Politik

Tschechien probt Schutz der Grenze für die nächste Migrations-Krise

Tschechien hat am Montag mit einer Großübung die Reaktion auf eine neue Flüchtlingswelle geprobt. Unterdessen hält der Zustrom in die EU in der Ostägäis an.
06.11.2019 11:55
Lesezeit: 1 min
Tschechien probt Schutz der Grenze für die nächste Migrations-Krise
Ein tschechischer Polizist mit einem deutschen Kollegen. (Foto: dpa) Foto: Arno Burgi

Mit einer großangelegten Übung hat Tschechien die Wiedereinführung von Grenzkontrollen zur Slowakei geprobt. Damit bereite man sich für den Fall einer „Migrationswelle“ vor, erläuterte Innenminister Jan Hamacek am Montag, wie die dpa berichtet.

Ein souveräner Staat müsse in der Lage sein, seine Grenzen zu schützen, betonte der Sozialdemokrat. Knapp 300 Polizisten, Soldaten, Zollbeamte und Feuerwehrleute waren im Einsatz, um einen 49 Kilometer langen Abschnitt der Grenze probehalber zu überwachen. Polizisten sollten einen illegalen Grenzübertritt vortäuschen. In der Gemeinde Mosty u Jablunkova wurde eine provisorische Registrierungsstelle für Migranten und Flüchtlinge eingerichtet.

Bis zur Teilung zum Jahreswechsel 1993 bildeten Tschechien und die Slowakei die Tschechoslowakei. Seit Ende 2007 sind beide Länder Teil des Schengenraums ohne regelmäßige Grenzkontrollen. Von der Flüchtlingskrise ab 2015 war Tschechien kaum betroffen. Im vorigen Jahr beantragten 1702 Menschen in dem EU-Mitgliedsstaat Schutz vor Verfolgung. Im gleichen Zeitraum wurden nur 47 Asylanträge anerkannt. Weitere 118 Antragsteller erhielten eine vorübergehende Duldung.

Unterdessen hält der Zustrom von Migranten aus der Türkei nach Griechenland unvermindert an. Die griechische Regierung hatte am Dienstag 155 Migranten aufs Festland bringen lassen, um die überfüllten Flüchtlingslager auf den Inseln im Osten der Ägäis zu entlasten. Das berichtete das Staatsfernsehen (ERT). In den vergangenen drei Tagen hatte Athen mehr als 1000 Migranten zum Festland gebracht. Parallel dazu hatten in den vergangenen vier Tagen mehr als 1000 Migranten aus der Türkei zu diesen Inseln übergesetzt. Athen will nach Regierungsangaben bis zum Ende des Jahres mehr als 20 000 Migranten ans Festland holen und sie in allen Landesteilen in Wohnungen und verlassenen Kasernen der Armee unterbringen.

Die Türkei fühlt sich seit Juli nicht mehr an das Abkommen mit der EU gebunden, wie die Deutschen Wirtschaftsnachrichten damals berichtet hatten.

Nach jüngsten Angaben des Bürgerschutzministeriums in Athen leben in und um diese Lager - die Platz für nur 7500 Menschen haben - 35 600 Migranten unter unwürdigen Bedingungen unter Planen und selbstgebauten Hütten. Das ist die höchste Zahl seit Inkrafttreten des EU-Türkei-Flüchtlingspaktes im März 2016. 36 Prozent davon sind nach Angaben des UN-Flüchtlingshilfswerks Minderjährige. Im April war die Zahl der auf den Inseln lebenden Migranten auf 14 000 zurückgegangen.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Digitaler Impuls versus reale Werte

Am Montag hat ein einzelner Social-Media-Beitrag von Donald Trump die Finanzmärkte um 1,7 Billionen US-Dollar bewegt – und zwar nicht...

DWN
Finanzen
Finanzen Goldpreis unter Druck: Warum Anleger jetzt aus Goldaktien aussteigen
27.03.2026

Der Goldpreis galt lange als sicherer Hafen in unsicheren Zeiten. Doch jetzt ziehen erste Anleger Gewinne ab und warnen vor einer...

DWN
Finanzen
Finanzen Riester-Rente: Bundestag beschließt Ende der alten Riester-Rente - Sparer profitieren ab 2027
27.03.2026

Die private Altersvorsorge wird zum Jahreswechsel reformiert. In Zukunft gibt es ein Depot, das Investitionen erlaubt und vom Staat...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Krieg löst Container-Chaos aus: Jetzt müssen Spediteure Kriegsgebühr zahlen
27.03.2026

Je länger der Iran-Krieg andauert, desto größer wird der Druck auf die globalen Lieferketten. Scan Global sieht ein reales Risiko, dass...

DWN
Unternehmensporträt
Unternehmensporträt Start-up Elea: Wie künstliche Intelligenz Ärzte im Krankenhaus-Alltag entlastet
27.03.2026

Drei Stunden täglich verbringen Ärzte im Schnitt mit Bürokratie. Zeit, die für die Versorgung der Patienten fehlt. Die KI-gestützte...

DWN
Politik
Politik Verkehrsministerkonferenz: Bahn, D-Ticket und Führerschein - das sind die Beschlüsse
27.03.2026

Mehr Sicherheit im Bahnverkehr, ein günstigerer Führerschein und neue Preisregeln beim Deutschlandticket: Was wird teurer, was...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Neues Textilgesetz geplant: Hersteller sollen für Altkleider zahlen
27.03.2026

Billigkleidung überschwemmt den Markt. Ein neues Gesetz will Hersteller stärker in die Pflicht nehmen. Doch Umweltschützer sehen darin...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Sinkender Bierkonsum: Ostdeutsche Traditionsbrauerei Mauritius meldet Insolvenz
27.03.2026

Überteuerte Rohstoffpreise und sinkender Bierkonsum bedrohen 165 Jahre Brautradition aus Sachsen: Mauritius Brauerei aus Zwickau hat...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Billige Online-Ware: EU führt neue Bearbeitungsgebühr ein
27.03.2026

Unzählige Pakete kommen von Online-Händlern wie Shein, Temu, AliExpress und Co. in die EU. Die Flut kleiner Päckchen ist teuer - eine...