Deutschland

Deutsche Anleger verlieren Milliarden im grauen Kapitalmarkt

Lesezeit: 2 min
13.11.2017 17:05
Deutsche Anleger verlieren jedes Jahr viel Geld im sogenannten grauen Kapitalmarkt.
Deutsche Anleger verlieren Milliarden im grauen Kapitalmarkt

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  

Jedes Jahr ergaunern sich Betrüger in Deutschland große Summen durch Anlageschwindel am sogenannten Grauen Kapitalmarkt. Dabei gibt es unterschiedliche Maschen oder Methoden, wie gutgläubige Investoren betrogen werden. Allerdings gibt es auch Hinweise darauf, wie die dubiosen Machenschaften zu erkennen sind.

Über den Umfang des finanziellen Schadens gibt es sehr widersprüchliche Angaben. Im Jahr 2015 beliefen sich nach Angaben des Bundeskriminalamts die Schäden durch Kapitalanlagebetrug, die dem grauen Markt zuzuordnen waren, auf insgesamt etwa 720 Millionen Euro. Der Bayrische Rundfunk berichtet hingegen von einem Gesamtschaden von jährlich über 20 Milliarden Euro und beruft sich dabei ebenfalls auf das Bundeskriminalamt.

In diesem von der Bundesfinanzaufsicht (BaFin) weniger kontrollierten Bereich verlieren Anleger oftmals das gesamte investierte Vermögen, ohne vorher ausreichend über die Risiken aufgeklärt worden zu sein. Dabei stehen den eingegangenen Risiken in vielen Fällen keine entsprechenden Chancen im Erfolgsfall gegenüber.

Gebräuchlich ist die Unterteilung des Kapitalmarkts in unterschiedliche Bereiche: Finanzprodukte des weißen Kapitalmarkts verfügen über eine Erlaubnis der BaFin und werden durch die Behörde fortwährend kontrolliert und beaufsichtigt. Der schwarze Kapitalmarkt ist ein Tummelplatz für illegale Aktivitäten, bei denen erlaubnispflichtige Geschäfte ohne eben diese notwendige Erlaubnis betrieben werden. Hierzu gehören beispielsweise Transaktionen, die dem Bereich Geldwäsche zuzuordnen sind.

Finanzprodukte, die zum grauen Kapitalmarkt gehören, unterliegen in aller Regel nicht der Erlaubnispflicht und sind daher von der Kontrolle und der Aufsicht durch die BaFin befreit. Demnach sind nicht alle Finanzprodukte, die zum grauen Markt zählen, von vorneherein als unsolide oder dubios zu bezeichnen.

Genau das macht die Identifizierung der zahlreich auf dem Markt vertretenen schwarzen Schafe so schwierig. Wer Interesse an einer derartigen Investition hat, kommt nicht umhin, die hier angebotenen Finanzprodukte einer exakten Prüfung zu unterziehen. In erster Linie sind es relativ unerfahrene Kleinanleger, die von unseriösen Anbietern gezielt angesprochen werden, um ihnen Geldanlagen mit für sie ungünstigen Chancen/Risiko-Relationen schmackhaft zu machen. Eine weit verbreitete Vorgehensweise besteht darin, Anleger dazu zu veranlassen, Vermögen aus sicheren Kapitalanlagen abzuziehen und diese im Anschluss im grauen Kapitalmarkt neu zu investieren.

Am grauen Kapitalmarkt werden Anlegern besonders häufig schwach liquide, das heißt selten gehandelte und daher nur sehr schwer wieder zu veräußernde Vermögensanlagen mit langfristiger Kapitalbindung, angeboten. Dies geschieht oft in Verbindung mit exorbitanten Renditeversprechen, die auf den ersten Blick konkurrenzlos gegenüber den Gewinnaussichten seriöser Investments erscheinen. Darüber hinaus gaukeln manche Finanzprodukte des grauen Marktes Investoren einen nachhaltigen beziehungsweise ethischen Hintergrund vor, um neben den Renditeperspektiven auch ein gutes Gefühl zu vermitteln.

Unseriöse Anbieter mit Betrugsabsicht legen bei ihren Angeboten einen nahezu unbegrenzten Ideenreichtum an den Tag: Immer wieder erscheinen neue Produkte auf den Markt, sodass Warnungen von Verbraucherschätzern und pauschale Einschätzungen selten den Kern der Sache treffen. Entsprechende Vertrags- und Prospektunterlagen enthalten in vielen Fällen komplizierte Formulierungen sowie versteckte Klauseln, die erst durch eingehende Beschäftigung erkenntlich werden. Zudem werden dubiose Geldanlagen oft mit vermeintlichen Sicherheiten sowie mit marktuntypisch hohe Renditen und Zinsen – manchmal im höheren zweistelligen Bereich – angeboten.

Anleger sollten besonders hellhörig werden, bei Investments, bei denen sie im Verlauf ihrer Anlageentscheidung unter erhöhten Zeitdruck gesetzt werden oder bei denen sie als Investor quasi exklusiv ausgewählt worden sind. Daneben ist erhöhte Vorsicht geboten bei Geldanlagen mit Bezug zum Ausland und bei Direktinvestments in Sachanlagen, deren Vermietung fortlaufende Gewinne „garantiert“. Wenig aussagekräftige Hochglanzprospekte oder Prominente als Werbepartner sollten ebenfalls nicht als Beleg für die Vertrauenswürdigkeit eines Anbieters betrachtet werden.

Unabhängig von der „Schattierung“ des Kapitalmarkts ist es für jeden Anleger empfehlenswert, der vor einer Entscheidung im Hinblick auf ein Investment steht, zu überprüfen, wie hoch das mögliche Verlustrisiko ist und ob er bereit ist, ein solches einzugehen.

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..


Mehr zum Thema:  

DWN
Finanzen
Finanzen Derivate - Finanzielle Massenvernichtungswaffe oder wichtige Stütze der Wirtschaft? Teil 1

Die Finanz-Instrumente sind heftig umstritten. Einige sehen sie als notwendige Absicherungs-Vehikel, andere nur als reine...

DWN
Deutschland
Deutschland Neueste Zahlen zeigen extrem niedrige Sterblichkeitsrate bei Corona-Infektionen

Neueste Zahlen des Robert Koch-Instituts sowie der Weltgesundheitsorganisation zeigen eine extrem niedrige Wahrscheinlichkeit, dass...

DWN
Politik
Politik US-Experten warnen vor Inlands-Terrorismus vor der US-Wahl

Einer Analyse der Pentagon-Denkfabrik RAND zufolge könnte es vor und während der US-Präsidentschaftswahlen zu Terroranschlägen kommen....

DWN
Marktbericht
Marktbericht Ständiges Warten aufs neue US-Konjunkturpaket drückt Dax immer weiter in die Verlustzone - heute Blick in die Türkei

Die Woche läuft derzeit an den deutschen Börsen alles andere als gut. So treiben unter anderem die steigenden Corona-Zahlen den Anlegern...

DWN
Finanzen
Finanzen Goldman: Wenn Biden die US-Wahlen gewinnt, explodiert der Silberpreis

Im Vorfeld der US-Präsidentschaftswahlen am 3. November empfiehlt Goldman Sachs Investoren, sich vom Dollar zu trennen und Silber zu...

DWN
Deutschland
Deutschland Blühende Landschaften: Ostdeutschland entwickelt sich zum Zentrum der europäischen Elektro-Mobilität

Ostdeutschland steht eine glänzende Zukunft bevor: Das sagt die Ökonomin Dalia Marin.

DWN
Finanzen
Finanzen Preise für Strom und Gas ziehen weiter deutlich an

Die Preise für Strom und Gas in Deutschland zählen zu den höchsten weltweit. Ein Ende der Teuerung ist indes nicht abzusehen, wie Daten...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Globale Institutionen: Es droht eine weltweite Nahrungsmittel-Knappheit

Nahrungsmittel werden immer knapper und deshalb immer teurer. Knappheits-Szenarien wurden bereits vor fünf Jahren von globalen...

DWN
Deutschland
Deutschland Messerattacke in Dresden hat islamistischen Hintergrund, Generalbundesanwalt ermittelt

Die tödliche Messerattacke auf zwei Touristen am 4. Oktober in Dresden hat offenbar einen islamistischen Hintergrund. Der 2015 eingereiste...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Euler Hermes: Deutscher Mittelstand kommt im Europavergleich vergleichsweise gut durch die Krise

Die deutschen Unternehmen sind zwar nach einem aktuellen Bericht von Euler Hermes angeschlagen. Doch sieht es in anderen Ländern noch...

DWN
Politik
Politik Macron kündigt „Schlacht“ gegen den Islamismus in Frankreich an

Der französische Staatspräsident Emanuel Macron hat eine lange „Schlacht“ gegen die islamistische Ideologie angekündigt. Diese werde...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Fertighaus-Hersteller befinden sich trotz Corona auf Rekordkurs

Die Produzenten von Fertighäusern zählen zu den ganz wenigen Branchen, die sich während der Krise sehr gut entwickeln. Der Bundesverband...

DWN
Finanzen
Finanzen „Das Börsenjahr 2020 ist für viele bisher unerklärlich“

Das Börsenjahr 2020 hat das Verhalten der Privatanleger entscheidend geändert, so Michael Kopf von der Patriarch Multi-Manager GmbH. Sie...

DWN
Politik
Politik Bundesregierung stärkt Handlungsfähigkeit deutscher Geheimdienste bei digitaler Überwachung

Die Bundesregierung räumt den deutschen Geheimdiensten mehr Kontroll- und Überwachungsmöglichkeiten im technologischen Bereich ein.