Politik

Bundeswehr bekommt Kamikaze-Drohen: Stärkung der Nato-Ostflanke

Deutschland stellt 540 Millionen Euro für Kamikaze-Drohnen bereit und stärkt damit gezielt die militärische Präsenz an der NATO-Ostflanke. Welche Rolle spielen dabei deutsche Rüstungsunternehmen und die strategische Neuausrichtung der Bundeswehr?
26.02.2026 17:43
Lesezeit: 2 min

Okay aus Berlin: Bundeswehr bekommt Kamikaze-Drohen

Der Haushaltsausschuss des Bundestages hat über die Freigabe von insgesamt 540 Millionen Euro für die Beschaffung sogenannter loitering munitions mittlerer Reichweite entschieden - aber unter Auflagen. Die Haushaltspolitiker stimmten den Plänen aus dem Verteidigungsministerium zu, das solche Waffensysteme bei den beiden deutschen Hersteller Stark Defence aus Berlin und Helsing aus München bestellen will.

Mit dem Schritt reagiert die Bundesregierung auf die angespannte Sicherheitslage an der NATO-Ostflanke. Die geplante Investition ist Teil einer umfassenderen Modernisierung der Bundeswehr, bei der unbemannte Systeme eine zentrale Rolle spielen.

Helsing und Stark Defence erhalten Großaufträge

Im Zuge der Stärkung der östlichen Bündnisgrenze sollen die deutschen Unternehmen Helsing und Stark Defence jeweils Verträge im Umfang von rund 270 Millionen Euro erhalten. Beide Firmen sollen ihre ersten Drohnen bis Oktober an die in Litauen stationierte deutsche Panzerbrigade liefern, so die mit dem Vorgang vertrauten Personen.

Generalinspekteur Carsten Breuer erklärte, er gehe davon aus, dass die Brigade bis Anfang des kommenden Jahres über eine ausreichende Anzahl an Drohnen verfügen werde. Die genaue Stückzahl werde aus Gründen der nationalen Sicherheit nicht veröffentlicht.

Rheinmetall vor weiterem Auftrag

Bereits zuvor hatten Medien berichtet, dass auch der Rüstungskonzern Rheinmetall noch im Frühjahr einen vergleichbaren Auftrag erhalten soll. Damit würde sich die Beschaffung moderner Drohnentechnologie auf mehrere Anbieter verteilen und zugleich die heimische Rüstungsindustrie stärken.

Loitering-Munitions gelten als flexible Waffensysteme, die über dem Einsatzgebiet kreisen und ihr Ziel autonom oder nach Freigabe angreifen können. Ihr Einsatz hat in aktuellen Konflikten erheblich an Bedeutung gewonnen.

Debatte um US-Investor Peter Thiel

In Deutschland hatte insbesondere der geplante Auftrag an Stark Defence politische Diskussionen ausgelöst. Hintergrund ist, dass zu den Investoren des Unternehmens der US-Milliardär Peter Thiel zählt, der als Unterstützer von Präsident Donald Trump gilt.

Thiels Unternehmen Palantir ist auf Softwarelösungen für Sicherheits- und Verteidigungsbehörden spezialisiert. Das Bundesverteidigungsministerium soll Abgeordnete jedoch darüber informiert haben, dass Thiel aufgrund seines vergleichsweise geringen Anteils weder besondere Rechte noch maßgeblichen Einfluss auf Stark Defence ausübe.

Strategische Aufrüstung mit industriepolitischer Dimension

Mit der geplanten Ausgabe von 540 Millionen Euro setzt die Bundesregierung ein deutliches Signal für den Ausbau moderner Drohnenkapazitäten. Die Ausstattung der in Litauen stationierten Brigade unterstreicht den Anspruch Berlins, innerhalb der NATO mehr Verantwortung zu übernehmen.

Für Deutschland bedeutet die Entscheidung zugleich eine industriepolitische Weichenstellung. Die gezielte Förderung heimischer Anbieter im Bereich Drohnentechnologie könnte den Rüstungsstandort stärken und langfristig neue technologische Kompetenzen im Land bündeln.

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