Finanzen

Lidl will Amazon in den USA mit Preiskampf auf Distanz halten

Lesezeit: 2 min
20.06.2017 00:49
Lidl hat seine ersten Filialen in den USA eröffnet. Mit Amazon sieht sich der deutsche Discounter einen neuen Konkurrenten gegenüber.
Lidl will Amazon in den USA mit Preiskampf auf Distanz halten

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  
Internet  
USA  

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..

Der deutsche Konkurrent Aldi besitzt schon lange ein Standbein in den USA, in der vergangenen Woche zog Lidl nun nach und eröffnete seine ersten zehn Filialen in Amerika. Innerhalb eines Jahres sollen 100 weitere entlang der Ostküste folgen. Für die ohnehin schwächelnden und unter der verschärften Konkurrenz durch Online-Händler wie Amazon leidenden Supermärkte wie Walmart oder Kroger ist das keine gute Nachricht – ebenso wenig wie für die Arbeitnehmer in den USA.

Mit frischgebackenem Brot, „nachhaltigen“ und frischen Produkten wie etwa Fisch und einer großen Weinauswahl setzt Amerika-Chef Brendan Proctor auf eine Marktstrategie, die man in den USA bislang eher bei gehobeneren und teureren Lebensmittelhändlern findet. Doch Lidl zentrales Verkaufsargument bleibt das, womit es der Konzern schaffte, innerhalb von 40 Jahren zu einem der weltweit größten Einzelhändler mit mehr als 10.000 Filialen in 27 Ländern zu werden: Tiefstpreise. Dadurch dürfte sich der herrschende Preiskampf zwischen den etablierten Supermarktketten weiter verschärfen.

Für die US-Branchenschwergewichte, allen voran Marktführer Walmart, dem mit einem Jahresumsatz von 486 Milliarden Dollar weltgrößten Einzelhändler, kommt der neue Wettbewerber mehr als ungelegen. Denn die Geschäfte leiden bereits unter der wachsenden Konkurrenz aus dem Internet, insbesondere unter dem kometenhaften Aufstieg des Online-Riesen Amazon, der zunehmend auch in den Lebensmittelhandel vordringt. Verglichen mit den nagelneuen Filialen von Lidl sehen Walmarts in die Jahre gekommene Shopping-Center zudem richtig alt aus.

Allerdings ist nicht jeder überzeugt, dass Lidl das Zeug hat, den US-Markt aufzurollen. Die Investmentbank Sanford C. Bernstein verweist auf den scharfen Wettbewerb in den USA, wo es neben Walmart und etlichen Supermarktketten auch noch ein riesiges Netz an „Dollar-Stores“ gibt, die sich mit Kampfpreisen überbieten. Das sei die Erklärung, warum Lidls Rivale Aldi trotz mehr als 40-jähriger US-Präsenz bislang nur etwa ein Prozent Marktanteil erreicht habe.

Lidl expandiert in einer Zeit großer Umbrüche auf den US-Markt. Daran hat auch der Technologiekonzern Amazon seinen Anteil, welcher vor wenigen Tagen den Bio-Anbieter Whole Foods übernommen hat.

Für die Angestellten von Whole Foods brechen nun ungewisse Zeiten an, weil Amazon sein Know-How im Technologiebereich nutzen wird, um Kosten einzusparen, Prozesse zu automatisieren und Mitarbeiter zu entlassen, berichtet Bloomberg. Amazon-Chef Jeff Bezos werde versuchen, „den Ruf Whole Foods als Anbieter von hochwertiger, frischer Ware zu bewahren und gleichzeitig die Preise zu senken, um die hochpreisige Reputation des Unternehmens zu verändern“, zitiert Bloomberg eine Quelle.

Teil der Strategie sei, „die Anzahl der Mitarbeiter sowie die Kosten für die Einrichtung zu reduzieren, um gegenüber Großanbietern wie Walmart konkurrenzfähig zu bleiben. Dazu gehört wahrscheinlich auch, die Kassierer zu entlassen und die Zahlungsabwicklung zu automatisieren.“ Reuters zufolge fürchten viele Angestellte von Whole Foods, ihren Arbeitsplatz zu verlieren und die entspannte Unternehmenskultur einzubüßen. Amazon greift für die Arbeit in vielen seiner Lagerhallen bereits auf Roboter zurück und erprobt die Auslieferung von Bestellungen durch Drohnen.

In einer Forschungsfiliale in Seattle erprobt der Online-Shopping-Konzern bereits eine vollkommen automatisierte Form der Zahlungsabwicklung. Dort gibt es keine Kassen mehr, sondern den Kunden wird der zu zahlende Betrag automatisch beim Verlassen des Geschäfts vom Smartphone abgebucht. Die verbliebenen Angestellten seien dann hauptsächlich dafür da, „das Kauferlebnis für die Kunden zu verbessern“, schreibt Bloomberg.


Mehr zum Thema:  

Anzeige
DWN
Panorama
Panorama Halbzeit Urlaub bei ROBINSON

Wie wäre es mit einem grandiosen Urlaub im Juni? Zur Halbzeit des Jahres einfach mal durchatmen und an einem Ort sein, wo dich ein...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Der Rohstoffhandel boomt weiter, doch es zeigt sich auch die Schattenseite
21.04.2024

In ihrem zweitbesten Gewinnjahr verbuchten die globalen Rohstoffhandelshäuser 2023 mehr als 100 Milliarden Dollar Profit, allen voran die...

DWN
Technologie
Technologie Rheinland-Pfalz eröffnet größten Solarpark: Meilenstein für Energiewende
21.04.2024

Rheinland-Pfalz startet größtes Solarprojekt: 300 Fußballfelder große Anlage solle grünen Strom für 60.000 Haushalte liefern und...

DWN
Politik
Politik Mehr Souveränität wagen: Wie Deutschland sich auf eine zweite Amtszeit Trumps ́vorbereiten sollte
21.04.2024

In Umfragen liegt Donald Trump deutlich vor dem amtierenden US-Präsidenten Joe Biden. Wie sollte sich Deutschland auf eine zweite Amtszeit...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Weltraum-Bahnhöfe: Europas ehrgeizige Pläne für die Zukunft der Raumfahrt
21.04.2024

Auch in Deutschland ist die Begeisterung fürs Weltall, und wie man dort hinkommt, weit verbreitet. Wir reden heute nicht von Trekkies,...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Comeback von Japan-Aktien: Neue Ära für Investoren?
21.04.2024

Der japanische Aktienmarkt erlebt derzeit ein erstaunliches Comeback. Doch hinter dem jüngsten Rekordhoch des Nikkei von 40.000 Punkten...

DWN
Politik
Politik Drohnen als neue Art der Kriegsführung - die Bundeswehr tut sich schwer damit
21.04.2024

Die Angriffe des Iran und die Verteidigung Israels haben endgültig deutlich gemacht, dass Kriege nicht mehr im Schützengraben geführt...

DWN
Technologie
Technologie KI-Revolution: Laut Studie Milliarden-Gewinne für deutsche Unternehmen
21.04.2024

Die Zukunft der deutschen Industrie wird durch Künstliche Intelligenz geformt: Eine Studie enthüllt nun ihre Auswirkungen - wie KI...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft US-Repräsentantenhaus bewilligt Hilfe für Ukraine – Russland kritisiert
21.04.2024

Ein wichtiger Schritt im globalen Konflikt mit weitreichenden Folgen: Das US-Repräsentantenhaus hat ein neues Hilfspaket für die Ukraine...