Politik
Abkommen zwischen USA und Türkei

Syrien: Kurden-Milizen ziehen sich von türkischer Grenze zurück

Die kurdisch-syrische YPG-Miliz hat sich bereit erklärt, ihre Waffen und Milizionäre entlang eines Teils des syrisch-türkischen Grenzstreifens zurückzuziehen. Sie unterstützt das türkisch-amerikanische Abkommen zur Errichtung einer Sicherheitszone in Nordost-Syrien.
28.08.2019 15:08
Lesezeit: 2 min
Syrien: Kurden-Milizen ziehen sich von türkischer Grenze zurück
Die YPG-Miliz zieht sich aus der potenziellen Sicherheitszone der Türkei (blau) zurück. (Grafik: DWN/Syria Live Map)

Die kurdisch-syrische YPG-Miliz wird im Rahmen eines Abkommens zwischen den USA und der Türkei ihre Milizionäre und schweren Waffen von einem Streifen entlang der syrischen Grenze zur Türkei abziehen. Das teilte zumindest ein YPG-Sprecher am Dienstag mit. In den vergangenen Tagen habe sich die YPG aus den syrischen Grenzstädten Tal Abyad und Ras al-Ain zurückgezogen und damit bewiesen, dass sie die Gespräche zwischen den USA und der Türkei ernst nehme, so der Sprecher. “Dieser Rückzug sollte den türkischen Bedrohungen ein Ende setzen. In einer Tiefe von fünf Kilometern wird es keine Kämpfer der YPG und der SDF geben”, sagte ein weiterer SDF-Vertreter unter der Bedingung der Anonymität Voice of America

Nachdem Ankara die US-Regierung wiederholt gewarnt hatte, dass das türkische Militär im Nordosten Syriens einmarschieren würde, falls die YPG sich nicht zurückzieht, lenkte Washington ein. Daraufhin unterzeichneten die Türkei und die USA ein Sicherheitsabkommen, wonach im Nordosten Syriens eine Sicherheitszone entstehen soll, die von beiden Ländern kontrolliert wird. Einzelheiten zum Abkommen wurden bisher nicht veröffentlicht. Bekannt ist nur, dass die Türkei eine Sicherheitszone gründen will, die 32 Kilometer nach Syrien hineinragt. Diese Entwicklung harmoniert mit einem Pentagon-Papier, über das die Deutschen Wirtschaftsnachrichten im Jahr 2017 weltweit als erstes Medium berichtet hatten.

Die Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF), die von der YPG-Miliz dominiert werden, unterstützen den Deal zwischen Ankara und Washington. Das gab der SDF-Chef Mazlum Kobani am 24. August 2019 bekannt. “Wir werden uns bemühen, den Erfolg der (US-) Bemühungen im Zusammenhang mit der Umsetzung der Vereinbarung (...) mit dem türkischen Staat sicherzustellen”, zitiert Arab News Kobani.

Aykan Erdemir von der neo-konservativen Denkfabrik Foundation for Defense of Democracies sagt: “Sowohl die türkische Regierung als auch die SDF sind zu der Erkenntnis gelangt, dass sie ihre maximalistischen Ambitionen für Nordost-Syrien eindämmen müssen.” Erdemir meint zudem, dass die USA “einen Kompromiss ermöglicht haben, den keine Partei zu gerne öffentlich artikulieren möchte.”

Dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan und der Regierung in Ankara ist es nicht nur gelungen, einen Deal mit den USA in Bezug auf Nordost-Syrien, sondern einen weiteren Deal mit Russland im Zusammenhang mit Idlib auszuhandeln. Nachdem Russlands Präsident Wladimir Putin am 27. August 2019 mit seinem türkischen Amtskollegen Gespräche in Moskau geführt hatte, gab Putin den Deal bekannt. “Terroristen beschießen weiterhin die Positionen syrischer Regierungstruppen und versuchen, russische Militäreinrichtungen anzugreifen. Die Deeskalationszone darf nicht als Zufluchtsort für militante Kämpfer dienen, geschweige denn als Brückenkopf für neue Angriffe. Wir haben uns darauf verständigt, wie und was wir gemeinsam tun können, um diese Probleme zu lösen”, zitiert der englischsprachige Dienst der Deutschen Welle Putin. Er und Erdoğan hätten “gemeinsame Schritte” vereinbart. 

In Syrien bauen die USA, Russland, Israel und die Türkei ihre Einflusssphären aus, was die Deutschen Wirtschaftsnachrichten im Jahr 2018 verkündet und als “sanfte Aufteilung” umschrieben hatten. 

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Ifo-Index steigt: Wirtschaft sendet erste Signale der Erholung
23.02.2026

Der Ifo-Index sendet ein positives Signal für die deutsche Wirtschaft. Nach langer Schwächephase hellt sich das Ifo-Geschäftsklima...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Demografischer Wandel: Europa und vor allem Deutschland altern schneller
23.02.2026

Niedrige Geburtenraten, steigende Lebenserwartung: Europa erlebt einen erheblichen demografischen Wandel. Aktuelle Daten belegen die...

DWN
Politik
Politik Analyse: Trumps Team sucht mit politischem Druck und finanziellen Anreizen Verbündete in Europa
23.02.2026

Die Regierung von Donald Trump verfolgt ein neues außenpolitisches Ziel: den Export ihrer ideologischen Agenda nach Europa. Dabei geht es...

DWN
Finanzen
Finanzen Vatikanbank: Zwei neue katholische Aktienindizes für internationale Investoren
23.02.2026

Die Vatikanbank führt neue Aktienindizes ein, die katholische Ethik systematisch in die Kapitalanlage einbinden sollen. Welche Bedeutung...

DWN
Finanzen
Finanzen Novo Nordisk-Aktie stürzt ab: Studie zum Abnehmmittel Cagrisema enttäuscht
23.02.2026

Die Novo Nordisk-Aktie ist am Montag wieder eingebrochen. Ausgerechnet Hoffnungsträger Cagrisema liefert in einer entscheidenden Studie...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft EU-Maßnahmen gegen China: Subventionen nur für Autos „Made in EU“
23.02.2026

Die EU-Kommission will Subventionen für Elektroautos, Hybrid- und Wasserstofffahrzeuge an strengere europäische Wertschöpfungsvorgaben...

DWN
Finanzen
Finanzen Goldpreis auf Dreiwochenhoch: Zollstreit und andere Unsicherheiten treiben Anleger in sichere Häfen
23.02.2026

Der Goldpreis zieht kräftig an und erreicht ein Dreiwochenhoch. Auslöser sind neue Turbulenzen im US-Zollstreit und überraschende...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft VDMA-Analyse: US-Zölle setzen Maschinenbau unter Druck – Exporte 2025 spürbar rückläufig
23.02.2026

Der deutsche Maschinenbau steckt im Spannungsfeld globaler Krisen, wie eine aktuelle VDMA-Analyse zeigt. Während einzelne Märkte Hoffnung...