Finanzen

EU billigt Notkredit: Condor kann vorerst weiterfliegen

Der deutsche Staat darf den Ferienflieger Condor mit einem 380-Millionen-Euro-Kredit in der Luft halten. Nun gilt es für das Management, die gekaufte Zeit zu nutzen.
14.10.2019 14:49
Aktualisiert: 14.10.2019 14:52
Lesezeit: 1 min

Der Ferienflieger Condor darf vorerst weiterfliegen. Die EU-Kommission hat am Montag den staatlichen Überbrückungskredit für die deutsche Flugsparte des insolventen Thomas-Cook-Konzerns bewilligt. Die vorgesehenen 380 Millionen Euro der Staatsbank KfW verzerrten den Wettbewerb in der EU nicht übermäßig, teilte die Brüsseler Behörde am Montag mit. Für den Kredit bürgen die Bundesrepublik und Hessen zu gleichen Teilen. Das Unternehmen muss die Beihilfe innerhalb von sechs Monaten zurückzahlen oder ein schlüssiges Konzept zur Fortführung des Betriebs vorlegen.

Die Condor war im September mit der Pleite ihres britischen Mutterkonzerns Thomas Cook in Schwierigkeiten geraten. Die Gesellschaft mit 58 Flugzeugen und 4900 Mitarbeitern ist ein wichtiger Partner verschiedener Reiseveranstalter. In einem so genannten Schutzschirmverfahren ist sie aus dem Konzern herausgelöst worden. Insbesondere soll verhindert werden, dass Geld an die britische Mutter abfließt. Mit dem nun genehmigten Kredit ist die Gesellschaft zunächst wieder flüssig.

Das grüne Licht aus Brüssel bestätige die Systemrelevanz der Fluggesellschaft im europäischen und deutschen Wettbewerb, erklärte Condor-Chef Ralf Teckentrup. «Eine gesunde Condor ist auch klar im Interesse eines funktionierenden Marktes, denn wir sind nicht nur ein wesentlicher Mitbewerber im touristischen Segment, sondern auch wichtig für die Wettbewerbsstruktur in der Luftfahrt in Deutschland und Europa.»

Der im vorläufigen Schutzschirmverfahren eingesetzte Sachwalter Lucas Flöther meinte, Condor verfüge nun über die notwendige Liquidität, um die Wintersaison zu überbrücken. Er sei zuversichtlich, dass am Ende des Prozesses ein neuer Partner gefunden werde, der eine nachhaltige Zukunft der Airline sichere und weiteres Wachstum ermögliche.

Die EU-Kommission fügte hinzu, der Kredit werde «im Interesse der Fluggäste zur ordnungsgemäßen Aufrechterhaltung der Flugdienste beitragen». Es sei an strenge Auflagen geknüpft. Die Summe werde in Raten ausbezahlt, Condor müsse seinen Liquiditätsbedarf wöchentlich nachweisen. Deutschland habe zudem zugesichert, dafür zu sorgen, dass Condor den Kredit entweder nach sechs Monaten vollständig zurückzahlt oder eine umfassende Umstrukturierung durchführt, um wieder rentabel zu werden. Ein entsprechendes Konzept müsse erneut von der EU-Kommission überprüft werden.

Laut Teckentrup läuft der Flugbetrieb wie geplant weiter. Die Buchungslage sei vielversprechend, sagte der Condor-Chef: «Unsere Kunden und Geschäftspartner buchen zusätzliche Kontingente, sodass die aktuelle Buchungslage unsere Erwartungen sogar übertrifft. Wir sind bereits in fortgeschrittenen Gesprächen mit allen Reiseveranstaltern für einen vielversprechenden und gut gebuchten Sommer 2020.»

Die britische Konzernmutter Thomas Cook wie auch die deutsche Veranstaltungstochter mit Reisemarken wie Neckermann, Öger oder Bucher hatten zuletzt Insolvenz angemeldet. Thomas Cook hatte seine Airlines schon im Februar zum Verkauf gestellt, letztlich aber keinen Deal abgeschlossen.

Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Edelmetalle in einer neuen Marktphase

Gold über 5.500 US-Dollar, Silber über 100 US-Dollar pro Unze

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt und Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Finanzen
Finanzen TKMS-Aktie auf Rekordhoch: Norwegen bestellt weitere U-Boote bei Thyssenkrupp Marine Systems
30.01.2026

Norwegen setzt beim Ausbau seiner Marine weiter auf TKMS-U-Boote und erweitert den Großauftrag deutlich. Auch andere Staaten beobachten...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Arbeitsmarkt: Mehr als drei Millionen Arbeitslose in Deutschland
30.01.2026

Die Arbeitslosenzahl steigt im Januar saisonüblich an. In diesem Jahr wurde allerdings eine wichtige Schwelle überschritten.

DWN
Politik
Politik Begrenzte Waffenruhe: Russland stimmt Ukraine-Waffenruhe bis Sonntag zu – Chance für Frieden oder Kalkül?
30.01.2026

Eine überraschende Entwicklung deutet auf Entspannung im Ukraine-Krieg hin: Russland signalisiert Zustimmung zu einer begrenzten...

DWN
Finanzen
Finanzen Trump setzt auf Kevin Warsh als Fed-Chef: Neuer Kurs für die US-Notenbank?
30.01.2026

US-Präsident Donald Trump bringt mit Kevin Warsh einen möglichen neuen Fed-Chef ins Spiel. Doch kann ein Machtwechsel die Geldpolitik...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Inflation in Deutschland steigt wieder über zwei Prozent: Lebensmittelpreise steigen
30.01.2026

Die Inflation in Deutschland zieht zu Jahresbeginn wieder an und belastet viele Verbraucher spürbar. Besonders bei Lebensmitteln steigen...

DWN
Politik
Politik Tarifverhandlungen: Verdi ruft bundesweit zu Warnstreiks im Nahverkehr auf
30.01.2026

Die Gewerkschaft ver.di hat für Montag bundesweite Streiks im kommunalen Nahverkehr angekündigt. Vielerorts dürften Busse und Bahnen...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Dollar unter Druck: Neue Risiken für Finanzmärkte und Weltwirtschaft
30.01.2026

Der Wertverlust des Dollars verschiebt globale Preisrelationen und wirtschaftliche Rahmenbedingungen für Unternehmen und Verbraucher....

DWN
Unternehmen
Unternehmen Bosch-Gewinneinbruch: Operatives Ergebnis fast halbiert
30.01.2026

Bosch verdient so wenig wie seit Jahren nicht. Insbesondere die horrenden Kosten für die Stellenabbau-Pläne belasten den Gewinn. Der...