Finanzen

Hedgefonds könnten Millionen durch Thomas Cook-Pleite absahnen

Die Pleite des Reiseveranstalters Thomas Cook soll nicht zuletzt Folge der Weigerung von Investoren gewesen sein, welche nicht auf Ausfälle bei ihren Finanzspekulationen verzichten wollten.
27.09.2019 10:10
Aktualisiert: 27.09.2019 10:15
Lesezeit: 2 min

Einem Bericht der Nachrichtenagentur Bloomberg zufolge könnten Hedgefonds – ganz im Gegensatz zu Kleinanlegern und Gläubigern – von der Insolvenz des Reiseveranstalters Thomas Cook profitieren, weil sie sich zuvor mit Kreditausfallversicherungen eingedeckt hatten.

Bloomberg zufolge handelt es sich bei den größten Profiteuren des Cook-Konkurses demnach offenbar um die Hedgefonds Sona Asset Management und Xaia Investment. Denn der Reiseveranstalter hatte seine Geschäfte unter anderem mithilfe von Anleihen finanziert, die nun vermutlich nichts mehr wert sind. Nun können jene Investoren einen Nutzen aus dieser Situation ziehen, die sich gegen eine mögliche Insolvenz mithilfe von Kreditausfallversicherungen (Credit Default Swaps – CDS) abgesichert oder sogar gezielt auf eine solche spekuliert haben.

Sona Asset Management und Xaia Investment sollen Bloomberg zufolge etwa 250 Millionen Euro an der Pleite verdienen, weil sie in entsprechende Kreditausfallversicherungen (CDS - Credit Default Swaps) auf Anleihen von Thomas Cook investiert haben sollen. Während die Kurse dieser CDS ist in der jüngeren Vergangenheit deutlich gestiegen sind, haben die Preise für die Anleihen des Reiseveranstalters aufgrund der Probleme der Gesellschaft deutliche Abschläge verzeichnet.

Mithilfe von CDS können Spekulanten auf jeden Kredit wetten. Der Clou bei dieser Art von Kreditausfallversicherung: Der Käufer eines solchen Wertpapiers muss keine Verbindung (etwa in Form einer Anleihe) zum versicherten Kredit respektive den Schulden aufweisen. Er muss noch nicht einmal Schuldner oder Gläubiger sein, der Kredit dient nur als Basiswert des CDS.

Bereits im Juli dieses Jahres hatte die Ratingagentur Moody‘s zwei Anleihen von Thomas Cook abgestuft, wobei die beiden Positionen im Volumen von 750 und 400 Mio. Euro in den Jahren 2022 und 2023 fällig geworden wären. Ursache für die Abstufung der Wertpapiere war das Bestreben des Großaktionärs Fosun zur Rettung des Reise-Unternehmens, wonach unter anderem die Umwandlung von Anleihen in Aktien vorgesehen gewesen sei. Laut Moody‘s hätte das einen Ausfall der Anleihen bedeutet. Allerdings hatte Moody‘s die entsprechenden Wertpapiere auch schon vorher als spekulativ eingestuft.

Wenn die Umwandlung von Anleihen in Aktien zustande gekommen wäre, hätte natürlich auch keine Kreditausfallversicherung gezahlt. Nach übereinstimmenden britischen Medienberichten hatte eine Gruppe von Hedgefonds in der vergangenen Woche damit gedroht, die nun tatsächlich gescheiterten Rettungsversuche für das Unternehmen zu blockieren, sollte aus diesen Gründen kein Geld aus ihren CDS-Verträgen fließen.

Keiner der Beteiligten wollte Anfang dieser Woche eine Erklärung dazu abgeben, warum die Verhandlungen am Sonntag in den Londoner Räumen der Wirtschaftskanzlei Latham & Watkins gescheitert sind. Eine spärliche Erläuterung von Thomas-Cook-Chef Peter Fankhauser lautete lapidar: "Eine in den letzten paar Verhandlungstagen zusätzlich geforderte Zahlung ... hat ... eine Herausforderung dargestellt, die sich letztlich als unüberwindbar erwies".

Das Risiko für Anleiheinvestoren könnte bereits in naher Zukunft völlig unabhängig vom Fall Thomas Cook steigen. Daniel Kerbach, Chief Investment Officer bei Merck Finck Privatbankiers erklärt: „An den Anleihemärkten droht eine weltweite Welle von Kreditausfällen und Rating-Abstufungen.“ Allerdings halte die lockere Geldpolitik der Notenbanken die Kreditausfallraten bislang auf einem künstlich niedrigen Niveau.

Weil seit einer Reihe von Jahren Unternehmen auf dem ganzen Globus immer mehr Fremdkapital am Kapitalmarkt aufgenommen haben, könnte das nach Ansicht von Experten bald vorbei sein. Das weltweit ausstehende Volumen von Unternehmensanleihen außerhalb des Finanzmarktes hat sich von 2008 bis 2018 auf 13 Billionen US-Dollar verdoppelt. Angesichts der steigenden Verschuldung wird die sinkende Qualität der Schuldner als größtes Problem angesehen.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Politik
Politik Deutschland braucht einen nationalen Hitzeschutzplan: Doch wer trägt die Kosten?
21.09.2026

Sommer, Sonne, Hitze: Extrem hohe Temperaturen belasten zunehmend den Alltag vieler Menschen in Deutschland und verursachen...

DWN
Technologie
Technologie 70.000 Dollar für eine Hand: Deutschlands Chance im Roboter-Boom
21.09.2026

China lieferte im ersten Halbjahr 97 Prozent aller humanoiden Roboter weltweit aus. Warum eine Fraunhofer-Studie ausgerechnet in deren...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft IAB-Studie: Rüstungsindustrie kann Stellenabbau nicht auffangen
21.09.2026

Die Rüstungsindustrie wächst, doch als Auffangbecken für Beschäftigte aus kriselnden Industriezweigen taugt sie bislang kaum. Neue...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Škoda Peaq im Test: Wenn die Reichweite ihrem Namen alle Ehre macht
21.09.2026

Mit dem Škoda Peaq stellt die Marke ihr bislang größtes Elektroauto vor. Der SUV setzt auf hohe Reichweite, viel Innenraum, starke...

DWN
Finanzen
Finanzen Vonovia-Aktie unter Druck nach Berlin-Wahl – Diskussion um Enteignungen
21.09.2026

Die Berlin-Wahl setzt die Vonovia-Aktie unter Druck. Forderungen nach Enteignungen großer Wohnungskonzerne sorgen bei Anlegern für...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Wirtschaftsprofessor Luis Garicano: So vermeiden Sie, Ihren Job an KI zu verlieren
21.09.2026

Viele Warnungen vor KI und Massenarbeitslosigkeit klingen dramatisch. Der Ökonom Luis Garicano hält sie für übertrieben. Sein Argument:...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Novo Nordisk-Aktie: Warum der Ozempic-Riese plötzlich alles ändert
21.09.2026

Novo Nordisk macht aus sich selbst „Novo“ und dreht sogar den berühmten Stier im Logo um. Doch hinter der vermeintlichen kosmetischen...

DWN
Finanzen
Finanzen Neue Euro-Banknoten: Diese Motive stehen zur Wahl – Umfrage endet
21.09.2026

Europas Bargeld soll moderner, sicherer und langlebiger werden. In einer großen Online-Umfrage entscheiden Bürger über mögliche Motive...