Zentralbanken wollen Bargeld durch digitale Währungen ersetzen

Lesezeit: 2 min
05.03.2017 01:25
Die Abschaffung des Bargelds kommt als Modernisierungsschub: Weltweit arbeiten Zentralbanken an digitalen Formen ihrer jeweiligen Währungen. Die Geschäftsbanken sehen in digitalen Währung eine logische Weiterentwicklung des Bargelds.
Zentralbanken wollen Bargeld durch digitale Währungen ersetzen

Soeben hat die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich ein Papier veröffentlicht, dass sich mit den digitalen Währungen beschäftigt. Die BIZ glaubt, dass es bis zum Durchbruch von virtuellen Währungen noch lange dauert. Doch die Beobachtungen in den Märkten zeigen, dass die Zentralbanken bereits sehr konkret an der Einführung von digitalen Währungen arbeiten. Die FirstRand Bank analysiert, dass die Zeit des Nachdenkens über digitale Währungen vorbei sei, jetzt gehe es nur noch um die rasche und effiziente Umsetzung – und damit um das Ende des Bargelds.

In China und Kanada werde ebenso an diesem Ziel gearbeitet wie in Schweden oder Großbritannien, schreibt Hanan Ismail auf seinem Blog. „Dieser Schritt ist genauso revolutionär wie jener mit den Papierscheinen vor über 300 Jahren. Was bedeutet das für die Geldpolitik und die Finanzstabilität? Wie konstruieren wir die neue Währung: als eine aufladbare Karte, eine App oder auf eine andere Weise?“, sagte die Chefin der schwedischen Zentralbank, Cecilia Skingsley, der Financial Times.

Auch die Europäische Zentralbank beschäftigt sich ernsthaft mit dem Thema. Dies geht aus einer Rede des Vorstandsmitgliedes Yves Mersch vom Januar hervor. „Heute will ich über eine besondere Art digitaler Währungen sprechen – über digitales Zentralbankgeld. Natürlich existiert dies heute schon. Banken haben digitale Ansprüche gegenüber der Zentralbank mit ihren Konten. Jetzt ist die Diskussion aufgekommen, ob Zentralbanken digitales Zentralbankgeld weiteren Gegenparteien zugänglich machen sollte, inklusive Nicht-Banken und Haushalten.“ Mersch deutet an, dass die Einführung einer digitalen Währung von der EZB ernsthaft in Erwägung gezogen werde. „Weil es Spekulationen gibt, dass Zentralbanken das Bargeld abschaffen wollen, möchte ich mich zum Grundsatz der Wahlfreiheit äußern: Wenn digitales Zentralbankgeld eingeführt würde, würde es für die vorhersehbare Zukunft neben Bargeld existieren. Es wäre eine zusätzliche Option, wie Unternehmen und Haushalte ihre Ersparnisse führen können.“

An der Spitze jener Kräfte, die sich für eine Verbreitung digitaler Währungen und eine Zurückdrängung oder sogar Abschaffung des Bargeldes einsetzen, stehen Interessengruppen aus der angelsächsischen Finanzindustrie und supranationale Vereinigungen. Neben dem Internationalen Währungsfonds und der Weltbank sind dies die Alliance for Financial Inclusion und die Better Than Cash Alliance der Vereinten Nationen. Auch die Organisation E-Currency setzt sich für die Schaffung digitalen Geldes durch die Zentralbanken ein.

Die Alliance for Financial Inclusion ist vor allem in nicht-westlichen Ländern aktiv. Eine ihrer Arbeitsgruppen beschäftigt sich mit „digitalen Finanzdienstleistungen, mobilen Finanzdienstleistungen, Bankenwesen ohne Filialen, elektronischem Geld und digitalen Zahlungsmöglichkeiten.

Die Better Than Cash Alliance der UN umfasst nach eigenen Angaben Regierungen, Unternehmen und internationale Organisationen wie die Bill & Melinda Gates-Stiftung und die Clinton Development Initiative. In Japan hatte die Mitsubishi UFJ Financial Group angekündigt, im Herbst 2017 eine digitale Währung einzuführen.

Einer der profiliertesten Kritiker des Bargelds und Verfechter einer monetären Digitalisierung ist der Ökonom Kenneth S. Rogoff von der US-amerikanischen Harvard-Universität. Seiner Meinung nach sollen Dollar-Scheine mit den Nennwerten 100 Dollar, 50 Dollar und 20 Dollar abgeschafft werden. Ihm schwebt mittelfristig eine Gesellschaft vor, in der nur noch wenig Bargeld verwendet wird, wie aus seinem Gastbeitrag im Wall Street Journal hervorgeht.

Die Vorstöße, welche auf eine Einschränkung oder Abschaffung des Bargeld-Gebrauchs abzielen, haben sich in den vergangenen Jahren gehäuft. Meist werden diese mit dem Kampf gegen Schwarzarbeit, Geldwäsche oder Terrorismusfinanzierung begründet. Das ist Unsinn, wie erst neulich die Schweizerische Nationalbank festgestellt hat. Wahrscheinlich ist aber, dass die Forderungen nach einer Digitalisierung des Geldes weit weniger altruistische Gründe haben. In diesem Zusammenhang ist es bemerkenswert, dass Bargeld die einzige Möglichkeit der Bürger darstellt, ihre Ersparnisse vor dem Zugriff der Staaten und Banken und etwaiger Sonderabgaben oder Vermögenssteuern zu schützen. Im Zuge der Finanzkrise in Zypern hatte der Internationale Währungsfonds bereits eine solche Sonderabgabe in Höhe von 10 Prozent für alle Haushalte in Europa ins Spiel gebracht.

In Japan hat die Mitsubishi UFJ Financial Group angekündigt, im Herbst 2017 eine digitale Währung einzuführen.


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