Politik

Ökonom Flassbeck: Rot-Grün hat die Rentenversicherung kaputt gemacht

Lesezeit: 2 min
22.04.2019 10:38
Die Rot-Grüne-Koalition unter Gerhard Schröder hat die gesetzliche Rentenversicherung kaputt gemacht hat, behauptet der Ökonom Heiner Flassbeck.
Ökonom Flassbeck: Rot-Grün hat die Rentenversicherung kaputt gemacht
Heiner Flassbeck. (Foto: Heiner Flassbeck)

Deutsche Wirtschaftsnachrichten: Norbert Blüm hatte im Jahr 1986 gesagt: “Denn eins ist sicher. Die Rente.” Wie würden Sie diesen Werbeslogan einschätzen?

Heiner Flassbeck: Das war kein Slogan, da hatte Blüm Recht. Was Blüm meinte, war die gesetzliche Rente. Es stimmt, dass in einer unsicheren Welt die gesetzliche Rente das Sicherste ist, was es gibt.

Deutsche Wirtschaftsnachrichten: Die gesamten Rentenbeitragseinnahmen beliefen sich im vergangenen Jahr auf 235,9 Milliarden Euro. Wird dieses positive Niveau auch künftig gehalten werden?

Heiner Flassbeck: Es hängt alles davon ab, was mit dem Einkommens- Wirtschafts- und Produktivitätswachstum passiert. Wenn die Masseneinkommen steigen, gibt es kein Problem. Das Grundproblem in der politischen Auseinandersetzung sind ideologische Barrieren. Es wird behauptet, dass es zu einer Erhöhung der Arbeitslosigkeit kommt, wenn die Beitragssätze über 22 Prozent steigen. Das ist Unsinn.

Deutsche Wirtschaftsnachrichten: Was halten Sie von der privaten Rentenversicherung?

Heiner Flassbeck: Das kann nicht funktionieren. Es muss zu höherem Sparen führen und das verringert die Nachfrage. Darunter leiden die Investitionen, das Wirtschaftswachstum und die Beschäftigung. Die fallende Kurve des Rentenniveaus ist nur der Tatsache geschuldet ist, dass die große Masse der Politiker das Problem noch immer nicht versteht. Daher haben sie unter Druck der Finanzlobby die gesetzliche Rente mit unsinnigen Dogmen wie der Begrenzung der Lohnnebenkosten auf 22 Prozent des Einkommens oder der angeblichen Demographiefestigkeit eines Kapitaldeckungsverfahrens demolieren können?

Deutsche Wirtschaftsnachrichten: Muss das Renteneintrittsalter wirklich stetig erhöht werden?

Heiner Flassbeck: Nein. Es kann auch nicht immer mehr erhöht werden, weil die Menschen irgendwann sterben.

Deutsche Wirtschaftsnachrichten: Wie weit verbreitet ist die Altersarmut in Deutschland?

Heiner Flassbeck: Das wird immer mehr zu einem Problem werden. Auch hier ist das Grundproblem auf die Rot-Grüne Koalition unter Gerhard Schröder zurückzuführen. Rot-Grün hat die Rentenversicherung kaputt gemacht - unter anderem mit der kapitalgedeckten Riester-Rente. Die Riester-Rente sollte dazu führen, dass Arbeitnehmer bis zu vier Prozent ihres Einkommens in private Rentenfonds einzahlen. Dafür bekommen Sie vom Staat eine finanziell nicht unerhebliche Förderung. Das wäre nur dann möglich, wenn diese vier Prozent zusätzlich gespart werden und nicht andere Sparformen ersetzen. Die Sparquote der privaten Haushalte in Deutschland müsste also nach der Einführung der Riester-Rente gestiegen sein. Ist sie aber nicht.

Deutsche Wirtschaftsnachrichten: Welchen Tipp würden Sie den Bürgern im Zusammenhang mit der Altersvorsorge geben?

Heiner Flassbeck: Der Bürger kann nicht viel tun. Er kann etwas tun, wenn er reich ist. Wenn er nicht reich ist, ist er auf die Entscheidungen der Politik angewiesen.

***

Heiner Flassbeck war von 1998 bis 1999 Staatssekretär im Bundesministerium der Finanzen und von Januar 2003 bis Ende 2012 Chef-Volkswirt bei der UNO-Organisation für Welthandel und Entwicklung (UNCTAD) in Genf. Er ist zudem Herausgeber der Wirtschaftszeitschrift Makroskop.

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..

DWN
Politik
Politik Trump hält seine bisher „wichtigste Rede“, wirft politischen Gegnern schweren Wahlbetrug vor

Am Mittwochabend hat US-Präsident Donald Trump eine sehr emotionale Rede gehalten. Er beharrte auf seinem Vorwurf des Wahlbetrugs....

DWN
Unternehmen
Unternehmen Deutsche Post/ DHL Group: "Unser Unternehmen war noch niemals zuvor in besserer Verfassung"

Solche selbstbewussten Worte, wie sie derzeit über die Lippen der Vertreter der Deutschen Post/ DHL Group kommen, hört man in Zeiten der...

DWN
Deutschland
Deutschland Ski-Verbot im Allgäu: 20 Bürgermeister richten Brandbrief an Merkel und Söder

In einem Brandbrief haben sich die Oberallgäuer Landrätin Indra Baier-Müller und zwanzig Bürgermeister aus dem Allgäu gegen das...

DWN
Finanzen
Finanzen Die Rückkehr des „Bail in“: Denkfabriken erwarten eine neue Euro-Krise im kommenden Jahr

Mehrere Denkfabriken befassen sich konkret mit Vorbereitungen für eine neue europäische Schulden- und Bankenkrise. Dabei könnte die 2013...

DWN
Technologie
Technologie Schweizer Notenbank hält digitales Zentralbankgeld für machbar

In einer Studie kommt die SNB zu dem Schluss, dass digitales Zentralbankgeld technisch und rechtlich realisierbar ist. Eine Entscheidung...

DWN
Finanzen
Finanzen Wirecard-Skandal verändert Dax dauerhaft

Die Deutsche Börse stockt den Dax auf 40 Mitglieder auf. Das ist nur eine Folge der Wirecard-Pleite. Die Zusammensetzung des Dax soll...

DWN
Finanzen
Finanzen EU-Ombudsfrau rügt Deal zwischen BlackRock und EU-Kommission, doch ohne Konsequenzen

Die Europäische Ombudsfrau hat einen Auftrags-Deal zwischen der EU-Kommission und dem US-Finanzgiganten BlackRock wegen möglicher...

DWN
Politik
Politik Mannheim führt nächtliche Ausgangssperren ein

In Mannheim wird ab morgen Abend eine achttägige nächtliche Ausgangssperre gelten.

DWN
Technologie
Technologie Riesiges Weltraum-Teleskop von Arecibo in sich zusammengestürzt

Das riesige Teleskop im puerto-ricanischen Arecibo ist am Dienstag zusammengebrochen.

DWN
Finanzen
Finanzen Verlängerung des Teil-Lockdowns belastet die deutschen Märkte - Daimler will Wachstumsschwung ins Jahr 2021 mitnehmen

Der Dax gerät derzeit ins Stocken. Die Nachricht, dass Bund und Länder den Teil-Lockdown verlängert haben, bedrückt die Stimmung der...

DWN
Deutschland
Deutschland Krankenkassen: Corona hat bisher keine Auswirkungen auf den Krankenstand

Die Auswertung der Krankenkassen zeigt, dass nur ein verschwindend geringer Teil der diesjährigen Fehlzeiten vom Beruf direkt auf Covid-19...

DWN
Deutschland
Deutschland Die deutsche Taxibranche am Abgrund, Uber wird sich freuen

Die Lage in der Taxibranche spitzt sich nach Verbandsangaben wegen des Teil-Lockdowns in der Corona-Krise dramatisch zu. Das dürfte vor...

DWN
Deutschland
Deutschland Virus-Ticker: Ständige Impfkommission wird zunächst nur mRNA-Impfstoff zulassen

Der Chef der Ständigen Impfkommission, Thomas Mertens, erwartet keine parallele Zulassung von anderen Impfstoffen. Lesen Sie allen...

DWN
Finanzen
Finanzen Der Euro steigt erstmals seit April 2018 wieder über 1,21 Dollar

Der Eurokurs kletterte am Mittwochnachmittag vorübergehend bis auf 1,2108 Dollar. Hintergrund ist der noch schwächere Dollar.