Deutschland

Volkswagen: Kontrolleur des US-Justizministeriums bleibt unerwartet länger in Wolfsburg

Der vom US-Justizministerium eingesetzte Aufpasser bei VW bleibt drei Monate länger in Wolfsburg als geplant. Dies soll auf Wunsch des Autobauers beschlossen worden sein.
17.10.2019 17:36
Aktualisiert: 17.10.2019 17:44
Lesezeit: 1 min
Volkswagen: Kontrolleur des US-Justizministeriums bleibt unerwartet länger in Wolfsburg
Wolfsburg: Hiltrud D. Werner, Vorstand der Volkswagen AG für Integrität und Recht und Larry Dean Thompson, Compliance Monitor und Compliance Auditor der Volkswagen AG. (Foto: dpa) Foto: Julian Stratenschulte

Der nach dem Dieselskandal eingesetzte Kontrolleur der US-Justiz wird seine Arbeit bei Volkswagen auf Wunsch des Konzerns um drei Monate bis September 2020 verlängern. Volkswagen habe um eine Verlängerung von 90 Tagen gebeten, um Maßnahmen zum Einhalten der Grundsätze guter Unternehmensführung noch gründlicher zu testen, teilte der Wolfsburger Autobauer am Donnerstag mit. Das US-Justizministerium und der von ihm eingesetzte Compliance-Monitor Larry Thompson hätten zugestimmt. "Wir möchten ein optimales Ergebnis erzielen, es geht nicht einfach nur darum, die Prüfungen hinter uns zu bringen", erklärte Rechtschefin Hiltrud Werner. Mehr als 100 Prozesse müssten geprüft werden. VW-Konzernchef Herbert Diess erklärte, Integrität auf allen Ebenen müsse so verankert werden, dass sie langfristig sichergestellt sei.

Thompson hatte im Juni 2017 seine Arbeit aufgenommen, nachdem Volkswagen in den USA mit Justiz und anderen Behörden einen Vergleich zur Entschädigung für den 2015 entdeckten Abgasskandal geschlossen hatte. Der ehemalige US-Vize-Justizminister durchleuchtet das gesamte Unternehmen zusammen mit einem Team aus Spezialisten. Es wurden schärfere Regeln eingeführt, damit die Beschäftigten sich an Recht und Gesetz halten und es nie wieder zu derart massiven Betrugshandlungen kommt. Erst am Ende seiner Tätigkeit werde sich herausstellen, ob der Konzern alle Grundsätze guter Unternehmensführung erfülle, hatte Thompson Anfang September erklärt.

In den Verhandlungen mit der US-Justiz hatte VW zugegeben, mit Abgasanlagen Behörden und Kunden jahrelang betrogen, Umweltrecht verletzt und die Justiz belogen zu haben. Der strafrechtliche Vergleich allein hatte ein Volumen von vier Milliarden Dollar. Insgesamt kostete die Aufarbeitung der weltweit millionenfachen Abgasmanipulation Volkswagen bisher 30 Milliarden Euro.

Es ist nicht das erste Mal, dass ein vom US-Justizministerium eingesetzter Aufpasser länger bleibt als abgesprochen. Die Schweizer Großbank Credit Suisse kann davon ein Lied singen. Dort blieb der Kontrolleur nach Ablauf seiner Mission einfach weiter im Haus und verursachte mit seinem Team enorme Kosten.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Damit Sie sich auf Ihr Unternehmen konzentrieren können

Ein Unternehmen zu führen, bedeutet, täglich Verantwortung zu übernehmen und Entscheidungen zu treffen. Gleichzeitig soll möglichst...

DWN
Finanzen
Finanzen KI-Immobilienberatung: ChatGPT wählt einen Immobilienkredit – sinnvoll oder nicht?
30.09.2026

Ein Wohnungskauf für rund 803.000 Euro, eine hohe Eigenleistung und der Wunsch nach Kindern: Kann ChatGPT bei der Wahl des passenden...

DWN
Finanzen
Finanzen LPKF-Aktie bricht nach Prognosesenkung ein: Verzögerte Aufträge belasten Ausblick
30.09.2026

Die LPKF-Aktie ist am Mittwoch kräftig unter Druck geraten. Der Laserspezialist hat seine Prognose für 2026 deutlich gesenkt, weil sich...

DWN
Politik
Politik Russland erhöht Militärausgaben um 27 Prozent. Putin: Krieg mit Europa wäre kurz
30.09.2026

Medwedew spricht von Angriffen auf deutsche Fabriken. Russland beschlagnahmt deutsches Vermögen. Russische Fluggeräte sorgen an der...

DWN
Finanzen
Finanzen Bitcoin-Kurs aktuell: Rally verliert an Schwung vor US-Inflationsdaten
30.09.2026

Der Bitcoin-Kurs hält sich am Mittwochmorgen über 83.000 US-Dollar, doch unter der Oberfläche verliert die jüngste Rally an Kraft....

DWN
Unternehmen
Unternehmen 1627 gegründet: Traditionsbrauerei Wolters wird geschlossen
30.09.2026

Das Brauerei-Sterben geht weiter: Die Wolters-Brauerei in Braunschweig schließt die Tore. Für die Produktionsstätte mit 90 Mitarbeitern...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Steigende Kerosin-Kosten: Lufthansa-Chef erwartet noch höhere Ticketpreise
30.09.2026

Nicht nur den Autofahrern machen die gestiegenen Ölpreise an den Tankstellen zu schaffen. Auch die Lufthansa muss mehr Geld für Kerosin...

DWN
Politik
Politik Bildungsnotstand: Protestwelle an Frankreichs Schulen weitet sich aus
30.09.2026

Fehlende Mittel, zu wenig Lehrkräfte, heruntergekommene Gebäude: An mehr als 300 Gymnasien in Frankreich gibt es Proteste gegen schlechte...

DWN
Finanzen
Finanzen Goldpreis aktuell stabil: Starker Dollar begrenzt die Gegenbewegung
30.09.2026

Nach dem heftigen Ausverkauf zu Wochenbeginn sucht Gold einen Boden. Die Erholung vom Dienstag trägt am Mittwochmorgen nur noch begrenzt,...