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Türkei errichtet „Sicherheitszone“ im Norden Syriens

Lesezeit: 3 min
12.09.2018 23:57
Die Türkei errichtet im Norden Syriens eine „Schutzzone“, um eine neue Flüchtlingsbewegung eindämmen zu können.
Türkei errichtet „Sicherheitszone“ im Norden Syriens

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Der türkischen Zeitung Milliyet zufolge versucht die Türkei im Norden Syriens eine Sicherheitszone für syrische Zivilisten zu errichten. Gleichzeitig hat die Türkei Zehntausende von Söldnern der Freien Syrischen Armee (FSA) mobilisiert und ihre Stellungen bei Idlib befestigt. Ankara rechnet angesichts einer russisch-syrischen Großoffensive auf Idlib mit einer neuen Flüchtlingsbewegung, die innerhalb der geplanten Sicherheitszone abgefangen werden soll. Das erste Ziel der syrischen Armee (SAA) sei es, die Straßenverbindung zwischen Homs und Aleppo, die durch Idlib verläuft, vollständig unter Kontrolle zu bekommen.

Der türkische Sender CNN Turk hat einen Bericht über die Ausbildung der Mitglieder der Freien Syrischen Armee (FSA) ausgestrahlt. Der Sender geht dabei auf die Trainingsmethoden der FSA sein, die bald in Idlib zum Einsatz kommen sollen. „Die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit wurde aufgrund der Angriffe zu Boden und zur Luft auf die Provinz Idlib gerichtet. Die Freie Syrische Armee mobilisiert neue Kämpfer, die sich in Ausbildung befinden. Sie absolvieren ein schweres Training auf allen Geländearten. Die Soldaten können es kaum abwarten, gegen das Regime, die PKK und andere Terrororganisationen zum Einsatz zu kommen und zu kämpfen.“

Die Trainingscamps befinden sich zwischen Aleppo und Azaz. Die Trainingsprogramme variieren zwischen einem und drei Monate. Der syrische Oberst Hani Merey sagte CNN Turk, dass das Training die FSA-Mitglieder auf jede Situation einstellen soll. Die FSA trägt mittlerweile den Namen „Syrische Nationalarmee“, die syrisch-nationalistisch und gleichzeitig gegen die Regierung in Damaskus ist.

Der FSA-General Ahmed Rahal teilte über Twitter mit, dass die türkischen Streitkräfte im Falle einer syrisch-russischen Großoffensive auf Idlib ihre Posten in Idlib nicht verlassen und die FSA mit Waffen und Munition versorgen werden.

In einer weiteren Twitter-Botschaft kritisiert er den UN-Sondergesandten für Syrien, Staffan di Mistura: „Sagt diesem ungeschickten di Mistura: Wir hatten niemals ein Problem mit der syrischen Verfassung. Unser Problem mit der Assad-Bande besteht darin, dass die Verfassung eben nicht umgesetzt wird.“

Dass Russland nun dazu übergehe, die Ergebnisse des Teheran-Gipfels im Rahmen der UN zu diskutieren, sei ein „russisches Täuschungsmanöver“. Die „türkisch-russischen Flitterwochen“ seien wegen der Weigerung der Türkei, Russland grünes Licht für einen Einmarsch in Idlib zu geben, vorbei, meint Rakal in einer Twitter-Botschaft.

Der türkische Analyst Cahit Armağan Dilek führt einem Beitrag der Zeitung Yeniçağ aus: „Russland und Syrien wollen zunächst die Autobahnen M5 und M4 unter Kontrolle bekommen, um HTS (Hayat Tahrir al-Scham, Anm. d. Red.) in das Grenzgebiet zwischen Syrien und der Türkei zu drängen. Die Aufgabe der Neutralisierung von HTS soll somit der Türkei übergeben werden. Entweder hat die türkische Regierung diesem Plan zugestimmt, oder aber Russland hat die Türkei gedrängt, dem zuzustimmen (...) Eine derartige Operation gegen HTS würde den Selbstmord der Türkei nach sich ziehen. Die USA reiben sich bereits die Hände, weil im Rahmen eines derartigen Szenarios die Türkei die USA zu Hilfe rufen müsste.“

Dilek argumentiert, dass HTS eine hochgefährliche Organisation mit zahlreichen erprobten Kämpfern sei. Eine Konfrontation zwischen der Türkei und HTS hätte auch den Vorteil für die USA, dass die Türkei ihr Augenmerk nicht mehr auf die Kurden-Milizen der PKK/PYD richten könnte, sondern es mit einer neuen Terrororganisation zu tun hätte.

Söldner an der türkisch-syrischen Grenze drohen der Türkei, Racheakte durchzuführen, falls die Türkei Russland und Syrien in Idlib gewähren lassen sollte, berichtet T24. Derzeit kursiert in den türkischen Medien ein Video, in dem ein Söldner sagt: „Wenn ihr Idlib verkauft, werden wir diese Grenzmauern durch diese Tunnel überqueren. In zwei Stunden wären wir dann in Reyhanlı.“

Im Jahr 2013 wurde im Stadtzentrum von Reyhanlı ein schwerer Anschlag mit zwei Autobomben durchgeführt. Dabei kamen über 51 Menschen ums Leben. Die türkische Hacker-Gruppe veröffentlichte Originaldokumente der Sicherheitsbehörden, die die Al-Nusra-Front, die sich mittlerweile Hayat Tahrir al-Scham (HTS) nennt, als Urheber des Anschlags identifizierte.

Der türkische Außenminister Mevlüt Çavuşoğlu sagte am 11. September auf einer Pressekonferenz in Bukarest, dass die Türkei bereit sei, „mit allen Partnern zusammenzuarbeiten“, wenn Syrien und Russland ihre Angriffe auf Idlib stoppen würden. Er nannte Russland, den Iran, Frankreich und Großbritannien als Partner, so der englischsprachige Dienst der Hürriyet.

Währenddessen hat der russische UN-Botschafter Wasili Nebentzia bei einer Sitzung des UN-Sicherheitsrats gesagt, dass HTS in der Provinz menschliche Schutzschilde einsetzen möchte. Die Tass zitiert Nebentzia: „Terroristen dürfen nicht unbegrenzt Geiseln halten und Hunderttausende von Zivilisten in Idlib als menschlichen Schutzschild benutzen (...) Terroristen dürfen nicht geschützt werden, weil sie alle auf die eine oder andere Weise mit der in Russland verbotenen Al-Qaida verbunden sind - die Gruppe, die wir alle nach den Anschlägen des 11. Septembers zu bekämpfen begannen.“ Der russische Gesandte wies darauf hin, dass die in Teheran angenommene gemeinsame Erklärung der Staats- und Regierungschefs Russlands, des Iran und der Türkei die Notwendigkeit betont, gemäßigte Oppositionsmitglieder von Terroristen zu trennen. „Diese Trennung ist entscheidend, um zivile Opfer zu verhindern“, sagte Nebentzia.


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