Politik

Montenegro wirft Russland Umsturzversuch vor

Lesezeit: 2 min
23.02.2017 01:39
Die Staatsanwaltschaft von Montenegro wirft Russland vor, einen Umsturzversuch geplant zu haben, um einen möglichen NATO-Beitritt des Landes zu verhindern. Russland weist den Vorwurf zurück
Montenegro wirft Russland Umsturzversuch vor

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..

Nach ihren Ermittlungen zu einem fehlgeschlagenen Umsturzversuch im vergangenen Oktober wirft die Staatsanwaltschaft von Montenegro Russland eine Beteiligung an den Vorbereitungen vor, berichtet die Nachrichtenagentur AFP. Sonderermittler Milivoje Katnic spricht von der Beteiligung „russischer, staatlicher Organe“. Russland wollte, so die Staatsanwaltschaft, damit versuchen, den angestrebten NATO-Beitritt Montenegros zu verhindern. Moskau weist den Vorwurf zurück. Am Montag sagte der Kreml-Sprecher Dmitri Peskow, dass der Vorwurf „verantwortungslos“ und „absurd“ sei. „Wir registrieren Tag für Tag irgendwelche absurde Anschuldigungen gegen Russland und weisen sie Tag für Tag zurück. Und wir können mit vollem Verantwortungsbewusstsein sagen, dass von einer Beteiligung Moskaus bzw. der offiziellen russischen Seite an irgendwelchen internen Ereignissen in Montenegro keine Rede sein kann“, zitiert die russische staatliche Nachrichtenagentur Sputnik Peskow.

Der russische Außenminister Sergej Lawrow sagte ebenfalls am Montag, dass „diese Nachrichten in einer Reihe mit anderen haltlosen Anschuldigungen gegen Russland“ stehe. Das habe sich bereits in den Vorwürfen zum Hackerangriff auf die US-Präsidentschaftswahl gezeigt. „Zu keiner dieser Anschuldigungen wurde auch nur ein einziger Beleg präsentiert“, so Lawrow.

Im Zentrum der Parlamentswahl in Montenegro stand Mitte Oktober die Frage, ob sich der Balkanstaat enger an den Westen oder an Russland binden soll. Die prorussische Demokratische Front (DF), die gegen einen EU-und NATO-Beitritt ist, erhielt nur etwa ein Fünftel der Stimmen. Schon unmittelbar nach der Wahl war von einem angeblichen Komplott einer Gruppe aus Serben, der eine Nähe zum Kreml vorgeworfen wurde, zum Umsturzversuch der Regierung die Rede, den die Polizei nach eigenen Angaben verhindern konnte. Die Polizei hatte demnach zunächst 20 Serben festgenommen. Diese sollen bewaffnete „Angriffe“ auf die die Menge geplant haben, die vor dem Parlament die Verkündung der Wahlergebnisse erwartete. Zudem hätten sie den Ministerpräsidenten gefangen nehmen, die Kontrolle über das Parlament ergreifen und den „Sieg gewisser Parteien“ verkünden wollen.

In der vergangenen Woche wurde drei Serben wegen Bildung einer kriminellen Vereinigung zum Zwecke eines Umsturzes zu jeweils fünf Monaten Gefängnis verurteilt. Unter den Verdächtigen sind auch zwei DF-Abgeordnete, deren parlamentarische Immunität aufgehoben wurde. Die Staatsanwaltschaft ordnete an, dass sie auf freiem Fuß bleiben.

Das Carnegie Moscow Center berichtet im Zusammenhang mit einem möglichen NATO-Beitritt von Montenegro: „Die NATO ist an und dabei, ein Überraschungsmitglied aufzunehmen – ein Land, das über eine lange Zeit hinweg als ein russischer Verbündeter auf dem Balkan galt. Der bevorstehende Beitritt von Montenegro in die NATO, nach einer langen Pause ohne die Aufnahme von Neumitgliedern, macht Moskau wütend.“

Nach einer Analyse der Heritage Foundation ist Montenegro eine wichtige Balkan-Nation, die sich in einer Region befindet, in der US-Truppen einst im Kampfeinsatz gewesen sind. Montenegros Beitritt zur NATO sei deshalb wichtig, weil sich das Land in der Nähe zu diversen US-Stützpunkten befindet. Dazu gehören der Luftwaffenstützpunkt im italienischen Sigonella, wo sich Seefernaufklärungsflugzeuge der Klasse P-8 befinden und das Mittelmeer kontrollieren, und der US-Marinestützpunkt in Griechenland/Souda Bay. Dort befinden sich ein Raketenschießplatz und eine Raketeninstallation der NATO. Es ist der einzige Ort in Europa, wo die NATO Raketen testen kann.

Montenegro hat einen direkten Zugang zur Adria, die an der Straße von Otranto endet. Seit Ende des Jugoslawienkriegs hat Serbien den Zugang zur Adria über den Landweg – also über Kroatien – verloren. Dem Bündnispartner Russlands bleibt somit nur noch der Weg über Montenegro. Sollte Montenegro tatsächlich der NATO beitreten, würde Serbien, und damit indirekt Russland, den Zugang zur Adria auch über Montenegro verlieren und isoliert werden, was einen enormen seehandelspolitischen und militärisch-strategischen Verlust nach sich ziehen würde. George V. Strong schreibt in seinem Buch Seedtime for Fascism: Disintegration of Austrian Political Culture, 1867 – 1918, dass Serbien im Jahr 1913 Montenegro besetzt habe, um einen Zugang zur Adria zu bekommen, und die österreichische Marine, die damals die Adria dominierte, herauszufordern.

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..


Mehr zum Thema:  

DWN
Politik
Politik Chinas Sozialkreditsystem: Orwellsches Schreckgespenst oder reiner Mythos?

Das chinesische System der sogenannten "Sozialkredite" taucht regelmäßig in den Medien auf. Fast immer jedoch ist die Darstellung...

DWN
Politik
Politik Gegen Biden: Türkei, Russland und China wollen gemeinsam Luftabwehrsystem produzieren

Ein einflussreicher türkischer Außenpolitiker hat verkündet, dass die Türkei, Russland und China ihre Kooperation bei der Verteidigung...

DWN
Politik
Politik „Putin festnageln“: Wie Victoria Nuland Russlands Präsident stürzen will

Die US-Diplomatin Victoria Nuland, die unter Joe Biden eine wichtige Rolle spielen könnte, hat vor wenigen Monaten in einer Analyse...

DWN
Politik
Politik Norwegen: Anzahl der Toten nach Corona-Impfung steigt von 23 auf 29

Bloomberg berichtet, dass in Norwegen die Anzahl der Toten nach Corona-Impfungen von 23 auf 29 Personen gestiegen ist. Alle gemeldeten...

DWN
Finanzen
Finanzen Bundesbank: Privathaushalte sparen in der Corona-Krise vor allem Bargeld

Ausgerechnet in der Pandemie sind die Menschen in Deutschland in Summe so reich wie nie. Privathaushalte sparen wie die Weltmeister Bargeld...

DWN
Finanzen
Finanzen Bitcoin: Lohnt sich der Einstieg noch oder ist es zu spät?

Wer in Bitcoin investieren will, braucht aufgrund der extremen Kurssprünge starke Nerven. Wer dafür bereit ist, erfährt hier, wie in...

DWN
Deutschland
Deutschland Reale Gefahr: Wenn ein Cyber-Angriff auf unser Stromnetz stattfindet, bricht die Nahrungsmittelversorgung zusammen

Die Gefahr von Cyber-Angriffen auf das deutsche Stromnetz ist real. Sollte tatsächlich ein Cyber-Angriff stattfinden, würde die gesamte...

DWN
Finanzen
Finanzen Drei Billionen in neun Monaten: Wie hoch kann die Fed-Bilanz noch steigen, bevor das System crasht?

DWN-Gastautor Andreas Kubin analysiert die besorgniserregenden Ereignisse rund um die Federal Reserve. Ausgehend von einem Ereignis, das...

DWN
Deutschland
Deutschland „Zwangsanweisung und höhere Bußgelder“: Härteres Vorgehen gegen Quarantäne-Verweigerer geplant

Mehrere Bundesländer wollen in der Corona-Pandemie härter gegen Quarantäne-Verweigerer vorgehen. Neben hohen Bußgeldern kommt es...

DWN
Politik
Politik Nach Todesfällen in Norwegen: China fordert Streichung des Impfstoffs von Pfizer und BioNTec

China fordert, dass der Corona-Impfstoff von BioNTec/Pfizer weltweit gestrichen wird. Zuvor waren 23 Personen in Norwegen nach einer...

DWN
Finanzen
Finanzen Weil es sich lohnt: Corona-Krise treibt Nachfrage nach Goldbarren

Die Corona-Krise hat dazu geführt, dass die unabhängig vom Goldpreis in physisches Gold in Form von Goldbarren investieren. Doch auch...

DWN
Politik
Politik Deutschlands EU-Ratspräsidentschaft ist zu Ende: Wie Angela Merkel viele Brände löschte - und einige Feuer neu entfachte

DWN-Kolumnist Ronald Barazon liefert einen - humorigen, aber höchst kompetenten - Rückblick blickt auf die sechsmonatige deutsche...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Der Corona-Lockdown wird bis zum Juni 2021 andauern

Die Bevölkerung und das deutsche Unternehmertum sollten sich nichts vormachen lassen. Der Lockdown wird in verschiedenen Intensitäten bis...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Amazon: "Wir machen der Deutschen Post bestimmt keine Konkurrenz"

Ein Akteur, der stark von der Pandemie profitiert, ist Amazon. Wie der Konzern mit den Großpaketdiensten zusammenarbeitet, welche...