Politik

Ultimatum abgelaufen: al-Nusra will in Syrien weiterkämpfen

Lesezeit: 2 min
15.10.2018 13:11
Die Söldner der al-Nusra-Front wollen nach Ablauf des Ultimatums zum Abzug aus Idlib weiter gegen Russland und Syrien kämpfen.
Ultimatum abgelaufen: al-Nusra will in Syrien weiterkämpfen

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  

Die syrische Regierung droht mit einem militärischen Eingreifen in der Rebellenprovinz ldlib, sollten die Extremisten nicht den vereinbarten Abzug aus einer geplanten Pufferzone umsetzen. "Wir können zur Fortsetzung der gegenwärtigen Lage in Idlib nicht schweigen, wenn die Nusra Front sich weigert, sich an dieses Abkommen zu halten", sagte Außenminister Walid al-Mualem kurz vor Ablauf der Frist zur Räumung der Pufferzone an diesem Montag. Die Regierung in Damaskus habe stets gesagt, dass Idlib wie jede andere Provinz Teil der syrischen Souveränität werden müsse. "Wir würden bevorzugen, (Idlib) mit friedlichen Mitteln zu bekommen, durch Versöhnung, aber wenn nicht, dann gibt es andere Möglichkeiten." Russland, das den Abzugsplan zusammen mit der Türkei vereinbart hat, müsse beurteilen, ob das Abkommen erfüllt sei. Er fügte hinzu, die Türkei verfüge über die Mittel, um zu gewährleisten, dass die Vereinbarung eingehalten werde.

Am 15. Oktober 2018 ist die Frist für einen Abzug der extremistischen Söldner-Gruppen und der schweren Waffen aus der entmilitarisierten Zone von Idlib abgelaufen. Die Gründung der Zone wurde zuvor am 17. September 2018 von Russland und der Türkei beschlossen, um eine Offensive auf Idlib durch die syrische Armee (SAA) zu verhindern, berichtet die Washington Post.

Die Söldner-Truppe Hayat Tahrir al-Scham (früher Al-Nusra-Front) hat eine Erklärung herausgegeben, wonach sie sich weigert, die entmilitarisierte Zone zu verlassen. Die Erklärung wurde einen Tag vor Ablauf der Frist veröffentlicht. "Wir werden nicht von der Option des Dschihad und der Kämpfe abweichen, um die Ziele unserer Revolution zu erreichen. Der russischen Besatzung wird nicht ausgewichen und Russlands Bemühungen und Absichten, die Revolution zu schwächen, wird nicht vertraut", zitiert die libanesische Zeitung an-Nahar die Gruppe aus ihrer Mitteilung. Ihre Waffen seien "ein Sicherheitsventil für die syrische Revolution und eine Gabelung zum Schutz der Sunniten und Verteidigung ihrer Rechte und zur Befreiung ihres Landes".

Der pro-syrische und Hisbollah-nahe Sender Al Mayadeen führt aus, dass Hayat Tahrir al-Scham zudem ausführt, dass sie nach wie vor "alle Gefangenen" befreien und eine "Rückkehr aller Flüchtlinge" ermöglichen wolle. Allerdings fügt der Sender hinzu, dass die Gruppe sich in den vergangenen drei Jahren während ihrer Gefechte mit der SAA nicht um das Schicksal von Zivilisten gekümmert habe.

Am Sonntag beobachtete die SAA, wie Mitglieder von Hayat Tahrir Al-Scham und die Islamische Partei Turkestan (TIP) weiterhin Gräben rund um die nördliche Front von Latakia ausgehoben haben, so die syrische staatliche Nachrichtenagentur SANA.

Seit dem 26. April 2018 wurden in Idlib, Aleppo und Hama 355 von Söldner-Organisationen gezielt getötet. Dazu zählen 243 Kämpfer von Hayat Tahrir al-Scham und 40 Kämpfer, die aus Somalia, Usbekistan, Asien, den Golf-Staaten und dem Kaukasus stammen, so der Sender Akhbar Al Aan.

Al-Monitor berichtet, dass Hayat Tahrir al-Scham in Idlib über etwa 10.000 Kämpfer verfügt. Doch dem türkischsprachigen Dienst der BBC zufolge verfügt die Gruppe über schätzungsweise 30.000 Söldner. Reuven Erlich, Chef des Meir Amit Intelligence and Terrorism Information Center (ITIC), bestätigte den Deutschen Wirtschaftsnachrichten, dass sich die Anzahl der Söldner von Hayat Tahrir al-Scham in Idlib schätzungsweise auf 30.000 Personen belaufe.

Dieser Einschätzung folgt auch der syrisch-türkische Analyst Hüsnü Mahalli. In Idlib sollen sich mindestens 30.000 extremistische Söldner befinden. Etwa 15.000 sollen ausländische Söldner sein. Davon seien wiederum etwa 5.000 Tschetschenen und etwa 7.000 Uiguren aus China. Die restlichen ausländischen Kämpfer würden aus anderen Staaten stammen. Diese Aussage traf Mahalli am 10. Oktober 2017 im Rahmen einer Sendung auf KRT TV.

Die kampfbereiten Söldner-Truppen sind die Al-Aqsa-Front (IS-Verbündete), Hayat Tahrir al-Scham (Al-Qaida-Verbündete), Dschunud asch-Scham (Tschetschenen), die usbekische Al-Qaida-Truppe Katibat Tawhid wal-Dschihad und die chinesische Söldner Truppe Islamische Partei Turkestan (TIP). Die usbekische Truppe Katibat al-Imam al-Bukhari (KIB) befindet sich ebenfalls in den Reihen der Söldner. All diese Söldner-Truppen werden sowohl von den USA als auch von Russland als Terrororganisationen eingestuft.

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..


Mehr zum Thema:  

DWN
Ratgeber
Ratgeber Bestens geplant: Einkommensvorsorge für Beamte

Die neue Allianz Einkommensvorsorge schützt Beamte und alle, die es werden wollen, vor den finanziellen Risiken einer Berufs- oder...

DWN
Politik
Politik Nahost-Konflikt: Jede Chance auf Frieden löst ein Blutbad aus

Friedensverhandlungen zwischen Palästinensern und Israelis sind sinnlos, wie die Geschichte lehrt: Nur wenn die Fronten verhärtet sind,...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Inflationswarnung: Getreidehändler melden historische Preisanstiege

Getreidehändler verzeichnen historische Preisausschläge, die sich bald auch in den Supermärkten zeigen werden - etwa bei Mehl, Fleisch...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Abstiegsangst: Wie Kommerz und Corona den Profisport in seiner Existenz bedrohen

Ende dieses Monats erscheint das neue DWN-Magazin. Sein Schwerpunkt: Die Zukunft des Profisports. DWN-Chefredakteur Hauke Rudolph gibt...

DWN
Finanzen
Finanzen Bitcoin-Konkurrent Ethereum setzt seinen Höhenflug fort

Ethereum eilt von Allzeithoch zu Allzeithoch. Damit entkoppelte sich die Währung in den letzten Wochen vom restlichen Kryptomarkt, der...

DWN
Finanzen
Finanzen Der „IMF Coin“ wird das weltweite Fiatgeld-System zerschlagen

Das Ende des Fiat-Geldsystems steht bevor. Digitale Zentralbankwährungen bedrohen angeblich den US-Dollar. Doch wahrscheinlicher ist, dass...

DWN
Deutschland
Deutschland Seit Beginn der Pandemie setzt die Bundesregierung auf Panikmache und „Schockwirkung“

Die Corona-Strategie der Bundesregierung sollte zu Beginn der Pandemie eine „Schockwirkung“ innerhalb der Bevölkerung erzielen. Doch...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Expansion in der Corona-Krise: BlackRock profitiert massiv von Öffnung des chinesischen Finanzsektors

China öffnet ausgerechnet in der Corona-Krise seinen Finanzsektor für ausländische Investoren. Der größte Profiteur der Öffnung ist...

DWN
Finanzen
Finanzen EZB-Protokoll deutet mögliche Straffung der Geldpolitik an

Das Protokoll der letzten Zinssitzung der EZB deutet darauf hin, dass die umfangreichen PEPP-Anleihenkäufe im kommenden Monat...