Wirtschaft

Trumps Handelspolitik kostet die Autoindustrie 700 Milliarden Euro

Die erratische Handelspolitik von US-Präsident Donald Trump hat verheerende Auswirkungen. Allein die Autobauer werden in den nächsten Jahren 100 Milliarden Euro per annum verlieren.
09.10.2019 11:44
Lesezeit: 3 min

Absatzkrise, Gewinnwarnungen, überschüssiges Personal – die Autobauer haben mit einer Myriade von Problemen zu kämpfen. Donald Trump ist mit seinen Drohungen, Zollkriegen und Sanktionen gegen China, Iran und Russland einer der Hauptauslöser dieser Probleme. Mit seinen erratischen Aktionen zerstört der US-Präsident weltweit gewaltiges Volksvermögen. Nach den Berechnungen des von Prof. Ferdinand Dudenhöffer gegründeten „CAR Center Automotive Research“ der Universität Duisburg-Essen werden im weltweiten Automarkt in den Jahren von 2018 bis 2024 kumulierte Umsatzeinbrüche von mehr als 35 Millionen Pkw zu verkraften sein. In monetären Werten ausgedrückt: 700 Milliarden Euro. Pro Jahr also 100 Milliarden.

Gut 80 Prozent dieser Verluste fallen in China an. Da für die deutsche Autoindustrie das Reich der Mitte Schlüsselmarkt ist, wird sie - und wird die gesamte Bundesrepublik - durch die US-Zollpolitik erheblich geschädigt. Das Verhalten der USA ist damit das genaue Gegenteil einer angemessenen Bündnispolitik.

In den Jahren 2010 bis 2017 wuchs der weltweite Automarkt jährlich mit durchschnittlich 4,5 Prozent. Diese Wachstumsimpulse kamen zu gut 60 Prozent aus China. In der zweiten Hälfte des Jahres 2018 setzte der Schrumpfungsprozess ein, der sich 2019 mit erheblichem Tempo verschärft hat und nach der CAR-Prognose Ende 2019 seinen Tiefpunkt mit rund 77,3 Millionen weltweiten Pkw-Verkäufen erreicht. Erst ab dem Jahr 2021 setzt nach der CAR-Prognose der Erholungsprozess ein und wird im Jahr 2025 mit circa 87.8 Millionen Pkw-Verkäufen sein altes Niveau wieder erreichen.

Die folgende Tabelle fasst die Rechen- und Prognose-Ergebnisse für die 7-Jahres-Periode (2018 bis 2024) zusammen. Insgesamt wird durch die Zollkriege ein kumulierter Absatzeinbruch von weltweit mindestens 35 Millionen Fahrzeuge erwartet. Mit 29 Millionen Fahrzeugen (entspricht 83 Prozent) ist der Absatzverlust in China am größten.

Absatz- und Umsatzeinbruch 7-Jahres-Periode:

Absatz-Einbruch in Mio. Pkw

weltweiter Umsatz- Verlust in Mill. €

Welt

35

Autobauer

700

China

29

Zulieferer

420

China-Anteil

83%

Zulieferer-Anteil

60%

Quelle: CAR Universität Duisburg-Essen

Bei der Berechnung wurde ein weltweiter Durchschnittpreis pro Neuwagen von 20.000 Euro zugrunde gelegt. Dies ist ein eher konservativer Wert, denn allein der weltweite Durchschnitts-Preis der verkauften Fahrzeuge der Pkw-Marke VW betrug 22.770 Euro im Jahr 2018.

35 Millionen Fahrzeuge mit einem Durchschnittspreis von 20.000 Euro pro Fahrzeug ergeben einen Umsatzverlust von 700 Milliarden Euro, wie die Abbildung zeigt. Da der Zulieferer-Anteil etwa 60 Prozent der Wertschöpfung in der Autoindustrie umfasst, wird die Zulieferbranche mit einem Umsatz-Einbruch von mehr als 400 Milliarden Euro durch die Zollkriege des US-Präsidenten belastet. Trump zerstört damit in ganz erheblichen Maße Vermögenwerte.

Bisher waren die deutschen Autobauer noch einigermaßen glimpflich aus dem Markteinbruch in China herausgekommen. Dies ändert sich aber derzeit. Noch stärker leiden die deutschen Zulieferunternehmen in China, die natürlich auch an chinesische Autobauer ihre Produkte liefern. Die USA schädigt daher indirekt die deutsche Autoindustrie in erheblichem Maße. Zusätzlich liegen Märkte wie Iran, die sich noch vor kurzer Zeit sehr vielversprechend entwickelten, durch die irrationale Sanktionspolitik des US-Präsidenten am Boden. Gerade im Nutzfahrzeug-Markt hätten deutsche Autobauer und Zulieferer deutlich profitiert.

Es macht viel Sinn, stärker auf Distanz zur USA zu gehen. Die Schlüsselindustrie Deutschlands wird durch Trumps fehlgeleitete Politik erheblich geschwächt, und zwar gleich aus zweierlei Grund. Erstens, der immense Umsatz- und damit Wertschöpfungsausfall durch den Einbruch der weltweiten Autokonjunktur. Zweitens, der erhebliche Kapitalentzug durch die Krise, der es erschwert, die hohen Kosten des Umstiegs auf die Elektromobilität zu schultern. Die Schädigung der deutschen Autoindustrie hat damit Langzeitwirkung. Zusätzlich ist aufgrund der Industriepolitik von US-Präsident Trump, die den Ausbau fossiler Brennstoffe eher fördert und den Klimawandel zu großen Teilen ignoriert, eine weitere Langzeit-Belastung zu erwarten. Trump belastet durch seine CO2-Politik das Weltklima und wälzt die Kosten auf die Weltgemeinschaft ab.

Diese Überlegungen machen deutlich, dass es wichtig ist, Bündnisse und Bündnispolitik neu zu überdenken. Ziel sollte es sein, Deutschlands Austausch mit China zu verbessern. Einerseits durch klare Verträge und Vereinbarungen, die zum Beispiel Lösungen für das undurchsichtige Social-Scoring-System der Volksrepublik oder die Freiheitsbewegungen in Hongkong mit in die Vereinbarungen aufnehmen. Gleichzeitig kann im Gegenzug die wirtschaftliche Zusammenarbeit mit China schneller und deutlicher ausgebaut werden. Eine vernünftige Kooperation mit China erlaubt die Absicherung des Wohlstands in Deutschland.

Der Schaden, den die Zollkriege der USA für die deutsche Autoindustrie verursachen, erscheinen deutlich höher als die Risiken der Zusammenarbeit mit China. Während mit den US-Zollkriegen deutsches Volksvermögen zerstört wird, erlaubt eine ausgewogene Kooperation mit China die Fortsetzung der Wachstumsprozesse und trägt damit zur Wohlfahrsteigerung bei.

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