Schwere Kritik an Fusion von Linde und Praxair

 

Mehr zum Thema.

Benachrichtigung über neue Artikel:  
Aktien  
Praxair  
Fusion  
Linde  
 
Lesezeit: 2 min
12.12.2018 16:19
Die gegen großen Widerstand durchgeboxte Fusion von Linde mit Praxair stößt bei vielen Aktionären auf Kritik.
Schwere Kritik an Fusion von Linde und Praxair

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  
Aktien  
Praxair  
Fusion  
Linde  

Die Linde AG ist als deutsches Traditionsunternehmen bald Geschichte. Die Aktionäre stimmten am Mittwoch auf einer außerordentlichen Hauptversammlung über den Rückzug von der Börse ab, die Zustimmung galt als Formsache. Die Linde AG geht nach der umstrittenen Fusion mit dem US-Konkurrenten Praxair in der Linde plc auf.

Die neue Linde plc sei "ein Bastard", sagte Kleinaktionär Philipp Steinhauer. "Eine irische Gesellschaft, die ihre wenigen Steuern in Großbritannien zahlt, aus Amerika geführt wird und einen deutschen Namen trägt." Die Linde AG habe sich bei der Fusion unter Wert verkauft, kritisierte Daniel Bauer von der Aktionärsvereinigung SdK vor rund 650 Anteilseignern. "Der Preis war deutlich zu gering."

Es war die letzte öffentliche Hauptversammlung der Linde AG. Künftig treffen sich die Aktionäre des fusionierten Konzerns in Guildford bei London, wo die Verwaltung der neuen Linde sitzt. Rund acht Prozent der Kleinaktionäre hatten ihre Papiere nicht in Aktien der Linde plc getauscht. Sie werden nun gegen eine Abfindung von 189,46 Euro aus dem Unternehmen gedrängt. Mit dem Tausch in 1,54 Aktien der Linde plc wären sie rund zehn Prozent besser gefahren. Diese notierten am Mittwoch bei 143,25 Euro.

"Die Aktionäre sind traurig, teilweise sogar wütend", sagte Daniela Bergdolt von der DSW. Die Kleinaktionärsvertreterin kündigte an, die Abfindung in einem Spruchverfahren überprüfen zu lassen. Deren Berechnung sei zum Teil fragwürdig. Sie klagt bereits dagegen, dass die Linde-Aktionäre - anders als die von Praxair - über die Fusion selbst nicht abstimmen durften. Den strategischen Sinn hinter dem Zusammenschluss könne sie aber durchaus nachvollziehen.

Aufsichtsratschef Reitzle - zugleich nun Verwaltungsratschef des fusionierten Konzerns und damit ein Gewinner des Vorganges - sagte, der Kursanstieg der Linde-Aktie seit der Entscheidung zeige, welches Potenzial die Anleger in dem Zusammenschluss sähen. Mit einem Marktwert von 88 Milliarden Dollar sei Linde unter den wertvollsten Unternehmen im Leitindex Dax inzwischen die Nummer drei hinter SAP und Siemens. Reitzle hatte die umstrittene Fusion im zweiten Anlauf auch gegen Widerstände durchgeboxt.

Um den Zusammenschluss zum weltgrößten Industriegase-Hersteller gegen die Bedenken der Wettbewerbshüter vor allem in Europa und USA durchzusetzen, mussten Linde und Praxair große Zugeständnisse machen und Firmenteile verkaufen. Der fusionierten Linde plc winken daraus insgesamt mehr als acht Milliarden Euro. Allein der Verkauf eines Großteils des bisherigen Linde-Geschäfts in Nord- und Südamerika bringt umgerechnet 3,3 Milliarden Euro, wie der scheidende Vorstandschef der Linde AG, Aldo Belloni, sagte. Dazu kommen Erlöse aus der Trennung von Tochtergesellschaften in Südkorea, China und Indien. Der Fusionspartner Praxair hatte das Europa-Geschäft für fünf Milliarden Euro an die japanische Taiyo Nippon Sanso abgegeben.

Die Fusion war zum 1. November vollzogen worden. Operativ dürfen die beiden Gesellschaften aber erst von Ende Januar an zusammenarbeiten, wenn die Unternehmensverkäufe unter Dach und Fach sind.


Mehr zum Thema:  

DWN
Politik
Politik Wendepunkt in Syrien: Kurden-Miliz YPG schließt sich erstmals Assad an

Erstmals im Syrien-Konflikt haben sich offenbar schwer Verbände der Kurden-Miliz YPG der syrischen Armee angeschlossen, um eine gemeinsame...

DWN
Technologie
Technologie Deutschlands gefährliche Wette auf den Beginn eines goldenen Elektro-Zeitalters

Deutschlands Automobilkonzerne entlassen zehntausende Mitarbeiter, um Milliarden in den Aufbau ihrer Elektrosparten zu stecken. Die Wette...

DWN
Deutschland
Deutschland Deutsche wollen neues System, aber: Österreichs paradiesische Renten sind teuer erkauft

DWN-Kolumnist Roland Barazon vergleicht die Renten-Situation in Deutschland und Österreich. Er präsentiert seine Sicht der Dinge und...

DWN
Finanzen
Finanzen In China wird Bargeld wegen des Corona-Virus gehortet - in Deutschland wegen des EZB-Virus

Nachdem die EZB im Sommer 2016 den Negativzins von 0,2 Prozent auf 0,4 Prozent erhöht hatte, begannen deutsche Banken vermehrt damit,...

DWN
Deutschland
Deutschland Deutsche Unternehmen fallen technologisch immer weiter zurück: Militärisches Forschungszentrum soll Abhilfe schaffen

Im Software-Bereich ist Deutschland international in keiner Weise konkurrenzfähig, und auch bei der Künstlichen Intelligenz und der...

DWN
Finanzen
Finanzen Dubai: Der glitzernde Schuldenturm im Wüstensand beginnt zu wanken

Ohne die Intervention des Schwesteremirats Abu Dhabi wäre Dubai schon 2008 bankrott gewesen. Noch täuscht die glitzernde Skyline über...

DWN
Politik
Politik Bürger contra Eliten: Wie das britische Volk den Brexit gegen den Widerstand seiner Mächtigen durchsetzte

DWN-Großbritannien-Korrespondent Keith Miles analysiert, wie die britische Elite sich gegen das Volk stellte und alles tat, um den Brexit...

DWN
Panorama
Panorama Eine fast ausgestorbene Schweine-Rasse feiert ihr Comeback in Europa

Das Mangalica-Schwein hat zurückgefunden nach Europa. Es geht genetisch zurück auf eine Rasse aus dem Römischen Reich. Einem ungarischen...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Preise zu hoch: Russischer Automarkt bricht ein

Die Automobilpreise in Russland steigen massiv – der Automarkt droht einzubrechen.

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Corona-Virus: Was wirklich dahinter steckt

Über das Corona-Virus ist schon viel geschrieben worden - die tatsächlichen Hintergründe kennen jedoch nur wenige. DWN-Autor Michael...

DWN
Finanzen
Finanzen Nachfrage reißt nicht ab: Die Türkei produziert mehr Goldmünzen als jedes andere Land der Welt

Im vergangenen Jahr hat die staatliche Münzprägeanstalt der Türkei deutlich mehr Goldmünzen produziert als jedes andere Land.

DWN
Panorama
Panorama Die Fugger als Sinnbild des deutschen Mittelstands

Das Kaufmannsgeschlecht der Fugger hat es zu Weltruhm gebracht. Noch heute gilt es als Vorbild für den rasanten Aufstieg einer...

DWN
Finanzen
Finanzen Warum die Aktienkurse trotz Corona-Krise weiter steigen

Die Korrektur im US-Aktienmarkt infolge des sich ausbreitenden Corona-Virus war geringfügig und schnell wieder vorbei. Und auch in den...

DWN
Deutschland
Deutschland Großauftrag von korrupter ukrainischer Staatsbahn: Die Deutsche Bahn läuft ins offene Messer

Die Deutsche Bahn wird die Ukrainischen Staatsbahnen (US) in großem Stil beraten. Dabei hat sie offenbar übersehen, dass bei der US die...

celtra_fin_Interscroller