Finanzen

Investoren ziehen verstärkt Gold aus Hongkong ab

Medienberichten zufolge haben Investoren damit begonnen, Gold aus dem Finanzzentrum Hongkong abzuziehen. Der große Gewinner scheint Singapur zu sein.
17.09.2019 10:50
Aktualisiert: 17.09.2019 10:53
Lesezeit: 3 min

Privatanleger haben verstärkt damit begonnen, ihre physischen Goldbestände aus Hongkong abzuziehen. Hintergrund ist die schwerste politische Krise des Finanzzentrums seit die einstige britische Kolonie im Jahr 1997 wieder an die Volksrepublik China zurückgegeben wurde. Das Gold werde aus Hongkong an Orte wie Singapur und die Schweiz verbracht, berichtet die Financial Times unter Berufung auf Insider.

Die FT zitiert Joshua Rotbart, dessen Unternehmen in Hongkong physisches Gold an Investoren verkauft, mit der Aussage, dass Gold im Wert von mehreren Millionen Dollar aus der Stadt abgezogen werde. Zudem würden alle neuen Kunden sich dafür entscheiden, ihr Gold außerhalb von Hongkong zu lagern. "Wenn jemand jetzt Gold kauft, wird er es woanders aufbewahren, und die unmittelbare Alternative ist Singapur", so Rotbart.

Scott Schamber, Geschäftsführer von Global Gold, einem in Zürich ansässigen Edelmetall-Lager mit rund 600 Kunden, sagte dem FT-Bericht zufolge, dass sein Unternehmen Anfang des Monats eine Warnung herausgegeben hat, in der es seinen Kunden empfahl, ihr Gold an einem anderen Ort als Hongkong zu lagern.

Zwischen Hongkong und Singapur wird regelmäßig Gold hin und her geflogen, meist in Form von Ein-Kilogramm-Barren welche in China als Standard gelten, je nach den lokalen Goldpreisen in beiden Städten. Einer der wichtigsten Goldtresore Hongkongs wird vom internationalen Flughafen betrieben.

Laut Schamber lagert Global Gold weniger als 10 Prozent der Edelmetalle im Wert von rund 215 Millionen Dollar, die es für seine Kunden verwahrt, in Hongkong. Doch nach den jüngsten Störungen auf Hongkongs internationalem Flughafen sei das Unternehmen besorgt, dass der Transport von Gold aus dem Territorium heraus erschwert werden könnte. "Mit Chinas Präsenz im Hinblick auf Hongkong hatten wir das sowieso schon immer im Hinterkopf", sagte Schamber. Eine Handvoll seiner etwa zehn Kunden in dem Gebiet habe ihre Goldbestände in die Schweiz verlagert.

Chinas Militär an der Grenze zu Hongkong

Reiche chinesische Kunden wollten Gold in Singapur und nicht in Hongkong kaufen, sagt Rotbart. "Für chinesische Kunden ist Hongkong kein ausländisches Zentrum mehr, wenn sie bewaffnete Fahrzeuge an der Grenze sehen und die Regierung erwägt, einzugreifen", wird Rotbart zitiert.

Albert Cheng, Hauptgeschäftsführer der Singapore Bullion Market Association, sagte, er habe zwar in letzter Zeit von mehr Anfragen privater Investoren gehört, Gold in Singapur zu kaufen. Doch der große physische Goldfluss sei nicht von den Turbulenzen in Hongkong betroffen gewesen. "Die Private Banking Community sagt, dass es mehr Anfragen gibt", so Cheng. "Aber der tatsächliche Fluss ist schwer zu ergründen." Der größte Teil der chinesischen Goldimporte wird über Hongkong abgewickelt, und diese Ströme seien bisher nicht von den jüngsten Turbulenzen betroffen, sagten mit dem Geschäft vertraute Personen gegenüber der Financial Times.

Die chinesische Zentralbank beschränkte die privaten Goldimporte zu Beginn dieses Jahres, um den Abfluss von Dollars aus dem Land zu stoppen, sodass sich große Goldbestände in Hongkong aufbauten. Doch kürzlich hat die Zentralbank - welche solche Maßnahmen in der Vergangenheit bereits ergriffen hatte - diese Einschränkungen Brancheninsidern zufolge wieder gelockert. Zudem hatte die Notenbank selbst seit Dezember vergangenen Jahres Monat für Monat ihre Goldreserven erhöht.

Nicht nur Gold fließt nach Singapur

Der Goldabfluss aus Hongkong sei Teil der Verlagerung verwalteter Vermögen in der Region nach Singapur, sagt Philip Klapwijk, Geschäftsführer von Precious Metals Insights. Die jüngsten Entwicklungen in Hongkong hätten diese Verlagerung nur beschleunigt. "Ich bin mir nicht sicher, ob es wirklich darum geht, ob das Gold sicher ist oder nicht. Es geht eher darum, dass Hongkongs Stern verblasst und Singapurs Stern heller leuchtet", so Klapwijk.

Anleger beobachten die Unruhen in Hongkong mit zunehmendem Unbehagen. Am Montag hat die US-Ratingagentur Moody's ihr Rating für den Ausblick des Finanzplatzes auf negativ herabgestuft und dabei auf die wachsenden Risiken für seine institutionelle Stärke inmitten der fortschreitenden Integration mit China hingewiesen. Ähnlich hatte sich Anfang des Monats auch die US-Ratingagentur Fitch geäußert, als sie Hongkong herabstufte.

Torgny Persson, Chief Executive von BullionStar, einem Goldhändler mit Sitz in Singapur, sagte, dass "viele" besorgte Investoren sich mit Fragen an ihn gewandt hätten, wie sie ihre Bestände aus Hongkong verschieben könnten. "Singapur zeichnet sich jetzt als der führende Standort in Asien, wenn nicht sogar weltweit, in Bezug auf Sicherheit und Rechtsstaatlichkeit für Investoren und Sparer aus, die nach einem stabilen Rechtsraum für die Erhaltung ihres Goldvermögens suchen", sagte er.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Staatliche Datenkontrolle treibt Verbraucher in die digitale Schattenwirtschaft

Deutschland befindet sich im Jahr 2026 in einer paradoxen wirtschaftspolitischen Situation. Während die Bundesregierung versucht, durch...

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Politik
Politik IEA: Deutschland gibt wegen Iran-Kriegs Teil der Ölreserven frei
11.03.2026

Seit Beginn des Iran-Kriegs vor gut einer Woche schnellt der Ölpreis in die Höhe. Um dagegen anzugehen, wird jetzt ein seltenes...

DWN
Politik
Politik Tanken in Polen: Warum die Tankfüllung in Polen deutlich günstiger ist
11.03.2026

Die explodierenden Kraftstoffpreise treiben viele deutsche Autofahrer nach Polen, um deutlich günstiger Benzin oder Diesel zu tanken. Doch...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft DIW: Iran-Krieg trifft deutsche Wirtschaft wenig - aber treibt Preise
11.03.2026

Mit dem Anstieg der Ölpreise wachsen die Sorgen um die Konjunktur in Deutschland. Das Institut der deutschen Wirtschaft ist eher...

DWN
Politik
Politik Moskau bestätigt Kriegsziel nach Angriff auf Fabrik: Ukraine entwaffnen
11.03.2026

Nach einem ukrainischen Angriff mit mehreren Toten reagiert Moskau – und macht auch Großbritannien Vorwürfe. Kremlsprecher Dmitri...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Fehlentscheidungen im Recruiting: Warnsignale im Bewerbungsprozess früh erkennen
11.03.2026

Unternehmen stehen zunehmend vor der Herausforderung, neue Mitarbeiter nicht nur fachlich, sondern auch in ihrer Motivation und...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Tiefer Fall der Luxusmarke: Porsche meldet drastischen Gewinneinbruch um 91,4 Prozent
11.03.2026

Verkaufsminus in China, Verbrenner-Comeback, Gewinne in Trümmern: Für die Luxusmarke Porsche war 2025 ein Jahr zum Vergessen. Das zeigt...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Betriebsratswahl 2026: Millionen Beschäftigte wählen – Gewerkschaften unter Druck
11.03.2026

Der Wahlkampf um neue Betriebsräte läuft auf Hochtouren: Sie gehören zu den größten Abstimmungen in Deutschland. Doch was können die...

DWN
Politik
Politik Trumps widersprüchliche Signale im Iran-Krieg: Märkte schwanken zwischen Hoffnung und Risiko
11.03.2026

Die widersprüchlichen Signale aus Washington und Teheran sorgen an den Finanzmärkten für große Unsicherheit über den weiteren Verlauf...