Politik

Finanzvorstand Richard Lutz wird neuer Chef der Deutschen Bahn

Lesezeit: 2 min
14.03.2017 17:58
Der bisherige Finanzvorstand der Deutschen Bahn, Richard Lutz, rückt an die Spitze des Staatskonzerns. Der frühere Kanzleramtsminister Pofalla muss sich daher noch etwas gedulden, bis er an die Reihe kommt.
Finanzvorstand Richard Lutz wird neuer Chef der Deutschen Bahn

+++WERBUNG+++

[vzaar id="2845103" width="600" height="338"]

Die Nachfolge von Rüdiger Grube ist geklärt: Der langjährige Finanzvorstand Richard Lutz soll in wenigen Tagen offiziell den Chefposten bei der Deutschen Bahn übernehmen. Der 52-Jährige habe „Universalerfahrung bei der Deutschen Bahn“ und kenne die „aktuellen Herausforderungen“, begründete Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) in der Bild-Zeitung vom Mittwoch die Personalie. Lutz soll demnach am 22. März auf der Bahn-Hauptversammlung offiziell gewählt werden.

Auf Lutz als neuen Bahn-Chef verständigten sich nach Angaben aus Koalitionskreisen Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU), Vizekanzler Sigmar Gabriel (SPD), Kanzleramtsminister Peter Altmaier und Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (beide CDU). Der promovierte Betriebswirt ist bereits seit 1994 bei der Deutschen Bahn. Seit fast sieben Jahren ist er Finanzvorstand. An die Konzernspitze rückte er seit dem unerwarteten Rücktritt von Rüdiger Grube Ende Januar bereits kommissarisch.

Die Koalition entschied sich damit für einen langjährigen Kenner des Konzerns: Richard Lutz war de facto die rechte Hand von Grube und an dessen Seite das Gesicht der Bilanzpressekonferenzen des Unternehmens. Während er dabei bisher nach Grube die wichtigsten Zahlen des Vorjahres erläuterte, stellt er aller Voraussicht nach bereits in der nächsten Woche die Bilanz für 2016 selbst als neuer Bahn-Chef vor.

Die Personalie muss zuvor aber noch abgesegnet werden. Am Wochenende wollen sich deshalb Spitzenpolitiker mit Mitgliedern des Aufsichtsrats treffen, wie aus Koalitionskreisen weiter verlautete. Die nächste reguläre Sitzung des Aufsichtsrats findet am 22. März statt – am Tag vor der Bilanzpressekonferenz.

Auf Vorschlag des Verkehrsministeriums soll außerdem der Vorstand umstrukturiert werden: So soll ein Ressort für Digitalisierung und Technik sowie eines für den Schienengüterverkehr geschaffen werden, hieß es aus Koalitionskreisen. Damit wolle die Bahn ihre „Zukunftsfelder betonen“. Laut „Welt“ sind der Siemens-Manager Siegfried Russwurm als Technik-Vorstand und die Chefin der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG), Sigrid Nikutta, als neue Leiterin des Schienengüterverkehrs im Gespräch.

An die Spitze des Konzerns schafft es Bahn-Vorstand Pofalla damit vorerst nicht, analysiert die AFP. Er wird zwar bereits seit langem als Kronprinz gehandelt, kam allerdings erst 2015 zur Deutschen Bahn – zunächst als Generalbevollmächtigter für politische und internationale Beziehungen, ab August 2015 dann als Vorstandsmitglied. Seit Jahresbeginn führt Pofalla das überaus wichtige Infrastruktur-Ressort.

Es sei richtig, „nicht den bahnfernen Ex-Politiker Ronald Pofalla an die Spitze des Bahnkonzerns zu setzen“, erklärten die Grünen-Politiker Anton Hofreiter und Matthias Gastel. Mit der Entscheidung für Lutz habe sich die Koalition aber „für den Status Quo entschieden und nicht für den Aufbruch“, kritisierten sie.

Offensichtlich wolle die Bundesregierung das Thema Bahn aus dem Wahlkampf heraushalten, erklärte die Linken-Politikerin Sabine Leidig. Lutz sei de facto nur eine Übergangslösung, „um dann in ein oder zwei Jahren den Weg für Pofalla frei zu machen“.

Der Fahrgastverband Pro Bahn hielt den bisherigen Finanzvorstand dagegen für eine gute Wahl. Lutz sei „ein guter Mann“, sagte Verbandssprecher Karl-Peter Naumann dem „Tagesspiegel“ vom Mittwoch. „Er kennt die Bahn schon sehr lange und bewahrt stets die Ruhe.“

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Russland verkauft Öl teurer als 60-Dollar-Preisdeckel

In Asien wird der von den G7-Staaten verhängte Preisdeckel auf russisches Öl ignoriert. Russland kann sein Öl dort weiterhin für mehr...

DWN
Politik
Politik Twitter-Files: Wie die Social-Media-Plattform gezielt kritische Meinungen zensierte

Interne Dokumente zeigen, dass Twitter die Meinungsfreiheit jahrelang gezielt einschränkte. Opfer der Zensur wurden vor allem konservative...

DWN
Finanzen
Finanzen Größter Aktienfonds der Welt wettet jetzt gegen den Markt

Der 1,3 Billionen Dollar schwere norwegische Staatsfonds verfolgt künftig konträre Strategien. Dies sei notwendig, um im aktuellen Markt...

DWN
Deutschland
Deutschland Alarm im Ländle: Baden-Württemberg schrammt knapp an Strom-Engpass vorbei

Der baden-württembergische Netzbetreiber TransnetBW hat die Bürger Mitte der Woche in einer Warnmeldung aufgefordert, den Stromverbrauch...

DWN
Politik
Politik Rentenfonds des EU-Parlaments steht vor der Pleite

Ein Rentenfonds für EU-Abgeordnete verfügt bei Weitem nicht mehr über nötigen Anlagen, um die versprochenen Zahlungen abzudecken....

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Russland erreicht Rekord-Überschuss in Leistungsbilanz

Wegen hoher Export-Einnahmen erreicht Russland dieses Jahr einen Rekordüberschuss in seiner Leistungsbilanz. Ursache ist vor allem die...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Handelsabkommen CETA stärkt Konzerne und schwächt den Mittelstand

Lange stand das Handelsabkommen CETA auf der Kippe, nun macht der Bundestag den Weg frei. Das Abkommen steht wegen umstrittener...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Etihad setzt wieder auf Superjumbos, da Flugverkehr boomt

Etihad Airways plant die Wiederaufnahme von A380-Superjumbos von Airbus in ihre Flotte, da die Nachfrage nach Langstreckenflügen stark...