Finanzen

SpaceX-IPO könnte zum Wendepunkt für Weltraum-Aktien werden

Die Vorfreude auf den Börsengang von SpaceX treibt Weltraum-Aktien auf immer neue Höhen. Doch gerade die größten Euphoriephasen an den Märkten waren oft Vorboten schmerzhafter Kurskorrekturen.
07.06.2026 16:00
Lesezeit: 7 min
SpaceX-IPO könnte zum Wendepunkt für Weltraum-Aktien werden
SpaceX-IPO: Droht Anlegern die nächste Spekulationsblase im All? (Foto: dpa)

SpaceX-IPO befeuert den Hype um Weltraum-Aktien

Investoren verspüren häufig den Drang, möglichst spät noch auf einen bereits fahrenden Zug aufzuspringen. Im Fall des erwarteten SpaceX-Börsengangs wirkt dieses Bild inzwischen fast veraltet. Statt Zügen versuchen Anleger derzeit, auf Raketen Richtung All aufzuspringen. Wohin diese Reise letztlich führt, bleibt allerdings offen.

Fest steht, dass Aktien von Raumfahrtunternehmen wieder massiv gefragt sind. Viele Anleger setzen darauf, dass Elon Musks Visionen rund um die Erschließung des Weltraums langfristig enorme wirtschaftliche Chancen eröffnen, berichtet das lettische Finanzportal Investoru Klub. Hinzu kommt die Angst, weitere Kursgewinne zu verpassen. Diese FOMO-Stimmung treibt derzeit nicht nur KI-Aktien, sondern zunehmend auch Weltraumtitel an.

Zusätzliche Fantasie entsteht durch weitere mögliche Mega-Börsengänge. Neben SpaceX werden auch IPOs von OpenAI und Anthropic erwartet, die neue Spekulationswellen auslösen könnten.

Rocket Lab und andere Raumfahrtwerte im Höhenflug

Die Entwicklung einzelner Raumfahrtaktien zeigt, wie stark die Dynamik inzwischen geworden ist. Rocket Lab gehört zu den Unternehmen, die besonders vom SpaceX-IPO-Hype profitieren. Die Aktie legte innerhalb eines Jahres um mehr als 400 Prozent zu. Das Unternehmen entwirft, produziert und vertreibt beispielsweise eine Elektronenrakete für kleine Raumfahrzeuge, die Dienste starten. Es entwickelt auch eine Neutronenwerfer, die für große interplanetare Missionen entwickelt wurde.

Auch Firefly Aerospace sowie weitere Raumfahrtunternehmen wie Planet Labs, Intuitive Machines, RedWire oder Voyager Technologies rückten in den Fokus der Anleger. Zudem profitieren Zulieferer und Partnerunternehmen von SpaceX. Anleger setzen zunehmend auf die gesamte Wertschöpfungskette der Raumfahrtindustrie und nicht nur auf einzelne Raketenbauer.

Die zentrale Frage lautet jedoch, wie viel weiteres Potenzial nach derart starken Kursanstiegen noch vorhanden ist. Gerade bei Wachstumswerten zeigt die Börsengeschichte, dass extreme Kursrallys häufig von heftigen Rückschlägen begleitet werden.

Weltraum-Aktien erinnern zunehmend an Meme-Aktien

Beobachter sehen inzwischen Parallelen zu früheren Meme-Aktien. Die starke Aktivität von Leerverkäufern lockt spekulative Anleger an, die gezielt auf sogenannte Short-Squeeze-Szenarien setzen. Dabei treiben koordinierte Käufe die Kurse nach oben und zwingen Leerverkäufer dazu, ihre Positionen einzudecken. Dies kann die Kurse zusätzlich explodieren lassen.

Beispiele wie Rivian lassen da aufhorchen. Das Elektroauto-Unternehmen war zeitweise wertvoller als etablierte Autokonzerne, obwohl die Produktion noch minimal war. Heute notiert die Aktie rund 90 Prozent unter ihren Höchstständen. Die Bereitschaft vieler Anleger, jede neue Trendgeschichte zu kaufen, ist kein neues Phänomen.

Auch die Bewertung von SpaceX sorgt für Diskussionen. Das Unternehmen erzielte 2025 laut Wall Street Journal einen Umsatz von 18,7 Milliarden US-Dollar. Gleichzeitig wird die Bewertung im Umfeld des Börsengangs auf 1,5 bis 2 Billionen US-Dollar geschätzt. Optimisten argumentieren, Investoren würden nicht das heutige Geschäft kaufen, sondern eine Plattform, die künftig zentrale Teile der orbitalen Infrastruktur kontrollieren könnte.

Warnsignale trotz faszinierender Zukunftsvisionen

Das SpaceX-IPO könnte bereits den Höhepunkt der Euphorie markieren. Besonders kritisch sind nämlich Bewertungen, die dem Vielfachen des Jahresumsatzes entsprechen. Viele Unternehmen der Branche arbeiten weiterhin mit Verlusten. Solange Investoren jedoch auf zukünftiges Wachstum setzen, spielt Profitabilität häufig nur eine untergeordnete Rolle.

Historisch fallen die größten Börseneuphorien oft mit einer Welle spektakulärer Börsengänge zusammen. Sollten SpaceX, OpenAI und Anthropic tatsächlich mit gigantischen Bewertungen an die Börse kommen, könnte dies zugleich ein Signal sein, dass die aktuelle Hausse an den Aktienmärkten einen fortgeschrittenen Reifegrad erreicht hat.

Alternativen zum direkten Einstieg in Weltraum-Aktien

Wer auf das Thema Raumfahrt setzen möchte, muss nicht zwangsläufig einzelne Hochrisiko-Werte kaufen. Anleger können auch über spezialisierte ETFs investieren. Genannt werden etwa der VanEck Space Innovators ETF oder der ARK Space & Defence Innovation UCITS ETF. Beide bündeln zahlreiche Unternehmen aus der Raumfahrtindustrie.

Daneben könnten auch etablierte Rüstungs- und Technologiekonzerne von der zunehmenden Kommerzialisierung des Weltraums profitieren. Unternehmen wie Airbus, Safran, Leonardo, Thales, Rheinmetall, Boeing, Lockheed Martin oder Northrop Grumman verfügen bereits über bedeutende Aktivitäten im Raumfahrtsektor.

Als weiteres interessantes Nebenthema gilt Helium. Das Gas spielt bei Raketenantrieben eine wichtige Rolle. Mit zunehmender Raumfahrtaktivität könnte daher auch die Nachfrage nach Helium und entsprechenden Produzenten steigen.

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Jānis Šķupelis

Jānis Šķupelis schreibt für Investoru Klubs, das lettische Investmentmedium und Schwesterunternehmen der Deutschen Wirtschafts Nachrichten im Bonnier-Konzern. Seine Beiträge beschäftigen sich vor allem mit Aktienmärkten, Rohstoffen, Zentralbanken, Anlegerpsychologie und langfristigen Investmenttrends.
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