Unternehmen investieren stärker in KI und bauen Stellen ab
Investoren und Ökonomen beobachten zunehmend, dass Künstliche Intelligenz in immer mehr Branchen Abläufe verändert und Geschäftsmodelle verschiebt. Analysten von Goldman Sachs warnten am Dienstag, dass die beschleunigte Einführung von KI noch in diesem Jahr die Arbeitslosigkeit in den USA erhöhen könnte. Besonders in stark automatisierbaren Bereichen seien Stellenstreichungen bereits sichtbar, berichtet Reuters.
Nach Schätzungen der Bank war die Technologie im Jahr 2024 in besonders exponierten Branchen monatlich für netto 5.000 bis 10.000 weggefallene Arbeitsplätze verantwortlich. Im Januar soll KI bereits rund sieben Prozent aller angekündigten Entlassungen ausgemacht haben. Seit dem Herbst melden zahlreiche internationale Konzerne Einschnitte und verweisen auf Restrukturierungen, Automatisierung und eine Neuausrichtung ihrer Investitionen.
Agora und Allianz straffen den Personalbestand
Der Medienkonzern Agora kündigte im Dezember im Zuge einer Reorganisation den Abbau von bis zu 166 Stellen an. Das entspricht 6,56 Prozent der Belegschaft, zugleich soll der digitale Bereich gestärkt werden. Der deutsche Versicherungskonzern Allianz plant den Abbau von bis zu 1.800 Arbeitsplätzen im Geschäft mit Reiseversicherungen. Dort übernehmen zunehmend KI-gestützte Systeme standardisierte Prozesse, um Abläufe effizienter zu gestalten.
Amazon und Autodesk setzen stärker auf Effizienzprogramme
Amazon bestätigte am 28. Januar den Abbau von 16.000 Stellen im Verwaltungsbereich. Weitere Kürzungen im Rahmen eines Effizienzprogramms und verstärkter KI-Investitionen schloss der Konzern nicht aus. Auch der Softwarehersteller Autodesk kündigte an, rund sieben Prozent der weltweiten Belegschaft zu streichen. Das entspricht etwa 1.000 Mitarbeitern, die Mittel sollen in Cloud-Angebote und KI-Initiativen umgeschichtet werden.
Dow und HP beschleunigen den Umbau in der Industrie
British American Tobacco stellte ein Programm zur Steigerung der Produktivität mithilfe von KI vor, nannte jedoch keine Zahl geplanter Einschnitte. Der Chemiekonzern Dow plant hingegen den Abbau von rund 4.500 Arbeitsplätzen, was 13 Prozent der Belegschaft entspricht. Prozesse sollen durch Automatisierung und KI vereinfacht werden.
Der Computer- und Druckerhersteller HP kündigte an, bis zum Geschäftsjahr 2028 weltweit 4.000 bis 6.000 Stellen zu streichen. Ziel ist es, operative Strukturen zu verschlanken und KI-basierte Lösungen stärker in Geschäftsprozesse zu integrieren.
Meta verlagert den Fokus auf KI-Projekte
Meta reduziert in der Einheit Reality Labs mehr als 1.000 Stellen und verschiebt den Schwerpunkt vom Metaverse hin zu Geräten und KI-Projekten. Bereits im Herbst hatte der Konzern zudem den Abbau von rund 600 Stellen in den Superintelligence-Labs angekündigt. Die Maßnahmen zeigen, dass auch in der Plattformökonomie die Prioritäten neu gesetzt werden. Wo Investitionen in KI steigen, werden andere Bereiche zurückgefahren, um Budgets freizumachen.
Nike und Pinterest kürzen in neuen Strukturen
Der Sportartikelhersteller Nike streicht 775 Arbeitsplätze, um die Profitabilität zu erhöhen und Automatisierung breiter einzusetzen. Pinterest plant, die Belegschaft um bis zu 15 Prozent zu reduzieren, um Ressourcen stärker auf KI-bezogene Rollen und Strategien zu konzentrieren.
Ein französischer Hersteller von Kleingeräten kündigte ein Restrukturierungsprogramm an, das bis 2027 weltweit bis zu 2.100 Stellen betreffen könnte. Zugleich soll das Potenzial der Künstlichen Intelligenz nach Angaben des Unternehmens vollständig genutzt werden.
Deutschlands Arbeitsmarkt steht vor derselben Logik
Viele Unternehmen sprechen von einer Verlagerung von Ressourcen und Effizienzgewinnen. Doch Umfang und Tempo der angekündigten Maßnahmen verstärken die Sorge, dass der KI-Ausbau kurzfristig spürbare Verwerfungen am Arbeitsmarkt auslöst, bevor neue Tätigkeitsfelder entstehen.
Für Deutschland ist die Dynamik besonders relevant, weil Industrie und Dienstleistungen parallel unter Kosten- und Transformationsdruck stehen. Wenn Konzerne auch hierzulande Investitionen in KI priorisieren, dürften Qualifizierung und Umschulung zur zentralen Stellschraube werden. Entscheidend wird sein, ob Unternehmen den Umbau so steuern, dass Produktivitätsgewinne nicht in dauerhafte Beschäftigungsrisiken umschlagen.


