Finanzen

Investment-Fonds nutzt FBI-Verhörmethoden, um CEOs zu durchleuchten

Ein Milliarden-Fonds stellt sich erfolgreich gegen den Trend: Statt Algorithmen über Investitionen entscheiden zu lassen, setzt er darauf, führende Manager von Unternehmen zu verhören. Mit den vom FBI kopierten Methoden lässt der Fonds die Konkurrenz hinter sich.
24.10.2019 12:22
Aktualisiert: 24.10.2019 12:23
Lesezeit: 3 min
Investment-Fonds nutzt FBI-Verhörmethoden, um CEOs zu durchleuchten
Die vom FBI übernommenen Verhörmethoden haben sich auch in der Finanzwelt als äußerst erfolgreich erwiesen. (Foto: dpa) Foto: Mick Tsikas

Rhett Kessler, leitender Manager des Pengana Australian Equities Fund, der ein Vermögen in Höhe von 1,1 Milliarden australischen Dollar verwaltet (rund 680 Millionen Euro), hat einst an einem Kurs teilgenommen, der von ehemaligen FBI-Mitarbeitern angeboten wurde. Darin lernte er, wie man Personen verhört, die eines Verbrechens verdächtigt werden. Die dabei gelernten Tricks haben ihm in der Investment-Welt einen entscheidenden Vorteil verschafft.

Kessler nutzt die Verhörtechniken der US-amerikanischen Bundespolizei, wenn er führende Manager von Unternehmen befragt, in die er möglicherweise investieren will. Auf diese Weise ertappt er die Manager bei Lügen oder zumindest bei Übertreibungen im Hinblick auf ihre Unternehmen, aber auch bei Ausreden für Fehler, die sie gemacht haben. So kann er beurteilen, ob die CEOs vertrauenswürdig und kompetent sind, und dann eine fundierte Entscheidung darüber treffen, ob er die Aktien dieser Unternehmen halten sollte.

"Wir sind wie das FBI", sagte Kessler in seinem Büro in Sydney zu Bloomberg. "Wir haben ein Dossier über jedes Managementteam." Dieser Ansatz hat dazu beigetragen, dass der Investmentfonds seit seiner Auflegung im Jahr 2008 stabile Renditen erzielt hat, mit einer durchschnittlichen Nettoperformance von mehr als 10 Prozent pro Jahr. Es zeigt sich, dass das menschliche Urteilsvermögen auch in der heutigen Ära computergesteuerter Strategien immer noch von Vorteil sein kann.

Um mehr über die Kompetenz und vor allem auch den Charakter von Unternehmenschefs zu erfahren, stellt Kessler ihnen immer wieder auch Fragen, auf die er die Antworten bereits kennt. Denn die Antworten können ihm Aufschluss darüber geben, ob ein CEO dazu tendiert, die eigenen Erfolge zu übertreiben oder Misserfolge herunterzuspielen. "Für zehn Fragen, die wir stellen werden, kennen wir die Antworten auf drei oder vier von ihnen", sagt der 53-Jährige. "Einige von ihnen werden die Person in einem guten Licht zeigen. Einige von ihnen werden die Person in einem schlechten Licht zeigen. Und wir kennen die Antworten."

Eine weitere FBI-Verhörmethode, die Kessler einsetzt, besteht darin, dass er in seiner Argumentation absichtlich eine wichtige Information auslässt, die für das Verständnis der Situation entscheidend ist, die aber die befragte Führungskraft in einem schlechten Licht dastehen lassen würde. Auf diese Weise prüft der Fondsmanager, ob der Befragte auf die fehlende Information hinweist, auch wenn er dabei eigene Fehler oder andere negative Informationen ansprechen muss.

Laut Kesser kann man bei CEOs davon ausgehen, dass sie die Wahrheit etwas beschönigen. Finanzchefs (Chief Financial Officers, CFOs) hingegen tun dies seltener. Dafür neigen sie aber dazu, große Lügen zu erzählen. "Alle CEOs übertreiben", sagt er. "Erst wenn sie es fünfmal tun, fangen wir an, uns Sorgen zu machen. Die meisten CFOs übertreiben nicht, aber wenn sie lügen, sind sie die Besten."

Kesslers FBI-Verhörmethoden funktionieren immer bei Fragen, für die der Fondsmanager die Antwort schon kennt. Doch wenn er wirklich Informationen einholen will, sind sie weniger verlässlich, sagte er. "Ich wünschte, ich könnte sagen, dass man immer weiß, wann eine Person lügt." Der Fondsmanager schätzt aber, dass sein Team bei Fragen, für die es die Antwort nicht kennt, immerhin eine Erfolgsquote von 90 Prozent hat.

Kessler sagt, dass hinter der Anlagetechnik seines Fonds mehr steckt, als nur der Versuch, Manager beim Lügen zu erwischen. Sein Fonds versuche, das Wesen eines Unternehmens zu verstehen, anstatt nur die Prognosen für Investitionen oder zukünftige Erträge zu prüfen. Seit Juli 2008 hat der Pengana Australian Equities Fund im Schnitt 10,4 Prozent pro Jahr nach Abzug von Gebühren erwirtschaftet, so der jüngste Quartalsbericht des Fonds.

Zu den Top-Aktien des Fonds gehören derzeit Aristocrat Leisure, das Spielautomaten an Casinos und Clubs verkauft, und CSL, ein Hersteller von pharmazeutischen und diagnostischen Produkten aus menschlichem Plasma. Die Aktie von Aristokrat ist seit Jahresbeginn um 45 Prozent gestiegen und die Aktie von CSL um 35 Prozent. Der Fonds selbst liegt im Verlauf der letzten zwölf Monate um 6,7 Prozent im Plus.

Derzeit hält der Fonds wegen der schlechter werdenden Wirtschaftsdaten in Australien und wegen der aktuell hohen Aktienbewertungen etwa 15 Prozent seiner Vermögenswerte in Cash, sagt Kessler, der den Fonds zusammen mit Anton du Preez betreibt. Seiner Ansicht nach hat der Ansturm auf passive Investitionen und quantitative Strategien in den letzten Jahren ein besseres Umfeld für jene aktiven Manager geschaffen, die Aktien noch aufgrund ihres eigenen menschlichen Urteils auswählen.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Gold erlebt ein Comeback: Wie das MTS Money Transfer System Sicherheit und digitale Freiheit verbindet

Steigende Staatsverschuldung, Inflation und geopolitische Spannungen stärken die Bedeutung von Gold als Vermögenswert. Das MTS Money...

 

DWN
Finanzen
Finanzen Bitcoin-Kurs aktuell: Binance-Angriff erschüttert den Kryptomarkt
30.10.2026

Ein schwerer Angriff auf die Kryptobörse Binance belastet die Stimmung bei Bitcoin, Ethereum und Co. Offenbar haben nordkoreanische Hacker...

DWN
Politik
Politik Zivilschutz: Größtes Bevölkerungsschutzzentrum Deutschlands öffnet
30.10.2026

Feldbetten, Decken und Schlafsäcke, mobile Küchen und Sanitärcontainer, aber auch Stromgeneratoren, Anlagen zur Sauerstoffversorgung und...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft SpaceX-Domain in Slowenien: Kann Elon Musk einem Privatmann seine Internetadresse einfach wegnehmen?
30.10.2026

Ein Slowene besitzt seit mehr als fünf Jahren die Internetadresse spacex.si. Doch Elon Musks Raumfahrtunternehmen verfügt über deutlich...

DWN
Politik
Politik Trumps jüngster Schachzug gegen die Windenergiebranche ließ einen Analysten vom Stuhl rutschen
30.10.2026

Die Windindustrie wartet schon lange auf Neuigkeiten zu US-Zöllen auf importierte Windkraftanlagen und -komponenten. Der jüngste Schritt...

DWN
Technologie
Technologie Enthüllt: Diese US-Techkonzerne wollten den Stromverbrauch ihrer Rechenzentren geheim halten
29.10.2026

Google und Microsoft wollten zentrale Angaben zum Stromverbrauch ihrer irischen Rechenzentren unter Verschluss halten. Die Umweltbehörde...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Marktbericht: Wall Street gibt nach – Alphabet, Amazon und Intel belasten Aktienmärkte
29.10.2026

Spannende Wende an der Wall Street: Erfahren Sie, welche überraschenden Faktoren die Kurse der Tech-Riesen ins Wanken bringen.

DWN
Politik
Politik Haushaltskrise der Länder: Kommunale Schulden steigen um fast zehn Prozent
29.10.2026

4.907 Euro je Einwohner: Die Verschuldung der Kommunen ist im vergangenen Jahr weiter gewachsen. Dabei fällt die Belastung regional sehr...

DWN
Politik
Politik „Gen Z regelt“ mobilisiert: Das ist für Samstag geplant
29.10.2026

In knapp 30 Städten sind Proteste angekündigt, organisiert von einer noch jungen Gruppierung. Nach den Ausschreitungen in Frankreich...