Immobilien

Horrende Mieten in Deutschland: 6,6 Millionen Haushalte finanziell überlastet

In Deutschland ist inzwischen jeder dritte Mieterhaushalt von den Wohnkosten finanziell überlastet. Das ergab eine Studie des Mieterbundes. Demnach müssen rund 6,6 Millionen Haushalte bereits 30 bis 40 Prozent ihres Nettoeinkommens nur fürs Wohnen ausgeben. Der Mieterbund spricht von "alarmierenden Zahlen" und fordert schnelle Maßnahmen.
07.06.2026 17:32
Lesezeit: 2 min
Horrende Mieten in Deutschland: 6,6 Millionen Haushalte finanziell überlastet
Neue Mieter zahlen deutlich mehr, vor allem in Berlin, München und Frankfurt. (Foto: dpa)

Horrende Mieten in Deutschland: 6,6 Millionen Haushalte finanziell überlastet

Millionen Mieter in Deutschland sind von ihren Wohnkosten überlastet. Rund 3,2 Millionen Mieterhaushalte wenden mehr als 40 Prozent ihres Nettoeinkommens für das Wohnen auf, zeigt eine Studie des Instituts Wohnen und Umwelt (IWU) im Auftrag des Deutschen Mieterbunds. Weitere 3,4 Millionen Mieterhaushalte geben demnach 30 bis 40 Prozent ihres Nettoeinkommens für Kaltmiete und Heizkosten aus.

Insgesamt ist aus Sicht von IWU und Mieterbund jeder dritte Mieterhaushalt - rund 6,6 Millionen - überlastet. Die Präsidentin des Deutschen Mieterbunds, Melanie Weber-Moritz, sprach von alarmierenden Zahlen. "Die Bundesregierung muss jetzt Mieterinnen und Mieter vor weiteren Belastungen schützen."

Hoher Anteil von Geringverdienern

Der Studie zufolge gehören von den fast 20 Millionen Mieterhaushalten in Deutschland 42 Prozent oder 8,3 Millionen zum unteren Einkommensdrittel: Sie haben ein Haushaltsnettoeinkommen von im Schnitt 1.417 Euro pro Monat. Diese Gruppe sei mit ihren Wohnkosten am "finanziellen Limit".

"Besonders betroffen sind die untersten 10 Prozent der Einkommensverteilung, sie haben eine durchschnittliche Wohnkostenbelastung von 60 Prozent", heißt es in der Studie, die auf Daten aus dem jüngsten Mikrozensus 2022 zu Einkommen und Mieten basiert. Die Zahl wurden anhand von Angaben des Statistisches Bundesamts auf den neusten verfügbaren Stand von 2024 fortgeschrieben.

Anders als der Mieterbund sieht das Statistische Bundesamt nur eine relativ kleine Minderheit der Bevölkerung von ihren Wohnkosten überlastet. 2025 waren davon 11,2 Prozent der Menschen in Deutschland oder rund jeder Neunte betroffen, hat die Behörde auf Basis früherer europäischer Statistikdaten errechnet. Das Statistische Bundesamt zieht die Grenze strenger und bezeichnet Haushalte erst als überbelastet, wenn sie über 40 Prozent ihres Einkommens für Wohnen aufwenden.

Neue Mieter zahlen deutlich mehr

Der Mieterbund schreibt, der Anstieg der Mieten treibe die Wohnkostenbelastung vieler Haushalte nach oben, besonders für jene, die kürzlich umgezogen sind. So seien die Mieten in Verträgen ab 2020 im Schnitt gut ein Fünftel höher und Mieterhaushalte hätten mit 33 Prozent eine deutlich höhere Wohnkostenbelastung als Haushalte, die vor 2020 eingezogen sind.

Besonders betroffen seien Grosstädte: In Berlin lägen die Mieten von Haushalten, die nach 2020 eingezogen sind, durchschnittlich 29 Prozent über dem Schnitt aller Mietverträge. In München seien es 26 und in Frankfurt 25 Prozent. Dahinter steckt, dass viele Menschen, die einen bezahlbaren Mietvertrag haben, einen Umzug scheuen - das friert die Mietmärkte förmlich ein. Die Wohnkostenbelastung in Metropolen liege bei über 30 Prozent und bei neuen Mietverträgen über 35 Prozent, so der Mieterbund.

"Die Spirale immer stärker steigender Mieten muss gestoppt werden. Dazu muss die Bundesregierung die geplante strengere Ahndung von Mietwucher durchsetzen, die Mietpreisbremse verschärfen und Verstöße mit empfindlichen Bußgeldern ahnden, damit Mieterinnen und Mieter endlich vor illegaler Mietüberhöhung geschützt sind", fordert Weber-Moritz. Die Mietpreisbremse, die in angespannten Wohnungsmärkten und bis 2029 gilt, müsse entfristet werden und bundesweit wirken.

Der Mieterbund fordert ferner, dass der Bestand an Sozialwohnungen bis 2030 von zuletzt 1,1 Millionen auf mindestens 2 Millionen Wohnungen steigen soll. Auch müsse es mehr öffentliche Wohnungen geben, um im Mietwohnungsmarkt "ein dauerhaft preisgebundenes und bezahlbares Segment zu etablieren".

Die Studie basiert auf Daten aus dem letzten vorliegenden Mikrozensus von 2022, einschließlich der Zusatzerhebung Wohnen. Die Erhebung umfasst 1 Prozent der Haushalte in Deutschland (ca. 370.000) und ist repräsentativ für die Bevölkerung. Abgefragt wurden die Einkommen und Mieten.

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