Finanzen
Erste Leitzinssenkung seit 10 Jahren

Fed-Zinsentscheid: Nur noch mehr Gelddrucken verhindert das Platzen der Blase

Die Federal Reserve hat erstmals seit 10 Jahren trotz der angeblich so starken US-Konjunktur den Leitzins gesenkt. Die Aktienmärkte zeigten sich schwer enttäuscht, sie hatten mit einer deutlicheren Absenkung gerechnet. Dies zeigt, dass nur noch kontinuierliche Interventionen die zahlreichen Finanzblasen vor dem Platzen bewahren können.
01.08.2019 08:39
Lesezeit: 1 min

US-Präsident Donald Trump hat trotz der von ihm geforderten Zinssenkung die Notenbank Fed erneut scharf angegriffen. Fed-Chef Jerome Powell warf er am Mittwoch vor, das Land im Stich gelassen zu haben, weil weitere Maßnahmen nicht in Aussicht gestellt worden seien. "Was der Markt hören wollte von Jay Powell und der Fed war, dass dies der Beginn eines länger währenden und aggressiven Zinssenkungszyklus ist."

Die Fed senkte zwar erstmals seit mehr als zehn Jahren den Leitzins, aber nur um Viertelpunkt auf die neue Spanne von 2,0 bis 2,25 Prozent. Die Währungshüter reagierten damit auf den von Trump angezettelten Handelskonflikt mit China und der EU, der zusehends auf die globale Konjunktur und auch die US-Wirtschaft durchschlägt. Powell sprach von einer "Sicherheitsvorkehrung". Auch wenn er die Tür für weitere Lockerungen offenhielt, dämpfte er die Erwartungen deutlich: Die jetzige Anpassung sei etwas anderes als "der Beginn eines langen Senkungszyklus".

An der Wall Street gaben die beiden Hauptindizes Dow Jones und S&P 500 daraufhin so deutlich nach wie seit zwei Monaten nicht mehr - um 1,23 beziehungsweise 1,09 Prozent. Allerdings liegen beide noch in der Nähe ihrer jüngsten Rekordhochs. Börsenexperte Ken Polcari vom Vermögensverwalter Butcher Joseph Asset Management sagte, der Markt habe etwas anderes erwartet. Es gebe zwar die Möglichkeit einer weiteren Zinssenkung im September, aber keinen klaren Hinweis darauf.

Die negative Reaktion der Aktienmärkte auf die Leitzinssenkungen – welche das Ende des Zinserhöhungszyklus der vergangenen Jahre darstellt und deshalb vor dem Hintergrund der angeblich so soliden US-Konjunktur sehr aggressiv zu bewerten ist – zeigt, dass das gesamte Finanzsystem inzwischen nur noch mithilfe ständiger geldpolitischer Interventionen durch die Zentralbanken aufrechtzuerhalten ist.

In einer Welt, in der sich die Gesamtschulden von Staaten, Unternehmen und Haushalten seit 2007 auf etwa 250 Billionen Dollar verdreifacht haben, kann es langfristig keine vergleichsweise hohen Zinssätze mehr geben, weil sonst der Schuldendienst nicht mehr gewährleistet werden kann. Es entsteht eine Abwärtsspirale: Die tiefen Zinsen von heute führen zu einer verstärkten weil billigeren Aufnahme von Schulden, welche wiederum einen Zwang zu noch tieferen Zinsen generieren.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen

Jede Anlage am Kapitalmarkt ist mit Chancen und Risiken behaftet. Der Wert der genannten Aktien, ETFs oder Investmentfonds unterliegt auf dem Markt Schwankungen. Der Kurs der Anlagen kann steigen oder fallen. Im äußersten Fall kann es zu einem vollständigen Verlust des angelegten Betrages kommen. Mehr Informationen finden Sie in den jeweiligen Unterlagen und insbesondere in den Prospekten der Kapitalverwaltungsgesellschaften.

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Finanzen
Finanzen Eskalation im Nahen Osten belastet Rentenmarkt: Deutsche Staatsanleihen unter Verkaufsdruck
09.03.2026

Die Verunsicherung an den globalen Finanzmärkten spiegelt sich am Montag deutlich in den Kursen deutscher Bundesanleihen wider, die...

DWN
Politik
Politik Machtpoker im Ländle: Özdemir erteilt rotierender Staatskanzlei eine Absage
09.03.2026

Nach der Zitterpartie bei der Landtagswahl in Baden-Württemberg verhärten sich die Fronten zwischen den potenziellen Koalitionspartnern....

DWN
Politik
Politik Geheime Unterstützung: Russland liefert Iran Zieldaten gegen amerikanische Streitkräfte
09.03.2026

Ein Bericht der Washington Post sorgt für Aufsehen. Demnach liefert Russland Iran geheimdienstliche Informationen über US-Streitkräfte...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Deutsche Industrie enttäuscht: Auftragseinbruch um 11,1 Prozent nach Großauftrags-Boom
09.03.2026

Die deutsche Industrie ist mit einer deutlichen Enttäuschung in das Jahr 2026 gestartet. Laut Daten des Statistischen Bundesamtes sanken...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Spritpreise aktuell: Preiszuwachs an Tankstellen verlangsamt sich
09.03.2026

Autofahrer können vorerst leicht aufatmen, da der steile Aufwärtstrend bei den Kraftstoffpreisen an deutschen Tankstellen an Schwung...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Preiswende im Kühlregal: Butter wird für Verbraucher wieder teurer
09.03.2026

Nach einer Phase sinkender Preise müssen Kunden in Deutschland für Butter wieder tiefer in die Tasche greifen. Führende Discounter und...

DWN
Politik
Politik Geopolitische Zeitenwende: Von der Leyen fordert radikalen Kurswechsel der EU
09.03.2026

Die alte Weltordnung ist Geschichte: EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen drängt angesichts der globalen Instabilität auf eine...

DWN
Politik
Politik Neue EU-Strategie: Brüssels Plan für die Zukunft von Häfen und Werften
09.03.2026

Europas Lebensadern auf dem Prüfstand: Nach langer Wartezeit hat die EU-Kommission ihre neue maritime Strategie enthüllt. In zwei...