Schneller Zug soll China mit Europa verbinden

 

Mehr zum Thema.

Benachrichtigung über neue Artikel:  
 
Lesezeit: 3 min
08.12.2018 21:59
In einigen Jahren könnten Container innerhalb von zwei Tagen von China nach gelangen. Das Projekt ist für die DB Cargo interessant.
Schneller Zug soll China mit Europa verbinden

Benachrichtigung über neue Artikel:  

Der Schienenverkehr zwischen China, den zentralasiatischen Republiken, der Russischen Föderation und der EU gewinnt rasant an Bedeutung – auch, aber nicht nur, infolge des Projektes „Neue Seidenstraße“. Die Deutschen Wirtschaftsnachrichten sprachen hierüber mit dem Geschäftsführer der DB Cargo Eurasia, Uwe Leuschner.

Deutsche Wirtschaftsnachrichten: Welche Geschäftsziele verfolgt die DB Cargo auf dem russischen und zentralasiatischen Markt?

Uwe Leuschner: Wir sind als DB Cargo schon seit über 20 Jahren auf dem russischen und zentralasiatischen Markt aktiv. Dabei setzen unsere Kunden auf unser Dienstleistungsangebot und unsere guten Geschäftsbeziehungen innerhalb der CIS-Staaten. Waren es in den 90er Jahren insbesondere Investitionsgüter, die wir auf der Schiene in den Netzen der Breitspur transportiert haben, so sind es heute mehr und mehr Container. Automotivkunden, aber auch Kunden im Bereich des Fahrzeugbaus und des Maschinenbaus bedienen sich vorrangig unserer Dienstleistungen. Und natürlich ist dieser Markt mehr und mehr ein Transitmarkt zwischen Europa und Asien geworden. Potentielle Kunden von der Leistungsfähigkeit der Schienentransporte auf diesem Korridor zu überzeugen, ist aktuell eines unserer wichtigsten Geschäftsziele. Hier sind wir aber auf einem guten Weg.

Deutsche Wirtschaftsnachrichten: Wie stark wirkt sich das Projekt der „Neuen Seidenstraße“ auf den Schienenverkehr aus?

Uwe Leuschner: Wir haben mit regelmäßigen Containerverkehren zwischen China und Europa auf der Schiene bereits 2008 begonnen – weit vor den politischen Initiativen „One Belt-One Road“. Der Grund lag einfach darin, dass unsere Kunden es angefragt haben. Inzwischen werden diese Verkehre stark durch die Regierungen in China, aber auch Zentralasien und Russland gefördert und unterstützt. Es gibt hier Wachstumsraten von 20-30% Prozent pro Jahr und ich bin der Überzeugung, dass dieses Wachstum auch die nächsten Jahre anhalten wird. Eine Million Container auf der Schiene zwischen Europa und Asien ist keine Utopie. Um langfristig noch mehr Verkehr auf die Schiene zwischen Europa und China zu bringen, stellt sich die DB mit der Einheit „DB Cargo Eurasia“ neu auf. Sie wird als Operateur für die Chinaverkehre alle Aktivitäten im Konzern bündeln. Dafür haben wir im August ein eigenes Büro in Schanghai eröffnet. Auf vielfachen Kundenwunsch testen wir ab Herbst eine Seeverbindung von Kaliningrad nach Rostock. Mit ihr werden wir schneller und flexibler Waren vom Ostseehafen in Europa verteilen können.

Deutsche Wirtschaftsnachrichten: Welche technischen Neuerungen hat es im Container-Schienenverkehr gegeben bzw. sind demnächst zu erwarten?

Uwe Leuschner: Alle an den Transporten beteiligten Bahnen, Operateure, aber auch Spediteure haben in den letzten 10 Jahren viele Erfahrungen gesammelt. So ist es heute kein Problem mehr, die teilweise extremen Temperaturunterschiede mit Hilfe spezieller Container auf der mehr als 10.000 Kilometer langen Strecke zu beherrschen. Auch ist Container-Equipment im Einsatz, das Ort und Transportbedingungen jedes Containers permanent per GPS überwacht. So sind wir in der Lage dem Kunden zu jeder Zeit Auskunft darüber zu geben, wo sich seine Transporte befinden. Darüber hinaus arbeiten alle Beteiligte gemeinsam an einem immer detaillierteren elektronischen Datenausgleich, was positive Auswirkungen auf die Transportdauer haben wird. Ziel ist, die Transitzeiten, die heute bei 12-16 Tagen liegen, radikal zu senken. Insbesondere die Kollegen aus China, Russland und Kasachstan arbeiten schon intensiv an einem Projekt „High Speed Cargo Train“, welches Container schon in 10 bis 15 Jahren innerhalb von zwei Tagen aus China nach Europa bringen könnte.

Deutsche Wirtschaftsnachrichten: Welche Verzögerungen ergeben sich durch das Umspuren von der russischen auf die westeuropäische Spurbreite?

Uwe Leuschner: Wir haben an der chinesischen und der EU-Außengrenze immer noch Umschlagzeiten von ca. 8-10 Stunden und mehr. Allerdings liegen die Ursachen weniger im Wechsel der Spurbreite, sondern vielmehr in den administrativen Prozessen der Dokumenten- und Zollabwicklung beziehungsweise in den teilweisen infrastrukturellen Engpässen an den Grenzstellen. Beispielsweise arbeiten wir intensiv an der Verbesserung des Austauschs elektronischer Daten, um die Abwicklung an den Grenzen zu beschleunigen. Eine erste bilaterale Vereinbarung unterzeichneten im September Alexander Doll, DB-Vorstand für Güterverkehr und Logistik, der stellvertretende CEO der russischen Staatsbahn RZD, Viacheslav Pavlovski, und die DB Cargo Polska. Der Wechsel von Normal- auf Breitspur selbst ist kein Problem, da wir die Container nur auf verschiedenen Tragwagen versetzen.

Deutsche Wirtschaftsnachrichten: Wie wirken sich die Sanktionen gegen Russland auf die Aktivitäten der DB Cargo aus?

Uwe Leuschner: Die Sanktionen wirken sich teilweise auch auf unsere Kunden und ihr Geschäft aus. Wir spüren beispielsweise, wie andere Unternehmen auch, dass im Zuge der Sanktionen die intranationalen Transporte zunehmen, weil die Produktion innerhalb Russlands stärker wächst. Wir als DB Cargo bieten mit unserer Landesgesellschaft in Russland auch diesen Kunden Leistungen auf der Breitspur an.

Deutsche Wirtschaftsnachrichten: Plant die DB-Cargo weitere Transportkorridore einzurichten?

Uwe Leuschner: Es ist keine neue Erkenntnis, dass Eisenbahnkorridore ein wichtiger Bestandteil für industrielles Wachstum waren und auch heute noch sind. Unser Schwerpunkt als DB Cargo liegt hier weiter auf dem Ausbau der Nord-Süd-Korridore in Europa und des Ost-West-Korridors Richtung Asien. Der Korridor Richtung Iran und Indien könnte perspektivisch ebenfalls von Interesse sein. Jedoch ist und bleibt hier die Voraussetzung, dass die politischen und wirtschaftlichen Bedingungen dafür gegeben sein müssen. Das ist momentan nicht der Fall.

Deutsche Wirtschaftsnachrichten: Gibt es für den Schienenverkehr innerhalb der EU noch logistische oder bürokratische Hindernisse, die Sie gern überwinden würden?

Uwe Leuschner: Es gibt immer Raum für Verbesserungen. Meiner Ansicht nach ist der europäische Eisenbahnmarkt bei allen Liberalisierungsbemühungen noch sehr national bestimmt. Hier brauchen wir noch eine stärkere Harmonisierung, um die Leistungsfähigkeit des europäischen Schienennetzes zu erhöhen. Dazu gehört eine bessere Koordinierung von Infrastrukturmaßnahmen, mehr digitalisierter Datenaustausch und grenzüberschreitende Kooperationen bei Lizensierungen und Prozesskoordinierungen. Hier liegt noch viel Potential, um die Wettbewerbsfähigkeit der Schiene gegenüber anderen Verkehrsträgern zu erhöhen.

***

Uwe Leuschner ist Senior Vice President Eurasia bei der DB Cargo AG und CEO von DB Cargo Russia.



DWN
Politik
Politik „Westlessness“, oder: Der Traum von der guten alten Zeit, die es nie gab

"Westlessness" hieß das Schlagwort auf der diesjährigen, vor wenigen Tagen zu Ende gegangenen Münchener Sicherheitskonferenz. Es drückt...

DWN
Politik
Politik Südamerika: Ein Kontinent steht in Flammen

Das neue Jahrhundert sollte eine Zeit der politischen Stabilität und des wirtschaftlichen Aufschwungs für Südamerika werden. Doch die...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Tesla - der Usain Bolt unter den E-Autoherstellern

Kein Hersteller ist so eng mit der E-Mobilität verbunden wie Tesla: Das Unternehmen hat seine Umsätze innerhalb nur weniger Jahre weit...

DWN
Finanzen
Finanzen Noch mehr Enteignung? Spar-Zinsen in der Eurozone könnten weiter gesenkt werden

Die Bestrebungen der EZB, den Einlagensatz von aktuell minus 0,5 Prozent weiter in den negativen Bereich zu senken, treffen auf heftigen...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft China: Einkaufsmanager-Index stürzt wegen Corona-Virus auf Rekord-Tief

Die Investmentbank Nomura erwartet einen Absturz des chinesischen Einkaufsmanager-Index für Februar auf unter 40 Punkte.

DWN
Deutschland
Deutschland Einkommen und Hausbau: Eine Ausbildung lohnt sich mehr als ein Studium

Einer Studie zufolge haben Menschen mit Ausbildungen in der Lebensphase, in der die Familiengründung und der Hausbau erfolgt, die Nase...

DWN
Politik
Politik Völker, hört die Signale: Kamerad Trump

Mr. President war einmal. Jetzt heißt es: Kamerad Trump. Nina L. Chruschtschowa, Politikwissenschaftlerin und Enkelin von Nikita...

DWN
Politik
Politik Teurer „Green Deal“: Tiefe Gräben zwischen Nettozahlern und Kommission um künftige EU-Beiträge

In den Verhandlungen um die künftigen EU-Beiträge sind die Fronten verhärtet. Auf der einen Seite stehen die Nettozahler wie...

DWN
Finanzen
Finanzen Bundesbank: Immobilienpreise in Deutschland werden hoch bleiben

Der Bundesbank zufolge wird es in naher Zukunft keine Entwarnung in Bezug auf die Immobilienpreise geben. Das Preisniveau werde weiterhin...

DWN
Panorama
Panorama Polizeigewerkschaft: Aggressivität im Straßenverkehr massiv gestiegen

Der Deutschen Polizeigewerkschaft zufolge gibt es einen signifikanten Anstieg beim aggressiven Verhalten im Straßenverkehr. Diese...

DWN
Politik
Politik Erdgas-Streit mit der Türkei: Frankreich entsendet Flugzeugträger nach Zypern

Im Streit zwischen der Türkei einerseits und Zypern und der EU andererseits um Erdgasvorkommen vor der Mittelmeerinsel spitzt sich die...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Damit das Corona-Virus nicht nach Deutschland kommt: Sofortige Abschottung gegen China?

Noch sei das Corona-Virus ein begrenztes Problem, schreibt der China-Experte Prof. Dr. Helmut Wagner von der Fern-Uni Hagen. Doch eine...

DWN
Politik
Politik Rentenversicherung schreibt Brandbrief: Einführung der Grundrente ab 2021 ist technisch gar nicht machbar

Die von der Bundesregierung anvisierte Einführung der Grundrente ist aus Sicht der Rentenversicherung technisch überhaupt nicht möglich,...

DWN
Politik
Politik DWN AKTUELL: Russland entsendet militärischen Nachschub nach Syrien

Russland hat mit Flugzeugen des Typs Tu-154M militärischen Nachschub nach Syrien entsandt.

celtra_fin_Interscroller