Politik

Mazedonien: Aufgebrachte Demonstranten stürmen das Parlament

Lesezeit: 1 min
28.04.2017 01:26
Mazedonien: Aufgebrachte Demonstranten stürmen das Parlament.
Mazedonien: Aufgebrachte Demonstranten stürmen das Parlament

Mehr zum Thema:  
Europa >
Benachrichtigung über neue Artikel:  
Europa  

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..

Beim Sturm von Demonstranten auf das mazedonische Parlament sind am Donnerstagabend in Skopje mindestens zehn Menschen verletzt worden, unter ihnen Oppositionsführer Zoran Zaev. Ein AFP-Reporter sah Zaev mit blutverschmiertem Gesicht in einer aufgebrachten Menschenmenge. Nach Medienberichten wurden bei der Erstürmung des Parlaments neun weitere Menschen verletzt, unter ihnen zwei Abgeordnete. Rund hundert Demonstranten drangen in das Parlamentsgebäude ein. Sie schwenkten mazedonische Flaggen und sangen die Nationalhymne.

Die konservativ-nationalistischen Demonstranten protestierten gegen den Plan des Sozialdemokraten Zaev, sich mithilfe einer Partei der albanischen Minderheit zum Regierungschef wählen zu lassen. Sie sehen darin eine Gefahr für die Einheit und Souveränität Mazedoniens. Für besonderen Ärger bei den Demonstranten sorgte am Donnerstag der Versuch von Zaev und seinen Verbündeten, den albanisch-mazedonischen Politiker Talat Xhaferi zum Parlamentspräsidenten wählen zu lassen.

EU-Erweiterungskommissar Johannes Hahn kritisierte die Erstürmung "auf das Schärfste". Im Kurzbotschaftendienst Twitter schrieb er:"Gewalt hat keinen Platz im Parlament. Die Demokratie muss ihren Lauf nehmen."

Das Auswärtige Amt in Berlin beschrieb die Lage als "unübersichtlich". Es riet Reisenden, die Innenstadt von Skopje und öffentliche Plätze der mazedonischen Hauptstadt vorerst zu meiden.

Mazedonien wird seit 2015 von einer politischen Krise gelähmt. Auch Parlamentswahlen im Dezember hatten keinen Ausweg gebracht. Präsident Gjorge Ivanov weigert sich seitdem, Zaev ein Mandat zur Regierungsbildung zu erteilen, obwohl dieser mit den albanischen Abgeordneten eine Mehrheit im Parlament hätte. Ivanov wirft Zaev vor, "Mazedoniens Souveränität zu untergraben".

Die langjährige konservative Regierungspartei VMRO-DPMNE, die zwar mit zwei Sitzen mehr als Zaevs SDSM aus der Wahl hervorgegangen war, hatte keine Koalition zustande bekommen.

Die EU bemüht sich bislang erfolglos um eine Beilegung des Konflikts. 20 bis 25 Prozent der rund 2,1 Millionen Einwohner Mazedoniens gehören der albanischen Minderheit in dem Balkanland an.

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..


Mehr zum Thema:  
Europa >

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Schweiz: Gas-Solidaritätsdeal mit Deutschland vor dem Aus

Der Schweizer Plan Deutschland mit einem Abkommen zur Solidarität bei einem Gas-Notstand zu verpflichten, rückt in weite Ferne. Berlin...

DWN
Finanzen
Finanzen Rohstoff-Handel bringt Hedgefonds massive Renditen

Hedgefonds, die mit Rohstoff-Papieren handeln, gehören zu den großen Gewinnern der diesjährigen Marktturbulenzen. Doch einige haben ihre...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Besser als der Dollar: Mexiko und Brasilien überraschen mit starken Währungen

Mexiko und Brasilien trotzen dem starken Dollar. Die Staaten haben die Inflation erfolgreich unter Kontrolle gebracht, wovon ihre...

DWN
Deutschland
Deutschland Aufträge der deutschen Industrie brechen massiv ein

Die deutsche Industrie erhält deutlich weniger Aufträge. Die Reihe der Probleme ist lang. Man erwartet ein äußerst schwieriges...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Inflationsausgleichsprämie: So hilft der Bonus Unternehmen

Die vom Bundeskabinett beschlossene Inflationsprämie ist Teil des dritten Entlastungspaketes. Auf was muss man beim Ausgleich achten und...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Stromverträge: So gehen Sie gegen Kündigungen vor

Strom- und Gasverbraucher erhalten von Anbietern zum Vertragslaufende Kündigungen. Waren es zunächst vor allem kleinere Stromanbieter,...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Porsche überholt VW, wird wertvollster Autobauer Europas

Die Porsche AG wird derzeit mit 85 Milliarden Euro bewertet. Damit hat der Sportwagenbauer nun einen höheren Börsenwert als der...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Pkw-Absatz: Keine Trendwende in Sicht

Der Pkw-Absatz legten im September zwar um 14% zu. Eine Trendwende ist laut dem Kraftfahrt-Bundesamt jedoch nicht erkennbar.