonds im Niedrigzinsumfeld nicht mehr die erhofften Renditen. Später kamen Personalquerelen hinzu, Gründer Bill Gross ging im Streit. Das alles kostete vorübergehend Vertrauen. Insgesamt verwaltete die Allianz nun per Ende September ein Vermögen von fast 1,9 Billionen Euro, davon 1,3 Billionen für externe Kunden.

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Gerücht oder Wahrheit? Verbreitung von Corona-Hinrichtungsnachrichten
21.07.2024

Eine US-amerikanische Webseite gibt an, Satire zu betreiben und verbreitet regelmäßig Falschmeldungen, beispielsweise über Hinrichtungen...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Erdgas: Können die russischen Lieferungen durch die Ukraine doch noch aufrechterhalten werden?
21.07.2024

Zum Jahresende läuft ein bedeutendes Transitabkommen zwischen Kiew und Moskau aus, welches seit 2019 die Lieferung von russischem Erdgas...

DWN
Politik
Politik Project 2025: Trumps radikaler Plan für eine zweite Amtszeit als US-Präsident
20.07.2024

Als Trump nach der Wahl 2016 ins Weiße Haus einzog, konnte er viele Ideen nicht umsetzen. Ihm fehlte ein richtiger Plan. Das könnte bei...

DWN
Immobilien
Immobilien Digitaler Bauantrag: Wie Förderalismus und fehlende Digitalisierung das Geywitz-Projekt ausbremsen
20.07.2024

Im Mai 2023 gab Bundesbauministerin Geywitz den Startschuss für den bundesweit einheitlichen digitalen Bauantrag. Ziel war es,...

DWN
Politik
Politik Deutlicher Anstieg der Clankriminalität in Berlin
20.07.2024

Berlin gilt als ein Hotspot krimineller Clan-Mitglieder. Sie stehlen, handeln illegal mit Drogen und schlagen auch mal zu. Nun liegen neue...

DWN
Politik
Politik Fleischersatz: Der Kulturkampf ums Fleisch - droht eine Veggie-Diktatur?
20.07.2024

Deutschland ist Grillmeisterland: Wenn die Temperaturen steigen und die Schweinepreise auch, dann heißt es „Grillsaison“. Und es...

DWN
Politik
Politik Nachverfolgung der Wiederaufbaugelder der Ukraine
20.07.2024

Der Wiederaufbau der Ukraine wird mit Sicherheit das bedeutendste und teuerste Unterfangen in Europa seit dem Marshallplan aus der Zeit...

DWN
Politik
Politik „Widerstand als Pflicht“? Was das Hitler-Attentat uns heute lehrt
20.07.2024

Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius ist sich sicher: „Die Widerstandskämpfer des 20. Juli sind ein Vorbild für alle“. Aber...