Politik

Maas entschuldigt sich bei Saudi-Arabien für „Missverständnisse“

Lesezeit: 1 min
26.09.2018 00:57
Bundesaußenminister Maas hat die von Saudi-Arabien geforderte Entschuldigung abgegeben und hofft nun auf gute Beziehungen.
Maas entschuldigt sich bei Saudi-Arabien für „Missverständnisse“

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  

Bundesaußenminister Heiko Maas und sein saudischer Amtskollege Adel al-Dschubair haben sich am Dienstag bei einem Gespräch in New York darauf verständigt, dass der im November 2017 aus Protest abgezogene saudische Botschafter nach Deutschland zurückkehrt. Das meldet die dpa und verschiedene saudische Medien.

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..

Maas' Vorgänger Sigmar Gabriel hatte Saudi-Arabien im November «Abenteurertum» im Nahen Osten vorgeworfen und sich damit den Zorn der Saudis zugezogen.

Gabriel hatte im November 2017 von einer «brandgefährlichen Entwicklung im Libanon» gesprochen und - ohne Saudi-Arabien direkt zu nennen - «politisches Abenteurertum» in der Region angeprangert. Er bezog sich damit auf das Schicksal des damals zurückgetretenen libanesischen Regierungschefs Saad Hariri.

Hariri war kurz zuvor während eines Besuchs in Riad völlig überraschend von seinem Amt abgetreten. Der Sunnit begründete dies mit wachsendem Druck seitens der schiitischen Hisbollah-Miliz, mit der er eine Koalitionsregierung gebildet hatte. Die Umstände von Hariris Rücktritt führten zu Spekulationen, dass die Regierung des sunnitischen Königreichs Saudi-Arabien ihn zu diesem Schritt gezwungen habe.

Gabriel mahnte damals auch, dass Hariri nicht gegen seinen Willen in Saudi-Arabien festgehalten werden dürfe. Hariri kehrte später nach Beirut zurück, wo er seinen Rücktritt revidierte.

Die Regierung des Königreichs hatte Gabriel damals «gefährliche Erklärungen» vorgeworfen. Seine Äußerungen beruhten auf «falschen Informationen» und seien der Stabilität der Region «nicht dienlich».

Daraufhin zog Riad am 18. November 2017 den Botschafter aus Berlin ab und forderte eine Entschuldigung, zu der die Bundesregierung bisher nicht bereit war.

Maas sagte nun in New York bei einem gemeinsamen Auftritt mit Al-Dschubair in die Kameras: «In den zurückliegenden Monaten hat es in unseren Beziehungen Missverständnisse gegeben, die in scharfem Kontrast zu unseren sonst starken strategischen Verbindungen mit dem Königreich Saudi-Arabien stehen. Und wir bedauern das aufrichtig.» Er fügte noch hinzu: «Wir hätten klarer in unserer Kommunikation und in unserem Engagement sein sollen, um solche Missverständnisse zwischen Deutschland und dem Königreich zu vermeiden.»

Von deutscher Seite hieß es, dass die Rückkehr des saudischen Botschafters nun für die nächsten Wochen erwartet werde. Zudem soll der neue für Riad vorgesehene deutsche Botschafter, der seit Wochen auf seine Akkreditierung wartet, nun von saudischer Seite anerkannt werden.

Al-Dschubair begrüßte die Erklärung. Er nannte die Beziehungen beider Länder «historisch und wichtig» und lud Maas ein, möglichst bald nach Saudi-Arabien zu kommen. Damit solle «eine neue Phase enger Kooperation in allen Bereichen zum Wohle unserer beider Länder und Völker» gestartet werden, sagte er.

Maas hob die wichtige Rolle hervor, die Saudi-Arabien «für Frieden und Stabilität in der Region und auch in der Welt» spiele.

Die diplomatische Krise hatte auch die deutsch-saudischen Wirtschaftsbeziehungen massiv belastet. Deutsche Unternehmen klagten zuletzt zunehmend über ausbleibende Aufträge. Die Saudis hatten ihre finanzielle Macht eingesetzt, und deutsche Unternehmen abgestraft.

Saudi-Arabien führt unter anderem eine Allianz in einem völkerrechtswidrigen Krieg im Jemen an. Tausende Zivilisten wurden getötet. Im Syrien-Krieg finanziert Saudi-Arabien zahlreiche Söldner-Truppen und hat maßgeblich zur Destabilisierung des Landes beigetragen. Die Krieg im Jemen und in Syrien fanden keinen Eingang in die von der dpa zusammengefasste Mitteilung von Maas.

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..


Mehr zum Thema:  

DWN
Finanzen
Finanzen Nur eine Rezession in den USA kann Japan und den Yen noch retten

Wenn die US-Wirtschaft nicht bald in eine Rezession eintritt, droht Japan der Zusammenbruch der Währung und eine politische Revolte. Die...

DWN
Deutschland
Deutschland Trotz Energiekrise: Ausbau der Windkraft geht nur schleppend voran

Der Ausbau der Windkraft an Land ist in den ersten sechs Monaten dieses Jahres ins Stocken geraten.

DWN
Finanzen
Finanzen „Zentralbank der Zentralbanken“ gründet Liquiditätspool für Renminbi

Zusammen mit mehreren Staaten legt die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich einen Liquiditätspool in der chinesischen...

DWN
Finanzen
Finanzen Wie eine Familienstiftung vor staatlicher Enteignung schützt

Parteien und Gewerkschafter fordern immer wieder eine Vermögensabgabe. Wer sich davor schützen möchte, dem raten Experten zu einer...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Bloß raus aus Russland: Rückzug westlicher Firmen wird zum Eigentor

Als der Ukraine-Krieg begann, wurden westliche Unternehmen zum Rückzug aus Russland gedrängt. Dieser ist zwar schnell verkündet. Doch...

DWN
Finanzen
Finanzen Riskante Wette: US-Pensionsfonds setzen verstärkt auf Hebelwirkung

Die staatlichen Pensionsfonds in den USA investieren massiv mit geliehenem Geld. Dies soll die Renditen steigern und die großen...

DWN
Politik
Politik Angriffsdrohungen und ein mysteriöser Brief: Lukaschenko und der Krieg

Der weißrussische Machthaber gilt zwar als Unterstützer Putins, hielt sich bislang aber aus dem Ukraine-Krieg raus. Dann kamen die...

DWN
Deutschland
Deutschland Energieriese soll mit Steuergeld gerettet werden

Erst die Banken, dann die Fluglinien und jetzt die Energieriesen. Erneut bittet eine Branche darum, mit Steuergeldern gerettet zu werden....