Finanzen

SAP baut hunderte Arbeitsplätze in Deutschland ab

Lesezeit: 2 min
29.01.2019 14:43
Der deutsche Technologiekonzern SAP baut in großem Stil Arbeitsplätze ab.
SAP baut hunderte Arbeitsplätze in Deutschland ab

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  

Europas wertvollster Technologiekonzern SAP zeigt überraschend Schwächen im Zukunftsgeschäft mit der Cloud. Bei der Mietsoftware, die das klassische Lizenzgeschäft mehr und mehr verdrängt, tobt ein harter Konkurrenzkampf mit US-Unternehmen wie Salesforce, Workday oder Oracle. Das macht es immer schwerer, Neukunden zu gewinnen, wie sich bei SAP im Schlussquartal zeigte.

Vorstandschef Bill McDermott kündigte deshalb am Dienstag bei der Präsentation der Jahresbilanz in Walldorf Einschnitte an: Um im Wettbewerb besser bestehen zu können, will sich SAP erstmals seit 2015 wieder mit Hilfe eines Restrukturierungsprogramms verjüngen und Mitarbeitern Abfindungsangebote unterbreiten. Dafür würden bis zu 950 Millionen Euro in die Hand genommen. Zum Stellenabbau erklärte Finanzchef Luka Mucic: "Wenn unsere Prognosen stimmen, reden wir von 4400 Beschäftigten." Zum Jahresende waren 96.500 Leute für den Konzern tätig.

Der US-Amerikaner McDermott führt SAP seit zehn Jahren und schlug in dieser Zeit selten pessimistische Töne an. Den ursprünglich vor allem auf Software für Unternehmensplanung fokussierten Konzern stellte er über die Zeit mit einer Reihe von Zukäufen breiter auf. Allein 2018 kamen die US-Firmen Callidus und Qualtrics dazu. Auch jetzt gab sich der SAP-Chef kämpferisch und erklärte: "Wir werden gewinnen."

An der Börse herrschte eher Ernüchterung. Mit einem Minus von 2,4 Prozent war die SAP-Aktie größter Dax-Verlierer.

Während SAP im abgelaufenen Jahr bei Umsatz und Betriebsgewinn seine mehrfach angehobenen Prognosen erfüllen konnte, war dies bei der am Aktienmarkt vielbeachteten Marge nicht der Fall. Und auch der Ausblick galt Börsianern als zu konservativ: Im laufenden Jahr soll das Betriebsergebnis maximal um 11,5 Prozent auf acht Milliarden Euro zulegen. Einen Ausblick auf den Umsatz will SAP nicht mehr geben, er soll allerdings "etwas geringer" als das Betriebsergebnis wachsen - auch über "gut gemanagte Ausgaben". 2018 kletterte der Jahresumsatz währungsbereinigt noch um elf Prozent auf 25,96 Milliarden Euro. Das Betriebsergebnis wuchs um zehn Prozent auf 7,48 Milliarden Euro.

Zuletzt schwächelten die für zukünftige Umsätze und Gewinne entscheidenden neuen Cloud-Buchungen. Sie legten im vierten Quartal - dem in der Regel stärksten Vierteljahr - währungsbereinigt nur noch um 23 Prozent zu und damit so wenig wie noch nie im Jahresverlauf. Und die Marge ist angesichts hoher Investitionen sowie der Verteilung der Gewinne über einen längeren Zeitraum durch den stärkeren Cloud-Anteil schon länger unter Druck: Im vierten Quartal fiel diese Kennzahl auf 33,2 Prozent nach 34,7 Prozent im Vorjahreszeitraum. Im Gesamtjahr verfehlte sie mit 28,8 Prozent knapp die konzerneigenen Erwartungen. Nun soll es laut Mucic allerdings bergauf gehen. Wie das gelingen soll, dürfte auch Thema des Kapitalmarkttages in der kommenden Woche sein.

Der Stellenabbau kann nur ein Puzzleteil sein. Denn der Konzern geht davon aus, dass im Jahresverlauf trotz des Restrukturierungsprogramms die Marke von 100.000 Mitarbeitern überschritten wird. Deutschland-Personalchef Cawa Younosi zufolge könnten hierzulande bis zu 1200 Mitarbeiter das Unternehmen verlassen. Trotzdem rechnet Mucic damit, dass der Firmensitz in Walldorf am Jahresende mehr Beschäftigte zählt als aktuell.

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..


Mehr zum Thema:  

Jede Anlage am Kapitalmarkt ist mit Chancen und Risiken behaftet. Der Wert der genannten Aktien, ETFs oder Investmentfonds unterliegt auf dem Markt Schwankungen. Der Kurs der Anlagen kann steigen oder fallen. Im äußersten Fall kann es zu einem vollständigen Verlust des angelegten Betrages kommen. Mehr Informationen finden Sie in den jeweiligen Unterlagen und insbesondere in den Prospekten der Kapitalverwaltungsgesellschaften.

DWN
Finanzen
Finanzen Investition in Rüstungs-ETFs: Ist das moralisch vertretbar?
25.02.2024

Angesichts anhaltender geopolitischer Konflikte profitieren derzeit viele Rüstungskonzerne von deutlichen Kurssteigerungen. Wir sagen...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Der „Digital Services Act” - Regulierung mit Hintertür
25.02.2024

Das Digital Services Act-Paket der EU, welches die digitalen Dienste und Märkte künftig regeln möchte, ist brandaktuell. Es soll einen...

DWN
Politik
Politik Trump muss im Betrugsfall 454 Millionen Dollar Strafe zahlen
25.02.2024

Ein New Yorker Gericht hat Donald Trump wegen Betrugs zu einer Strafzahlung von 454 Millionen Dollar aufgefordert.

DWN
Finanzen
Finanzen Falschgeld: Bundesbank meldet kräftigen Anstieg - darauf müssen Sie achten!
25.02.2024

Die Deutsche Bundesbank meldet einen Anstieg gefälschter Banknoten und Münzen. Einzelne Bundesländer sind besonders stark betroffen. Wie...

DWN
Politik
Politik Ukraine-Krieg: Ohne jede Aussicht auf baldigen Frieden
25.02.2024

Der Ukraine-Krieg geht jetzt schon ins dritte Jahr. Aus dem Westen reist wieder politische Prominenz zur Unterstützung in die Ukraine....

DWN
Politik
Politik Verfassungsgericht absichern? - Buschmann will Entwurf vorlegen
25.02.2024

Muss die Arbeitsgrundlage des Bundesverfassungsgerichts im Grundgesetz gegen Demokratiefeinde abgesichert werden? Die Union schlägt die...

DWN
Politik
Politik „Das Bündnis Sahra Wagenknecht gefährdet die Linkspartei in ihrer Existenz“
24.02.2024

Eine neue Figur ist auf das politische Schachbrett gekommen: das Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW). Wie diese neue Partei die politischen...

DWN
Finanzen
Finanzen EU-Vermögensregister und Bargeldbeschränkungen: Risiko für Anleger
23.02.2024

Das EU-Vermögensregister gehört derzeit zu den größten Risiken für Anleger. Daher ist es wichtig, sich jetzt zu überlegen, wie man...