Türkei: Erneuter Währungsverfall verschärft Lebensmittel-Krise

 

Mehr zum Thema.

Benachrichtigung über neue Artikel:  
 
Lesezeit: 2 min
22.03.2019 17:17
Der erneute Währungsverfall der Türkischen Lira hat die Obst- und Gemüsepreise in der Türkei erneut ansteigen lassen.
Türkei: Erneuter Währungsverfall verschärft Lebensmittel-Krise

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  

Die Türkische Lira ist am Freitag gegenüber dem US-Dollar deutlich um fast 4 Prozent auf 5,65 Lira gefallen und erreichte damit das schwache Niveau von Mitte Januar, obwohl die US-Notenbank in der aktuellen Woche beschlossen hatte, ihre Zinserhöhungen zu beschränken - was den Dollar-Außenwert prinzipiell schwächt. Auf Sicht eines Jahres beträgt der Wertverlust nun etwa 42 Prozent.

Der türkischen Wirtschaftszeitung Dünya Gazetesi soll der Auslöser des erneuten Wertverfalls der Türkischen Lira die Erwartung sein, dass es zu einer erneuten Krise zwischen der Türkei und den USA kommen könnte.

Nachdem die USA der Türkei mit Konsequenzen gedroht hatten, falls das Land das russische Luftabwehrsystem S-400 erwirbt, hatte der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan die US-Regierung in einem anderen Zusammenhang kritisiert.

US-Präsident Donald Trump teilte über den Kurznachrichtendienst Twitter mit: “Nach 52 Jahren ist es an der Zeit, dass die Vereinigten Staaten die Souveränität Israels über die Golanhöhen, die für den Staat Israel und die regionale Stabilität von entscheidender Bedeutung ist, uneingeschränkt anerkennen!”

Daraufhin sagte der türkische Präsident: “Die bedauerlichen Äußerungen des US-Präsidenten im Zusammenhang mit den Golan-Höhen könnte zu erneuten Spannungen und zu einer Krise in der Region führen. Wir werden die Legitimierung der Besetzung der Golan-Höhen niemals akzeptieren.”

Devisenmarkt in Aufruhr

Der Devisenanalyst der Rabobank, Piotr Matys, sagte der Dünya Gazetesi: “Der Markt befindet sich in Aufruhr, weil erwartet wird, dass sich die diplomatischen Spannungen zwischen der Türkei und den USA erhöhen werden.”

Ein türkischer Devisenanalyst sagte der Zeitung unter der Bedingung der Anonymität: “Wir haben einen drastischen Wertverfall beobachtet. Dieser erfolgte, nachdem Erdoğan seine Aussagen über Israel getätigt hat.”

Dem Analysten zufolge kaufen die türkischen Bürger seit sechs Monaten hohe Mengen an Devisen, was den Druck auf die Türkische Lira erhöht. Alleine in der vergangenen Woche haben die Bürger demnach Devisen in Höhe von 1,64 Milliarden US-Dollar aufgenommen, so der türkischsprachige Dienst von Bloomberg. Derzeit verfügen die türkischen Bürger über Devisen in Höhe von 105,7 Milliarden US-Dollar, was einen Rekord darstellt.

Inflation bei Lebensmitteln

Der erneute Währungsverfall wird sich nachteilig auf die Inflation auswirken, wodurch eine Drosselung der Preise für Obst und Gemüse nicht möglich sein wird. Die türkische Regionalzeitung Büyük Sivas berichtet, dass der Kilopreis für Auberginen in der Stadt Sivas bei 13,95 Lira (2,21 Euro) liegt. Ein Kilogramm Erdbeeren kostet 19,95 Lira (3,16 Euro) und ein Kilogramm Bananen 9,95 Lira (1,58 Euro).

Im Januar 2019 kosteten Lebensmittel in der Türkei im Durchschnitt 30,97 Prozent mehr als noch vor einem Jahr. Bei einigen Gemüsesorten waren es bis zu 88 Prozent mehr. Bei ihren Markt-Stichproben wollen die Behördenvertreter nach einem Bericht der Hürriyet Preisaufschläge von 100 bis 800 Prozent entdeckt haben.

Im Kampf gegen die steigenden Lebensmittelpreise hatten die türkischen Behörden zuvor ihre eigenen Gemüseläden geöffnet. In gemeindeeigenen Zelten werden in den beiden größten Städten des Landes Tomaten, Zwiebeln und Paprika zum halben Preis verkauft. Vor dem Eingang bilden sich täglich lange Menschenschlangen. In der Türkei bestand das Risiko einer Versorgungskrise bei Obst und Gemüse

Faik Öztrak, Sprecher der sozialdemokratischen Oppositionspartei CHP, sagte CNN Türk zufolge, dass der Hauptgrund für die Lebensmittelinflation am geringen Angebot von Obst und Gemüse liege. Öztrak wörtlich: “Die Produktion von Tomaten ist um 600.000 Tonnen und die Produktion von Zwiebeln um 240.000 Tonnen zurückgegangen.”


Mehr zum Thema:  

DWN
Deutschland
Deutschland „Deutschland spürt das Ende der Behaglichkeit“ – Warum Sie jetzt die DWN zum Vorteilspreis abonnieren sollten

Unser Redaktion zeigt auf, warum Sie nicht auf ein DWN-Abonnement verzichten sollten. Für das erste Jahr wird Ihnen ein besonderes Paket...

DWN
Technologie
Technologie Deutscher Auto-Analyst: "VW kann Tesla in jedem Fall überholen"

VW hat gerade damit begonnen, den Standort in Emden für die E-Produktion umzurüsten. Autoanalyst Frank Schwope von der Nord/LB erklärt...

DWN
Finanzen
Finanzen Commerzbank: US-Heuschrecke und Olaf Scholz bereiten Massenentlassungen vor

Dem US-Finanzinvestor "Cerberus" gehören nur wenige Prozent der Commerzbank. Dennoch will das für seine rüden Methoden bekannte New...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Fetisch CO2: Die EU zerstört die Wirtschaft - und hilft dem Klima damit kein bisschen

Sowohl in der Klima- als auch in der Wirtschaftskrise ergeht sich die EU in Aktionismus. Wie man beide Probleme im Gleichklang löst, zeigt...

DWN
Politik
Politik Spahn: Corona-Maskenpflicht „lieber drei Wochen zu spät“ aufheben

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hat erneut vor zu frühen Lockerungen beim Tragen von Alltagsmasken in der Corona-Krise gewarnt....

DWN
Finanzen
Finanzen Bankenkrise vorerst abgewendet: Federal Reserve beendet Billionen-Interventionen im Repo-Markt

Die US-Zentralbank hat sich nach monatelangen aggressiven Interventionen aus dem Repo-Markt zurückgezogen. Ohne ihr Eingreifen wäre es...

DWN
Politik
Politik Widerstand der erstarkten Niederlande gegen geplanten EU-Aufbaufonds ist Heuchelei

Der niederländische Premier Mark Rutte stellt sich derzeit quer und droht, das geplante 750 Milliarden Euro schwere Konjunkturprogramm...

DWN
Politik
Politik Staaten bilden gemeinsame Abwehrfront: Ist Corona der entscheidende Schritt zur europäischen Einigung?

DWN-Gastautor Daniel Gros stellt eine provokante These auf: Das Projekt "Europa" habe durch Corona an Fahrt gewonnen - schließlich habe...

DWN
Panorama
Panorama Warum es eine Bronzezeit, aber keine „Stahlzeit“ gegeben hat

Aufgrund der Bedeutung der Metalle für die Menschheit wurden ganze Epochen als Kupferzeit, Bronzezeit oder Eisenzeit bezeichnet. Doch...

DWN
Politik
Politik Twitter sperrt Konten der Identitären Bewegung

Twitter hat Konten der „Identitären Bewegung“ gesperrt, weil darauf gegen die Regeln zu Terrorismus oder gewalttätigem Extremismus...

DWN
Politik
Politik Corona-Nachwehen: Deutschland bereitet sich auf schwere Unruhen vor

Gewaltsame Unruhen in Deutschland und Europa werden Experten zufolge in den kommenden Monaten wegen sozialer und wirtschaftlicher Miseren...

DWN
Finanzen
Finanzen Wertvoller als Volkswagen und Co.: Wie kommt es zum absurden Aktienkurs von Tesla?

Tesla erwirtschaftet seit Jahren durchweg Verluste in Milliardenhöhe. Der Aktienkurs steigt trotzdem immer weiter an – wieso?

DWN
Politik
Politik China gerät in Libyen an seine politischen und militärischen Grenzen

China hatte vor dem Sturz des libyschen Präsidenten Muammar al-Gaddafi sehr gute Beziehungen zu Libyen. Ob China seine Interessen in dem...

DWN
Finanzen
Finanzen Erdogan verhängt Sanktionen gegen Goldman Sachs und JP Morgan

Goldman Sachs, JP Morgan und vier weitere internationale Banken wurden an der Istanbuler Börse mit einem dreimonatigen Leerverkaufs-Verbot...

DWN
Technologie
Technologie Bergbau auf dem Mond offenbar lukrativer als bisher angenommen

Forscher der NASA haben Belege dafür gefunden, dass es unter der Oberfläche des Mondes unerwartet viele wertvolle Metalle gibt. Dies...

celtra_fin_Interscroller