Wirtschaft

Polen will riesigen Hauptstadtflughafen bauen

Polen treibt den Bau eines riesigen Flughafens in der Nähe von Warschau voran und schielt dabei auf Deutschland, das mit dem Berliner Großraumflughafen BER nicht vorankommt.
15.09.2019 13:29
Lesezeit: 3 min
Polen will riesigen Hauptstadtflughafen bauen
Der Berliner Flughafen BER. Im benachbarten Polen wird gerade ein neuer Airport geplant, der noch viel größer sein soll. Foto: dpa. Foto: Soeren Stache

Polen, der unmittelbare Nachbar Deutschlands, ist gerade dabei, ein wichtiges Projekt der Regierung voranzutreiben. Es geht um einen neuen Großraumflughafen namens „Centralny Port Komunikacyjny“ (CPK), der etwa 40 Kilometer südwestlich von Warschau liegen soll. Dieses Thema ist besonders politisch sensibel, weil der deutsche Rivale mit dem Bau seines Berliner Großraumflughafens BER einfach nicht vorankommt.

Jetzt hat die polnische Betreibergesellschaft des CPK Ende August/ Anfang September einen wichtigen Schritt nach vorne gemacht. Denn sie veröffentlichte eine Kurz-Strategie, um sie der polnischen Flug-Branche zur Diskussion vorzulegen. Dazu gehören Fluglinien, Transportgesellschaften und andere Unternehmen, die daran beteiligt sind. Den Planungen zufolge haben sie bis Ende Oktober Zeit, um sich dazu zu äußern.

„Der starke Druck, den wir auf die Vorbereitungen gemacht haben, zeigt jetzt die ersten positiven Resultate“, sagte der Sprecher der polnischen Regierung, Mikołaj Wild, im Gespräch mit dem polnischen Wirtschaftssender TVN24. „Der CPK wird das Reisen revolutionieren“, fügte Wild hinzu – nicht ohne Selbstbewusstsein.

Hintergrund: Der Airport ist eines der ersten Groß-Vorhaben, das die nationalkonservative Regierung vorgestellt hat, nachdem sie Ende 2015 an die Macht gekommen war. Die Pläne der Polen sind sehr ambitioniert: So wollen sie ab 2022 mit dem Bau beginnen, der dann fünf Jahre später abgeschlossen sein soll.

Investitionssumme liegt bei acht Milliarden Euro

Die Investitionssumme wird Schätzungen zufolge insgesamt 35 Milliarden Złoty (acht Milliarden Euro) betragen – inklusive der notwendigen Straßen- und Bahninfrastruktur. Beispielsweise soll das Zugnetz so ausgebaut werden, dass jede polnische Stadt innerhalb von nur zweieinhalb Stunden erreichbar ist.

In einem ersten Schritt wird der Airport den Planungen zufolge pro Jahr 45 Millionen Fluggäste befördern. Später um das Jahr 2050 wird die Kapazität auf 100 Millionen Passagiere steigen – fast so viel, wie derzeit größte Flughafen der Welt hat, der im US-amerikanischen Atlanta liegt.

Auf den ersten Blick wirkt das Projekt wie Größenwahn, doch wenn man genauer auf die Entwicklung und die Prognosen für den Flugverkehr schaut, ist dies nicht unrealistisch. In Polen gibt es derzeit 15 regionale Airports. Dort sind die Passagier-Zahlen im vergangenen Jahr im Vergleich zum Vorjahr um 15 Prozent auf 45 Millionen geklettert.

Zum Vergleich: London-Heathrow als größer europäischer Airport befördert pro Jahr 80 Millionen. Auf dem zweiten Platz liegt der „Aeroport Charles des Gaulle“ in Paris mit 72 Millionen, während der niederländische Standort Luchthaven im Amsterdam 71 Millionen Fluggäste transportiert. Der Frankfurter Flughafen kommt danach in der Rangliste auf dem vierten Platz mit 70 Millionen.

Weltweit soll Flugverkehr in den kommenden zwei Jahrzehnten pro Jahr um mehr als 4,4 Prozent steigen. Das schätzt die internationale Beratungsgesellschaft PWC. In Europa werden die Fluggastzahlen geringer ausfallen, glauben die Experten, ohne konkrete Angaben zu machen. Das bedeutet, dass das Passagieraufkommen auf dem europäischen Kontinent wohl im niederen Prozentbereich klettern wird. Wenn man dies als Grundlage nimmt, dann wird Polen im Jahr 2050 die geplanten 100 Millionen Fluggäste ohne Probleme erreichen. Voraussetzung ist allerdings, dass die regionalen Flughäfen als Konkurrenten verschwinden.

Der CPK liegt an der Autobahn A2, die die Ost-West-Achse des Landes bildet, das flächenmäßig fast so groß ist wie Deutschland. In westlicher Richtung erreicht man Berlin erst nach 530 Kilometern. Deswegen ist der neue polnische Airport wohl keine direkte Konkurrenz für die Berliner Flughäfen.

Luftfahrtexperte: "Polen beweist langfristiges Denken - im Gegensatz zu Deutschland"

Doch politisch ist die Wirkung des Projektes nicht zu unterschätzen. Damit würden die Polen zeigen, dass sie besser als der deutsche Nachbar organisieren können. Denn Deutschland kann seinen eigenen geplanten Großraumflughäfen BER einfach nicht fertigstellen. Derzeit gibt es wieder neue Probleme bei dem Projekt, das einfach seit Jahren nicht enden will. Beim Bau des neuen Zusatzterminals T2 gibt es aufgrund von Planungsmängeln Verzögerungen. Eigentlich sollte es zeitgleich mit dem BER im Oktober 2020 in Betrieb gehen.

So haben auch die deutschen Experten den neuen Großraum-Flughafen der Polen schon längst im Blick. „Es ist sicherlich politisch sinnvoll und vorausschauend, wenn ein Land die Kapazität seines Hauptstadtflughafens ausbaut oder einen neuen, entsprechend deutlich leistungsstärkeren Airport entwickelt und baut“, sagte der deutsche Luftfahrt-Experte, Cord Schellenberg, den Deutschen Wirtschaftsnachrichten und warf einen sehr skeptischen Blick nach vorne: „Polen beweist langfristiges Denken, während in Deutschland politisch nicht damit zu rechnen ist, dass ein neuer internationaler Flughafen projektiert wird“, so Schellenberg.

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