Politik

Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Deutsche-Börse-Chef

Lesezeit: 2 min
02.02.2017 01:45
Deutsche-Börse-Chef Carsten Kengeter ist mitten in den Verhandlungen über die Fusion mit der London Stock Exchange (LSE) ins Visier der Staatsanwaltschaft geraten.
Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Deutsche-Börse-Chef

Mehr zum Thema:  
Börse >
Benachrichtigung über neue Artikel:  
Börse  

Die Staatsanwaltschaft Frankfurt ermittelt gegen Kengeter, weil dieser gut zwei Monate vor dem Bekanntwerden der LSE-Fusion im großen Stil Aktien von Deutschlands größtem Börsenbetreiber gekauft hat. Aufsichtsratschef Joachim Faber stellte sich hinter Kengeter. „Die Vorwürfe sind haltlos“, erklärte er am Mittwochabend. Kengeter habe die Aktien etwa einen Monat vor der Aufnahme von Fusionsverhandlungen mit der LSE erworben.

Finanzkreisen zufolge durchsuchten Ermittler wegen des Verdachts des Insider-Handels am Mittwoch Räume in der Zentrale der Deutschen Börse in Eschborn bei Frankfurt. Kengeter, der am Dienstagabend beim Neujahresempfang des Unternehmens in London auftrat, sei selbst nicht anwesend gewesen. Das Unternehmen erklärte, die Staatsanwaltschaft habe bei der Deutschen Börse wegen des Aktienerwerbs von Kengeter am 14. Dezember 2015 zur Umsetzung eines neues Vorstandsvergütungsprogramms ermittelt. „Das Unternehmen und der Vorstandsvorsitzende kooperieren in vollem Umfang mit der Staatsanwaltschaft.“

Kengeter habe die Aktien im Rahmen eines Vergütungsprogramms gekauft, dass der Aufsichtsrat beschlossen habe und das bis Ende Dezember 2015 befristet gewesen sei, erklärte Faber. Laut Geschäftsbericht kaufte Kengeter im Dezember 2015 aus eigenen Mitteln Aktien für 4,5 Millionen Euro und verpflichtete sich, diese mindestens bis Ende 2019 zu halten. Das war die Voraussetzung dafür, dass er von der Deutschen Börse im Rahmen des Vergütungsprogramms zusätzlich sogenannte Co-Performance Shares für ebenfalls 4,5 Millionen Euro bekam. Deren Wertentwicklung hängt vom Konzernüberschuss in den kommenden fünf Jahren sowie von der Aktienrendite der Deutschen Börse im Vergleich zu anderen Finanzkonzernen ab. Ausbezahlt werden sie schrittweise ab 2019. Der Aufsichtsrat wollte Kengeter einem Insider zufolge durch das Programm langfristig an das Unternehmen binden. Die Compliance- und Rechtsabteilung habe den Aktienkauf vorab geprüft und grünes Licht gegeben.

Kengeter selbst hat über den Aktienkauf im Januar 2016 in einem Interview mit der Tageszeitung „Die Welt“ offen gesprochen. Der Vermögensverwalter einer großen Bank habe die Aktien für ihn in drei Orders zu jeweils 20.000 Stück gekauft, sagte er damals, versehen mit klaren Preislimits.

Der 49-jährige Manager, der zuvor unter anderem für die Investmentbanken UBS und Goldman Sachs gearbeitet hatte, stieß im April 2015 zur Deutschen Börse und übernahm zwei Monate später die Leitung des Unternehmens. Aufsichtsratschef Faber verpflichtete ihn in der Hoffnung, dass Kengeter bei der Deutschen Börse für neues Wachstum sorgt. Finanzkreisen zufolge begann Kengeter unmittelbar nach seinem Amtsantritt mit seinen Vorstandskollegen über Wachstumsmöglichkeiten und denkbare Fusionen und Zukäufe zu sprechen – inklusive eines Deal mit der LSE. Die konkrete Vorbereitung der LSE-Fusion und erste Sondierungsgespräche fanden Insidern zufolge allerdings erst im Januar 2016 statt – also nach Kengeters Aktienkauf.

„Erst in der zweiten Januarhälfte 2016 haben sich die beiden Chairmen und CEOs gemeinsam darauf verständigt, Verhandlungen über eine Fusion zwischen LSE Group plc und Deutscher Börse AG zu beginnen“, erklärte Faber. Am 23. Februar berichtete die Nachrichtenagentur Reuters dann unter Berufung auf Finanzkreise von den Fusionsgesprächen, die beide Unternehmen wenig später bestätigten. Die Aktienkurse von Deutscher Börse und LSE zogen daraufhin deutlich an. Die Aktionäre beider Unternehmen haben sich mit großer Mehrheit für den gut 25 Milliarden Euro schweren Deal ausgesprochen. Die Zustimmungen der EU-Kommission und die hessischen Börsenaufsicht, die große Bedenken gegen den Zusammenschluss hat, stehen allerdings noch aus.

 

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..


Mehr zum Thema:  
Börse >

DWN
Deutschland
Deutschland Neueste Zahlen zeigen extrem niedrige Sterblichkeitsrate bei Corona-Infektionen

Neueste Zahlen des Robert Koch-Instituts sowie der Weltgesundheitsorganisation zeigen eine extrem niedrige Wahrscheinlichkeit, dass...

DWN
Finanzen
Finanzen Goldman: Wenn Biden die US-Wahlen gewinnt, explodiert der Silberpreis

Im Vorfeld der US-Präsidentschaftswahlen am 3. November empfiehlt Goldman Sachs Investoren, sich vom Dollar zu trennen und Silber zu...

DWN
Deutschland
Deutschland Messerattacke in Dresden hat islamistischen Hintergrund, Generalbundesanwalt ermittelt

Die tödliche Messerattacke auf zwei Touristen am 4. Oktober in Dresden hat offenbar einen islamistischen Hintergrund. Der 2015 eingereiste...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Globale Institutionen: Es droht eine weltweite Nahrungsmittel-Knappheit

Nahrungsmittel werden immer knapper und deshalb immer teurer. Knappheits-Szenarien wurden bereits vor fünf Jahren von globalen...

DWN
Politik
Politik Macron kündigt „Schlacht“ gegen den Islamismus in Frankreich an

Der französische Staatspräsident Emanuel Macron hat eine lange „Schlacht“ gegen die islamistische Ideologie angekündigt. Diese werde...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Fertighaus-Hersteller befinden sich trotz Corona auf Rekordkurs

Die Produzenten von Fertighäusern zählen zu den ganz wenigen Branchen, die sich während der Krise sehr gut entwickeln. Der Bundesverband...

DWN
Politik
Politik Bundesregierung stärkt Handlungsfähigkeit deutscher Geheimdienste bei digitaler Überwachung

Die Bundesregierung räumt den deutschen Geheimdiensten mehr Kontroll- und Überwachungsmöglichkeiten im technologischen Bereich ein.

DWN
Politik
Politik Gesundheitsminister Jens Spahn will seine im März erhaltenen Sonderrechte unbegrenzt verlängern

Im März hatte der Bundestag Gesundheitsminister Jens Spahn weitreichende Sonderrechte eingeräumt. Diese sollen nun nach Spahns Willen...

DWN
Politik
Politik „Keine übertriebenen Ängste schüren“: Corona als ultimative Herausforderung an die Politik

Zur erfolgreichen Pandemiebekämpfung muss die Politik für klar verständliche, widerspruchsfreie, einheitliche Regeln und deren...

DWN
Finanzen
Finanzen „Das Börsenjahr 2020 ist für viele bisher unerklärlich“

Das Börsenjahr 2020 hat das Verhalten der Privatanleger entscheidend geändert, so Michael Kopf von der Patriarch Multi-Manager GmbH. Sie...

DWN
Politik
Politik Stunde Null: Verbündeter des gestürzten Präsidenten Morales gewinnt Wahl in Bolivien

Etwa ein Jahr nach dem vom Militär erzwungenen Rücktritt des langjährigen Präsidenten Evo Morales gewinnt dessen Verbündeter Luis Arce...

DWN
Politik
Politik Facebook und Twitter zensieren Berichte über mögliche Verstrickungen von Bidens Sohn

Mehrere E-Mails deuten darauf hin, dass der Sohn des demokratischen Präsidentschaftskandidaten Joe Biden, Hunter Biden, die Stellung...

DWN
Finanzen
Finanzen Ende des Börsenbooms? Was der drohende Lockdown für Anleger bedeutet

DWN-Börsenspezialist Andreas Kubin analysiert in gewohnt launischer Art, was die jüngsten Anti-Corona-Maßnahmen für Anleger bedeuten.

DWN
Deutschland
Deutschland Deutsche kaufen immer häufiger teure Neuwagen: SUV, E-Autos und Premium-Marken liegen im Trend

Die Preise für Neuwagen steigen – doch die Deutschen sind bereit, diese zu bezahlen.