Deutschland

Deutsche Behörden schleichen sich in Chats und Internet-Foren ein

Lesezeit: 2 min
30.11.2017 17:12
Deutsche Sicherheitsbehörden arbeiten in Internet-Foren offenbar auch mit von ahnungslosen Nutzen übernommenen Konten.
Deutsche Behörden schleichen sich in Chats und Internet-Foren ein

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  

+++Werbung+++

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..

Deutsche Sicherheitsbehörden arbeiten verdeckt in Internet-Foren, Chats und Messenger-Diensten wie Whatsapp. Dabei unterhalten sie nicht nur eigene Konten, sondern schleichen sich auch unbemerkt in bestehende Accounts von Dritten ein und führen diese fort, wie aus einer Anfrage der Linkspartei hervorgeht.

Die Anfrage der Linken wirft ein Licht auf die Aktivitäten der Bundespolizei. Diese hat demnach im Jahr 2016 174 und im Jahr 2017 284 pseudonyme Accounts unterhalten.

„Die Behörden bezeichnen diese Art der Ermittlung als Zugänge, die zuvor ‚von Dritten‘ eingerichtet worden waren. Dies betraf beim Bundeskriminalamt seit 2014 lediglich vier Fälle, in denen jeweils Accounts von Beschuldigten anhängiger Ermittlungsverfahren übernommen wurden. Der Zoll nutzt ebenfalls von ‚Dritten‘ übernommene Accounts, wobei es sich ausschließlich um Zugänge von Beschuldigten gehandelt haben soll. Für die Bundespolizei gibt das Bundesinnenministerium die Zahl von ‚Dritten‘ eingerichteter Accounts für 2016 mit 15 an, in diesem Jahr sind es bereits 21. Es ist unklar, ob dies ebenfalls in Amtshilfe für die Generalstaatsanwaltschaft geschah. Durchgeführt wurde die Maßnahme vermutlich vom Informations- und Kommunikationstechnikzentrum (IKTZ) der Bundespolizei mit Hauptsitz in Potsdam“, schreibt das Magazin Telepolis hierzu.

Bei diesen „Dritten“ handelt es sich offenbar nur in einem Teil der Fälle um Beschuldigte oder Verdächtige in einem Strafverfahren, ein Teil davon sind offenbar unbescholtene Bürger, die nichts von der Nutzung ihrer Konten erfahren.

Insbesondere die Bundespolizei scheint sich dieser Methode zu bedienen. Auf die Frage, in wie vielen Fällen es sich bei den genannten Accounts um solche handelt, die zuvor von Beschuldigten, Zeugen, Hinweisgebern, Informanten oder Kontaktpersonen bereits anhängiger Ermittlungen eingerichtet worden waren, antwortet der Bundestag: „Beim Bundeskriminalamt handelte es sich in allen vier, bei der Bundespolizei in einem der in der Antwort zu Frage 6 aufgeführten Fälle um Accounts von Beschuldigten bereits anhängiger Ermittlungsverfahren.“ Da aber die Bundespolizei im laufenden Jahr 21 Konten von Dritten führt, liegt die Vermutung nahe, dass es sich dabei um weitergeführte Konten ahnungsloser Nutzer handeln könnte.

Dem Bundeskriminalamt (BKA) zufolge stellen Netzwerke von Islamisten in sozialen Medien nach den Worten von BKA-Chef Holger Münch eine wachsende Gefahr dar. Es würden zunehmend Netzwerke im virtuellen Raum gebildet, sagte der Präsident des Bundeskriminalamts am Donnerstag in Berlin. Die Propaganda- und Medienarbeit des sogenannten Islamischen Staates (IS) habe verschiedene Phasen durchlaufen. Derzeit gehe es dem IS vor allem darum, Netzwerke in sozialen Medien zu unterhalten, Anleitungen zu geben und „zu coachen bis zum Anschlag“. Insgesamt gebe es „einen Trend zum individuellen Dschihad in losen Netzwerken“.

Aktuell gibt es nach Angaben des BKA-Chefs in Deutschland 700 islamistische Gefährder sowie mehr als 400 „relevante Personen“, die beispielsweise als Unterstützer bei Anschlägen oder als Finanzierer infrage kämen. Eine immer größere Rolle spielten Anschläge im öffentlichen Raum, „dort wo man viele Menschen trifft“. Eingesetzt würden einfachere Mittel. Dabei spielten Sprengsätze ebenso eine Rolle wie Hieb- und Stichwaffen sowie Fahrzeuge. In Deutschland gab es 15 Anschlagsversuche seit dem Jahr 2000 und sieben islamistische Anschläge seit 2011.

Vor allem gelte es, den weiteren Radikalisierungsverlauf Islamisten von im Auge zu behalten, etwa nach Verbüßung einer Haftstrafe. Die Frage sei auch, was nach dem Zusammenbruch des selbstausgerufenen Kalifats des IS geschehe. Eine große Rückkehrbewegung von Kämpfern sei aber noch nicht zu beobachten.

Sehr ernst nähmen die Sicherheitsbehörden die Gefahr durch Islamisten unter Flüchtlingen, sagte Münch. Aus mehr als 1000 Hinweisen hätten sich 160 Verfahren ergeben.

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..


Mehr zum Thema:  

DWN
Politik
Politik Marc Friedrich: Die Bundesregierung probte schon 2012 den Umgang mit Corona

Marc Friedrich geht mit der Bundesregierung hart ins Gericht.

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Ölpreise steigen auf Mehrjahreshochs, Brent über 75 Dollar

Gestützt werden die Ölpreise vor allem von der Aussicht auf eine weiter anziehende Nachfrage in großen Verbrauchsländern wie den USA...

DWN
Finanzen
Finanzen Der „Bullard-Schock“ zeigt: die Nerven im Finanzsystem liegen blank

Vorsichtige Äußerungen eines Bezirkspräsidenten der US-Zentralbank zu einer Normalisierung der Geldpolitik lösen Sorge und...

DWN
Finanzen
Finanzen Der Weltraum wird privat und eröffnet Anlegern neue Chancen

Privatunternehmen drängen in den Kosmos. Prominente Vorreiter wie SpaceX und Blue Origin bringen Satelliten ins All, versorgen die...

DWN
Technologie
Technologie Basiert die EU-Klimapolitik auf einem massiven Rechenfehler?

170 Wissenschaftler haben einen Brandbrief an die EU geschrieben. Ihrer Ansicht nach basiert die Förderung der Elektromobilität auf einem...

DWN
Politik
Politik „Wir leben nun in einer multipolaren Welt“ – Laschet warnt vor neuem Kalten Krieg gegen China

Vor dem Hintergrund der gegen China gerichteten Politik Washingtons warnt CDU-Kanzlerkandidat Armin Laschet vor einem blinden Kurs der...

DWN
Deutschland
Deutschland Porsche baut Batteriezellen, bei Erfolg konzernweiter Einsatz

Der Sportwagenbauer Porsche steigt in die Produktion von Batteriezellen für leistungsstarke Sportwagen ein und könnte die Technik im...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Fanuc stemmt sich mit Großauftrag von Ford gegen Krise - Roboter-Branche immer noch angeschlagen

Der japanische Hersteller Fanuc hat ein schweres Corona-Jahr hinter sich. Eine weitere Groß-Order soll da neue Impulse bringen.