Politik

Deutsche Industrie mit deutlichem Rückgang der Aufträge

Lesezeit: 3 min
07.03.2017 17:59
Die deutsche Industrie meldet einen starken Rückgang der Aufträge. Die Zahlen signalisieren eine Rückkehr zur Normalität.
Deutsche Industrie mit deutlichem Rückgang der Aufträge

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..

Die deutsche Industrie ist laut Reuters mit dem größten Auftragsrückgang seit Anfang 2009 ins neue Jahr gestartet. Bei den Betrieben gingen im Januar 7,4 Prozent weniger Bestellungen ein als im Vormonat, wie das Bundeswirtschaftsministerium am Dienstag mitteilte. Viele Ökonomen sehen darin einen Ausreißer und das Minus als Reaktion auf das kräftige Plus von 5,2 Prozent im Dezember. "Die Zahlen von heute sind kein Grund zur Sorge", sagte UniCredit-Analyst Thomas Strobel. Das Ministerium verwies auf ungewöhnlich wenig Großaufträge im Januar und rechnet weiter mit einer "Belebung der Konjunktur im Verarbeitenden Gewerbe".

Die Auftragsdaten können von Monat zu Monat vor allem wegen Großbestellungen stark schwanken. So gab es im Dezember noch den größten Anstieg seit Juli 2014. Fachleute hatten deshalb für Januar mit einer Gegenbewegung von minus 2,5 Prozent gerechnet, wurden dann aber vom kräftigen Rückgang überrascht. Klammert man Großaufträge aus, lag das Minus bei 2,9 Prozent. Im weniger schwankungsanfälligen Zweimonatsvergleich Dezember/Januar gegenüber Oktober/November schrumpft der Rückgang sogar auf 0,4 Prozent zusammen. "Insgesamt stehen diese Daten einer Fortsetzung des Aufschwungs nicht entgegen", sagte BayernLB-Experte Stefan Kipar. "Die Produktion bleibt weiter ausgelastet."

Vor allem die Nachfrage aus dem Inland brach um 10,5 Prozent ein, die Auslandsaufträge sanken fast halb so stark. Das Ministerium verwies jedoch auf das dicke Auftragspolster von Ende 2016 und betonte: "Der schwache Einstieg in das neue Jahr sollte verkraftbar sein." Zudem sei das Geschäftsklima im Verarbeitenden Gewerbe deutlich aufgehellter als im langjährigen Schnitt. Zuletzt hatte auch die Ifo-Umfrage signalisiert, dass die deutsche Wirtschaft auf gutem Kurs bleibt. Die deutsche Industrie verbuchte im Januar das größte Auftragsminus seit Anfang 2009. "Man sollte den Jahresauftakt nicht überinterpretieren", sagte Thomas Gitzel, Chef-Volkswirt der VP Bank. "Vor dem Hintergrund der allgemein guten Stimmung in der Industrie sollte im Februar wieder ein klares Plus zu vermelden sein."

ING-Diba-Chefökonom Carsten Brzeski sieht keinen Grund für Konjunktureuphorie und sagte zu den Auftragsdaten: "Sie sind eine Mahnung, dass die Industrie mehr Probleme hat zum vollen Tempo zurückzukehren als es die überschäumenden Frühindikatoren nahelegen."

Enttäuschende Konjunkturdaten haben Anleger am Dienstag vom Wiedereinstieg in die europäischen Aktienmärkte abgehalten. Dax und EuroStoxx50 notierten jeweils kaum verändert bei 11.974 und 3385 Punkten. "Zuletzt gab es sehr viel Optimismus, vielleicht ist dies ein Zeichen dafür, dass nicht alles positiv ist", sagte Analyst Neil Wilson vom Brokerhaus ETX Capital. "Die Deutsche Bank ist auch nicht hilfreich."

Die Aktien des Geldhauses verloren wegen der am Wochenende angekündigten acht Milliarden Euro schweren Kapitalerhöhung bis zu 3,2 Prozent. Damit büßte das Institut binnen zwei Handelstagen knapp elf Prozent seines Börsenwertes ein. "Erneute Verluste bei der Aktie der Deutschen Bank deuten darauf hin, dass Investoren sich die Frage stellen, ob acht Milliarden Euro genug sind, um die Bank auf einen nachhaltigen Wachstumspfad zu bringen", sagte Jochen Stanzl, Analyst des Online-Brokers CMC Markets.

Aussagen von Vorstandschef John Cryan, erst nach einem erfolgreichen Umbau abtreten zu wollen, sorgten für zusätzlichen Druck. Börsianer kritisierten fehlende Details zum erneuten Umbau des Instituts. Cryan habe eine Rolle rückwärts gemacht und wirke konfus, sagten Großaktionäre. Im Sog der Deutschen Bank gaben andere Finanzwerte ebenfalls nach. Commerzbank büßten 1,5 Prozent ein, der europäische Banken-Index verlor 0,5 Prozent.

Am Devisenmarkt blickten Anleger auf das britische Oberhaus. Dessen Mitglieder sollen über mögliche Änderungen am Gesetz zum geplanten Ausstieg des Vereinigten Königreichs aus der EU abstimmen und damit dem Parlament mehr Mitspracherechte gewähren. Vor diesem Hintergrund fiel das Pfund Sterling zeitweise auf ein Sieben-Wochen-Tief von 1,2180 Dollar.

Der Euro bewegte sich dagegen kaum und kostete 1,0570 Dollar. Eine Zinserhöhung der US-Notenbank Fed in der kommenden Woche gilt an der Börse als sicher. Investoren sehen nach Reuters-Daten die Wahrscheinlichkeit hierfür bei 85 Prozent.

Parallel dazu trennten sich Investoren von fest verzinsten zehnjährigen italienischen Anleihen, um in ihren Depots Platz für neue, inflationsabhängig verzinste Papiere zu schaffen. Der Thomson-Reuters-Tochter IFR zufolge zeichneten sie neue Titel im Volumen von mehr als vier Milliarden Euro. "Der Zeitpunkt der Emission ist schlau gewählt, kurz nach Bekanntgabe des Anstiegs der Inflationsrate auf zwei Prozent", sagte Unicredit-Anlagestratege Luca Cazzulani.

Die Autobauer Daimler und Volkswagen sowie der Zulieferer Continental führten mit Kursgewinnen von bis zu 1,1 Prozent den Dax an. Die Branche profitierte Börsianern zufolge vom Beginn des Genfer Autosalons. Außerdem schüre die Übernahme der General Motors-Tochter Opel durch Peugeot Fusionsfantasien innerhalb der Branche. Fiat-Chrysler-Chef Sergio Marchionne betonte, ein Schulterschluss mit GM sei für ihn weiter erstrebenswert.

An der Londoner Börse stürzten Aggreko dagegen um bis zu 14 Prozent ab. Der Vorsteuergewinn des Vermieters von Stromgeneratoren fiel auf 221 Millionen Pfund (255 Millionen Euro) von 252 Millionen Pfund im Vorjahr. Für 2017 stellte die Firma einen weiteren Rückgang in Aussicht.

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..


Mehr zum Thema:  

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Europäische Handelskammer warnt vor wirtschaftlicher Abkopplung des Westens von China

Die Europäische Handelskammer in China warnt vor den Folgen einer wirtschaftlichen Abkopplung der USA von China. Europäische Unternehmen...

DWN
Politik
Politik Offizieller Kindesmissbrauch in Kitas? Merkel-Regierung will kein bundesweites Verbot von „Original Play“

Die Bundesregierung will angeblich die Rechte von Kindern stärken und hat dafür eine Änderung des Grundgesetzes auf den Weg gebracht....

DWN
Finanzen
Finanzen Corona 2020: US-Bank Morgan Stanley mit bestem Jahr ihrer Geschichte

Die US-Bank Morgan Stanley hat im vergangenen Jahr ihr bestes Jahr ihrer Geschichte verzeichnet. Eine wichtige Rolle spielte dabei das...

DWN
Finanzen
Finanzen DWN-ANALYSE: Die Deutsche Bank warnt vor einer Öko-Diktatur in Europa

Analysten der Deutschen Bank kritisieren die „unehrliche Debatte“, mit der die EU den Völkern Europas ihren „Green Deal“ verkauft,...

DWN
Finanzen
Finanzen Bitcoin: Lohnt sich der Einstieg noch oder ist es zu spät?

Wer in Bitcoin investieren will, braucht aufgrund der extremen Kurssprünge starke Nerven. Wer dafür bereit ist, erfährt hier, wie in...

DWN
Politik
Politik Nach Todesfällen in Norwegen: China fordert Streichung des Impfstoffs von Pfizer und BioNTec

China fordert, dass der Corona-Impfstoff von BioNTec/Pfizer weltweit gestrichen wird. Zuvor waren 23 Personen in Norwegen nach einer...

DWN
Politik
Politik Die Welt tritt ein in die Phase des Propaganda-Kriegs um Impfstoffe

Egal, ob man Impfstoffe befürwortet oder nicht, muss gesagt werden: Derzeit läuft eine Kampagne gegen den deutsch-amerikanischen...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Netflix knackt Marke von 200 Millionen Nutzern – Aktie auf Höhenflug

Netflix wird von der Konkurrenz gejagt, doch der Pionier des Online-Fernsehens bleibt auf Erfolgskurs. Dank des Streaming-Booms in der...

DWN
Deutschland
Deutschland Steinmeier verkündete im April 2020: „Wir werden einiges von dem gemeinsam erarbeiteten Wohlstand preisgeben“

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier teilte im vergangenen Jahr in einer Videobotschaft mit, dass die Deutschen aufgrund der...

DWN
Politik
Politik Maas über Trump: „Natürlich. Ich bin auch froh, dass er weg ist“

Bundesaußenminister Heiko Mass hat im Gespräch mit „Bild Live“ über Trump gesagt: „Natürlich. ich bin auch froh, dass er weg...

DWN
Politik
Politik Aus Liebe zu China: Merkel übergeht Deutschlands EU-Partner

Mit Angela Merkels pro-chinesischem Kurs sind mehrere EU-Staaten unzufrieden, zumal sie befürchten, dass China nach der Pandemie...

DWN
Deutschland
Deutschland Online-Apotheken erleben Boom während der Pandemie

Online-Apotheken erleben während der Pandemie einen Boom. Das beflügelt auch die Aktienkurse von diversen Online-Apotheken-Firmen.

DWN
Deutschland
Deutschland Hoteliers am Ende: „Ein Zurück zu 2019 wird es nicht geben“

Messen sind abgesagt, Veranstaltungen finden online statt. Die Corona-Pandemie schränkt Geschäftsreisen massiv ein. Manche Firmen werden...

DWN
Finanzen
Finanzen Dax: Corona-Verschärfungen lassen Anleger nur mit den Achseln zucken

Das deutsche Leitbarometer legt zu - der verschärften Maßnahmen zum Trotz. Der wichtigste Termin ist heute Abend die Inthronisierung von...