Gemischtes

Anklage erhoben: Renault-Chef Ghosn bleibt in U-Haft

Lesezeit: 2 min
10.12.2018 23:37
Ex-Nissan-Chef Carlos Ghosn ist von der Staatsanwaltschaft in Japan wegen des Vorwurfs der Untreue angeklagt worden.
Anklage erhoben: Renault-Chef Ghosn bleibt in U-Haft

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..

Mit Ghosn steht auch das Unternehmen wegen des Verstoßes gegen Veröffentlichungspflichten am Pranger. Der Automanager habe jahrelang im Geschäftsbericht sein Einkommen nicht vollständig angegeben, erklärten die Strafverfolger am Montag in Tokio. Ghosn, der formell noch Chef des Nissan-Großaktionärs Renault ist, sitzt seit dem 19. November in Untersuchungshaft. Er hat bislang über seine Anwälte keine Stellungnahme abgegeben. Japanische Medien berichteten jedoch, er habe die Vorwürfe zurückgewiesen.

Die Anschuldigungen konzentrierten sich zunächst auf die Geschäftsberichte von 2010 bis 2015. In ihnen soll gesetzeswidrig nur die Hälfte der insgesamt geflossenen 77 Millionen Euro Vergütung angegeben worden sein. Die U-Haft soll jetzt verlängert werden, weil Ghosn auch von 2015 bis 2018 nicht seine tatsächlichen Bezüge offengelegt haben soll. Der bekannte Automanager könnte bei einer Verurteilung bis zu zehn Jahre ins Gefängnis gehen.

Nissan machte allein Ghosn und den mitangeklagten Manager Greg Kelly für die Verstöße verantwortlich. Doch die Staatsanwaltschaft will auch die mangelnde Kontrolle bei Nissan ahnden. Die Wertpapieraufsicht teilte mit, eine Geldstrafe von umgerechnet gut 5,4 Millionen Euro wäre möglich. Nissan erklärte, die Geschäftsberichte sollten korrigiert werden. Nach Einschätzung von Rechtsexperten könnte auch Nissan-Chef Hiroto Saikawa zur Verantwortung gezogen werden. "Saikawas Rolle ist hier kaum zu vernachlässigen, das wird jetzt der Hauptblickpunkt", sagte Rechtsanwalt Nobuo Gohara, ein bekannter ehemaliger Strafverfolger.

Das Verfahren wurde durch interne Ermittlungen von Nissan ausgelöst. Ghosn wird auch vorgeworfen, Firmengelder für private Zwecke ausgegeben zu haben. Der mit Renault verbundene japanische Autobauer setzte den 64-Jährigen daraufhin ab. Auch Mitsubishi entzog ihm das Amt des Verwaltungsratsvorsitzenden. Renault wollte Ghosn nicht entlassen, solange die Finanzverfehlungen nicht erwiesen seien.

Der Streit zwischen Nissan und Ghosn konzentriert sich derzeit auf eine Dienstwohnung des gefeuerten Nissan-Managers in Rio de Janeiro. Anwälte von Ghosn haben den Zutritt in das Luxus-Appartement an der weltberühmten Copacabana beantragt, damit persönliche Gegenstände, Bargeld und Kunstgegenstände des Verdächtigen herausgeholt werden können. Dagegen protestierten die Vertreter Nissans, denn sie vermuten, Ghosn könnte Beweise beiseiteschaffen wollen. Nach Gerichtsunterlagen befinden sich in dem Appartement drei Safes, die Vertreter des Unternehmens bislang jedoch nicht geöffnet haben.

Ein brasilianisches Gericht hat es Vertretern von Ghosn verwehrt, die Wohnung zu betreten. Ein Rechtsanwalt des inhaftierten Managers nannte die Verdächtigungen absurd: Ghosn sei sehr smart. "Wenn er etwas Unrechtes getan hätte, würde er niemals Hinweise im Appartement liegenlassen."

Die Staatsanwaltschaft in Japan wies Kritik zurück, Ghosn werde im Gefängnis schlecht behandelt. Insider hatten gesagt, der 64-Jährige sitze in einer kalten, kleinen Zelle, und er dürfe kaum einmal duschen oder sich rasieren.

Der in Brasilien geborene Franzose mit libanesischen Wurzeln war einer der einflussreichsten Automanager. Er gilt als Architekt der Allianz aus Renault, Nissan und Mitsubishi, die den weltgrößten Autoherstellern Volkswagen und Toyota den Rang ablaufen will. Das Bündnis könnte nach Befürchtung vieler zerbrechen, wenn Ghosn nicht mehr die Fäden in der Hand hält. So wie zuvor die französische Regierung äußerte sich auch Japans Regierungschef Shinzo Abe besorgt. Es sei für die japanisch-französische Wirtschaftszusammenarbeit wichtig, dass das Firmenbündnis stabil bleibe.

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..


Mehr zum Thema:  

DWN
Politik
Politik „AUKUS“: Eine neue Monroe-Doktrin, die sich gegen China und die EU richtet?

Das trilaterale Bündnis „AUKUS“, das von den USA, Großbritannien und Australien geleitet wird, richtet sich nicht nur gegen Chinas...

DWN
Politik
Politik US-Lebensmittelbehörde liefert erste Daten zu Nebenwirkungen von Pfizer-Impfstoff

Die US-Lebensmittelbehörde FDA hat die ersten Dokumente herausgegeben, auf deren Basis sie den Corona-Impfstoff von Pfizer zugelassen hat.

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Japan wird seiner Probleme nicht mehr Herr: Welche Lehren kann Europa daraus ziehen?

Das einstige Wirtschaftswunderland steckt in tiefen Schwierigkeiten. Wenn wir Europäer nicht das gleiche Schicksal erleiden wollen,...

DWN
Finanzen
Finanzen So massiv beeinflussen Kredite das globale Wirtschaftssystem

Langfristig ist die Produktivität wichtig für das Wachstum einer Wirtschaft. Kurzfristig jedoch spielen Kredite die größere Rolle. Im...

DWN
Politik
Politik Hat die Bundesregierung das Verfassungsgericht an die EU verraten?

Die EU hat das gegen Deutschland eingeleitete Verfahren wegen eines Urteils des Bundesverfassungsgerichts eingestellt. Doch offenbar hat...

DWN
Finanzen
Finanzen Warum kauft Singapur plötzlich riesige Mengen Gold?

Ohne jeglichen Kommentar hat die Zentralbank von Singapur ihre Goldreserven um mehr als 20 Prozent erhöht. Was bezweckt der Stadtstaat?

DWN
Finanzen
Finanzen Bitcoin-Preis stürzt um mehr als 25 Prozent in die Tiefe

In der Nacht zum Samstag ist der Bitcoin-Kurs stark abgestürzt. Gehebelte Trades führten an den Börsen zu einem Teufelskreis.

DWN
Deutschland
Deutschland Deutschlandweit Demonstrationen gegen verschärfte Corona-Regeln

Am Samstag demonstrierten erneut Tausende Menschen in mehreren deutschen Städten gegen die schärfer werdende Corona-Politik - teilweise...