Politik

Kein Vertrauen in Staaten: Anleihe-Renditen steigen weltweit deutlich

Lesezeit: 2 min
02.02.2017 01:03
Das allgemein aggressive Klima zwischen den vielen Staaten führt zu höheren Renditen bei Staatsanleihen. Die Investoren misstrauen offenbar den meisten Regierungen.
Kein Vertrauen in Staaten: Anleihe-Renditen steigen weltweit deutlich

Politische und wirtschaftliche Risiken machen derzeit Anleihehändler auf der ganzen Welt nervös. In Frankreich ist es beispielsweise die Erwartung eines starken Abschneidens der eurokritischen Partei Front National bei den anstehenden Präsidentschaftswahlen, die für Unsicherheit sorgt. Die Risikoaufschläge, die Investoren für Staatsanleihen aus Frankreich verlangen, weiteten sich am Mittwoch deutlich aus, berichtet Reuters. Die Rendite der zehnjährigen Bonds kletterte um sieben Basispunkte auf ein 17-Monats-Hoch von 1,125 Prozent.

Der Risikoaufschlag (Spread) zwischen der zehn Jahre laufenden Anleihe aus Frankreich und der aus Belgien stieg auf 26 Basispunkte und war damit so hoch wie zuletzt im April 2008. Der Unterschied zur vergleichbaren deutschen Bundesanleihe erhöhte sich auf ein Drei-Jahres-Hoch von 63,5 Basispunkte. Belgische und französische Anleihen werden oft miteinander vergleichen, da sie von den großen Ratingagenturen ähnliche Bonitätsbewertungen haben und Nachbarländer sind.

Auch deutsche Bundesanleihen standen am Mittwoch unter Druck. Noch deutlicher aber fielen die Kurse der Staatspapiere aus Südeuropa. Wenn die Anleihekurse fallen, steigen in der Regel die Renditen der Papiere. Damit setzt sich eine Tendenz fort, die in den vergangenen Wochen im Zuge politischer Risiken Fahrt aufgenommen hat. Der für den deutschen Markt richtungweisende Euro-Bund-Future fiel bis zum Mittwochmittag um 0,17 Prozent auf 161,67 Punkte. Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe stieg im Gegenzug um bis zu 8 Prozent auf 0,47 Prozent. Auch die Renditen von zehnjährigen Anleihen aus Italien, Spanien, Portugal, Belgien, Österreich, Niederlande und Finnland stiegen deutlich um bis zu 9 Prozent.

Bloomberg berichtet, dass Anleihehändler mit europäischen Papieren im vergangenen Monat den schwächsten Januar seit Beginn der Aufzeichnungen einfuhren. Neben der politischen Unsicherheit in Europa belasteten demnach vor allem Spekulationen um ein abruptes Ende des Anleihe-Kaufprogramms der EZB die Kurse europäischer Staatspapiere.

„Hinsichtlich erhöhter politischer Risiken in der Währungsunion und Spekulationen um ein abruptes Ende des EZB-Kaufprogramms im Jahr 2018 stiegen die Renditen für zehnjährige italienische und französische Anleihen im Vergleich zu den deutschen Bundesanleihen so hoch wie seit 2014 nicht mehr“, schreibt Bloomberg. Die Anleger seien nervös, weil sie sich daran gewöhnt hätten, dass „die EZB bislang Staatsanleihen aus der Eurozone vor politischen Spannungen abschirmt habe.“

Auch die Renditen der US-amerikanischen Papiere verschiedener Laufzeitklassen stiegen am Mittwoch. Die Renditen zehnjähriger „Treasuries“ stiegen um etwa 2 Prozent und liegen derzeit bei etwa 2,5 Prozent. Zum Vergleich: Im Juli 2016 lag die Rendite dieser Papiere noch bei etwa 1,35 Prozent. Auch die Renditen zweijähriger, fünfjähriger und zwölfjähriger US-Anleihen stiegen deutlich.

In den USA sind diese Anstiege in erster Linie der Erwartung der Investoren bezüglich einer stärkeren Inflation geschuldet. Denn macht US-Präsident Donald Trump seine Pläne umfassender Infrastrukturinvestitionen wahr, dürfte sich die Geldmenge aufgrund der zur Finanzierung der Maßnahmen aufgenommenen neuen Schulden erheblich ausweiten. Anleiheanleger fordern deshalb höhere Renditen, um ihr Geld nicht in entwerteten Dollar zurückzubekommen.

Den größten Sprung machten am Mittwoch allerdings zehnjährige Staatsanleihen der Schweiz. Deren Rendite stieg um 56 Prozent auf minus 0,03 Prozent und liegt damit nur noch knapp im negativen Bereich. Auch die Renditen langlaufender Anleihen von Großbritannien, China und Indien stiegen.

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..

DWN
Ratgeber
Ratgeber 5 Immobilienweisheiten – oder wie Sie den Wert Ihrer Immobilie steigern können

Aufgrund der hohen Nachfrage zeigen Immobilien eine äußerst positive Wertentwicklung. Mit ein paar Maßnahmen lässt sich der Preis der...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Eine echte Bedrohung: Cyberkrieg gegen deutsche Mittelständler

Die deutschen Mittelständler sind vermehrt Ziel von Cyberattacken ohne sich dagegen erfolgreich wehren zu können.

DWN
Politik
Politik Gegen China: USA forcieren Aufrüstung Japans

Angesichts seines hybriden Feldzuges gegen China forciert Washington die - bislang verfassungsrechtlich untersagte - Aufrüstung Japans.

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Scholz sucht im Senegal nach Gas - vom „Klimaschutz“ ist plötzlich keine Rede mehr

Die Bundesregierung sucht plötzlich händeringend nach Gas. Noch vor wenigen Monaten hatte Berlin die Afrikaner zur Abkehr von fossilen...

DWN
Finanzen
Finanzen Kommt die Vermögensabgabe – und wie schützen sich Anleger?

Immer mehr Stimmen fordern einen Corona- oder Ukraine-Lastenausgleich – also eine verpflichtende Vermögensabgabe, die die exorbitanten...

DWN
Politik
Politik Habeck in Davos: Ungarn soll sich bei Öl-Embargo nicht zurücklehnen

"Wir sehen das Schlechteste von Europa", schmähte Habeck in einer Diskussionsrunde beim Weltwirtschaftsforum in Davos.

DWN
Politik
Politik Ukraine schließt Waffenruhe aus, fordert Gebiete aus russischer Hand zurück

Der Berater des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj betont, Kiew wolle keine Konzessionen machen, die auf Gebietsabtretungen...

DWN
Deutschland
Deutschland Bahnticket-Preise im Nahverkehr noch stärker gestiegen als die Inflation

Die Inflation seit 2015 beträgt insgesamt 16,2 Prozent zu. Doch die Ticketpreise im Nahverkehr sind noch deutlich stärker gestiegen.

DWN
Finanzen