Politik

Abkehr vom Petro-Dollar: Katar setzt auf chinesischen Yuan

Lesezeit: 2 min
30.06.2017 23:08
Katar setzt auf chinesischen Yuan und signalisiert damit eine Abkehr vom Petro-Dollar.
Abkehr vom Petro-Dollar: Katar setzt auf chinesischen Yuan

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  

Das Emirat Katar ist zu einem wichtigen Stützpfeiler der Bestrebungen Chinas geworden, die chinesische Landeswährung Yuan zu einer international akzeptierten Handelswährung zu machen. Möglich ist, dass dieser Umstand auch eine Rolle bei der von Saudi-Arabien vorangetriebenen Isolierung des Emirats spielt, berichtet das Portal Anti Media. Saudi-Arabien hatte den Druck auf Katar nach dem Besuch von US-Präsident Donald Trump erhöht.

Der Handel zwischen Katar und China in Yuan hat in den vergangenen Jahren einen deutlichen Aufschwung erlebt. Die als chinesische Verbindungsbank in Doha ansässige Industrial and Commercial Bank of China (ICBC) hat in den vergangenen zwei Jahren bereits Yuan-Geschäfte im Umfang von etwa 590 Milliarden Yuan (rund 86 Milliarden Dollar) abgewickelt, berichtet CNBC.

Obwohl noch immer ein Großteil des bilateralen Handels beider Länder in US-Dollar abgewickelt wird, hat der Yuan inzwischen deutlich mehr Gewicht erhalten. Das Clearing-Zentrum der ICBC existiert erst seit zwei Jahren. Es stellt das erste seiner Art im Mittleren Osten dar und soll zu einem schnelleren und günstigeren Warenaustausch zwischen beiden Ländern in Yuan führen.

„ICBC Doha eröffnet Katar den Zugang zu Chinas heimischem Yuan-Markt, zu den chinesischen Börsen, Unternehmen, Banken und Investoren“, sagt der Chef der katarischen Niederlassung von ICBC, Zheng Chunyi, in einem Interview mit CNBC. „Unsere Daten zeigen, dass Katar, die Vereinigten Arabischen Emirate und Kuwait die aktivsten Staaten im Mittleren Osten sind, die den Yuan für Direktzahlungen mit China und Hong Kong verwenden.“ Die chinesischen Gesamtinvestitionen im Mittleren Osten beliefen sich Zheng zufolge auf etwa 160 Milliarden Dollar zwischen 2005 und 2016.

Möglich ist, dass auch der Handel mit Gas und Öl zwischen Katar und China bald in Yuan abgewickelt wird. „Je mehr das Handelsvolumen zwischen China und dem Mittleren Osten ansteigt, desto mehr werden wir eine Nutzung des Yuan erleben“, sagt Zheng. Dies wäre ein schwerer Schlag gegen die globale Dominanz des Dollars, welcher CNBC zufolge noch immer von China zur Bezahlung von Öl- und Gaslieferungen aus Katar verwendet wird.

Die internationale Akzeptanz des Dollar basiert nicht zuletzt auf dem Petrodollar-System, also der ausschließlichen Bezahlung von Rohöl in Dollar, welches Mitte der 1970er Jahre zwischen den USA und Saudi-Arabien ausgehandelt wurde. Je mehr Länder damit beginnen, ihre Energielieferungen in anderen Währungen abzuwickeln, umso schwächer wird die Rolle des Dollar und damit auch der politische Einfluss der USA.

Den geopolitischen Interessen der USA dürfte zudem die Einbindung Katars in das chinesische Handelssystem der „Neuen Seidenstraße“ (auch als „Ein Gürtel, eine Straße“ bezeichnet) zuwiderlaufen. Aus einer Stellungnahme der katarischen Handelskammer geht diese Absicht klar hervor: „Der Vizepräsident der Handelskammer von Katar sagte, dass die Privatwirtschaft eine wichtige Rolle für die Kooperation beider Länder spiele, speziell was Investitionsmöglichkeiten anbelangt. Er wies darauf hin, dass bereits mehr als 100 chinesische Firmen in Katar ansässig sind. Er sagte, dass die Existenz des Clearing-Zentrums eine wichtige Säule der Zusammenarbeit sei und dass die bilateralen Beziehungen tief und stark seien. Bin Towar (der Vizepräsident der Handelskammer – die Red.) betonte besonders die Bedeutung des Beitritts zur Initiative ‚Ein Gürtel, eine Straße‘, welche von China im Jahr 2013 gegründet wurde und der Katar wenig später beitrat“, schreibt die Handelskammer.

Die britischen Banken Lloyds, RBS und Tesco stoppten am Freitag den Handel mit der katarischen Landeswährung Rial. Auch soll sie nicht mehr zum Kauf und Verkauf in den Filialen angeboten werden. "Diese Währung ist nicht länger verfügbar", sagte eine Sprecherin der Lloyds Banking Group. Grund dafür sei, dass ein Drittanbieter seine Devisenmarkt-Aktivitäten für die Währung am 21. Juni eingestellt habe.

Die katarische Zentralbank erklärte, sie werde alle Transaktionen für Kunden im In- und Ausland ohne Verzögerungen garantieren. Alle Banken und Wechselstuben seien dazu verpflichtet, den Handel mit dem Rial wie gewohnt abzuwickeln.

Wirtschaftliche Sanktionen und eine schwache Liquidität des Rial hatten zuvor für Chaos an den Devisenmärkten gesorgt. Dessen Kurs schwankt heftig, seit Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate, Bahrain und Ägypten am 5. Juni den Abbruch der diplomatischen Beziehungen zur Katar verkündeten. Sie werfen dem Land vor, den Terrorismus zu unterstützen.

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..


Mehr zum Thema:  

DWN
Deutschland
Deutschland Streit um Rundfunkbeitrag droht Koalition in Sachsen-Anhalt zu sprengen

Wegen der Blockade durch CDU und AfD in Sachsen-Anhalt kann der Rundfunkbeitrag voraussichtlich nicht erhöht werden. Daher droht nun auch...

DWN
Politik
Politik Corona-Ticker: Spahn rechnet mit Impfbeginn um den Jahreswechsel herum

Um den Jahreswechsel sollten die Dosen zur Verfügung stehen, sagte Spahn. Die Impfzentren sollten bereits Mitte Dezember einsatzbereit...

DWN
Politik
Politik Trumps Truppenabzug aus dem Nahen Osten und Afghanistan sorgt für Unbehagen

Donald Trumps Plan, die Stärke der US-Truppen in Afghanistan und im Irak bis zum 15. Januar 2021 auf jeweils 2.500 Mann zu reduzieren,...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Streit im Opec-Kartell: Analysten sehen Risiken für den Ölpreis

Zwischen den Ölnationen Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten ist ein offener Streit entbrannt. Experten zufolge könnte...

DWN
Finanzen
Finanzen Wirecard-Skandal verändert Dax dauerhaft

Die Deutsche Börse stockt den Dax auf 40 Mitglieder auf. Das ist nur eine Folge der Wirecard-Pleite. Die Zusammensetzung des Dax soll...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Bundesregierung präsentiert Zeitplan für Normen und Zertifizierung von künstlicher Intelligenz

Der Einsatz künstlicher Intelligenz verspricht ein gigantisches Wachstum für Deutschland. Jetzt hat die Bundesregierung einen wichtigen...

DWN
Finanzen
Finanzen EZB erwägt Verlängerung der Krisen-Anleihenkäufe PEPP

Die Europäische Zentralbank prüft derzeit eine Verlängerung ihres Pandemie-Notfallkaufprogramm PEPP (Pandemic Emergency Purchase...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Biontech und Pfizer beantragen EU-Zulassung für Corona-Impfstoff

Biontech und Pfizer haben bei der Europäischen Arzneimittel-Agentur die Zulassung ihres Corona-Impfstoffs beantragt. Sollte die Behörde...

DWN
Finanzen
Finanzen EU-Staaten treiben europäische Bankenunion mit ESM-Reform voran

Die Euro-Staaten haben eine Reform des ESM in die Wege geleitet. Dieser soll künftig als "letzte Verteidigungslinie" bei drohenden...

DWN
Finanzen
Finanzen Robuste China-Daten und Impfstoff-Anträge beflügeln deutsches Leitbarometer

Die deutschen Börsen sind heute Morgen mit Gewinnen in den neuen Tag gestartet. Es gab sehr positive Nachrichten.

DWN
Deutschland
Deutschland Autofahrer tötet zwei Menschen in Fußgängerzone von Trier

Der Fahrer sei festgenommen worden, teilte die Polizei per Twitter am Dienstag mit. Bürgermeister Wolfram Leibe zeigte sich erschüttert:...

DWN
Politik
Politik Wahlbetrug? US-Richter lässt Stimmenzähl-Maschinen in Georgia „einfrieren“

Ein Bezirksrichter im US-Bundesstaat Georgia hat drei Wahlmaschinen „einfrieren“ lassen. Es soll offenbar eine forensische Inspektion...

DWN
Finanzen
Finanzen Nach drei Jahren: Bitcoin steigt auf Rekordhoch

Am Montag überstieg der Bitcoin-Kurs seinen bisherigen Rekordstand vom Dezember 2017. Reißt der Kurs als nächstes die Marke von 20.000...

DWN
Deutschland
Deutschland Finanzminister Scholz: „Ich unterstütze die Arbeit der EZB an einem digitalen Euro voll”

Bundesfinanzminister Scholz konstatiert einen starken Trend hin zu bargeldlosen, digitalisierten Bezahlmöglichkeiten in Europa: „Es gibt...