Unternehmen

Autozulieferer Norma kündigt Werksschließungen an

Die Krise der Automobilindustrie und der ihr vorgelagerten Zulieferer setzt sich fort. Norma erwägt nun öffentlich die Schließung von Fabriken.
06.11.2019 15:00
Aktualisiert: 06.11.2019 15:00
Lesezeit: 2 min
Autozulieferer Norma kündigt Werksschließungen an
Eine Warnlampe. (Foto: dpa) Foto: Arno Burgi

Der Auto- und Industriezulieferer Norma prüft im Rahmen seines neuen Sparprogramms auch die Schließung von Produktionsanlagen. "Das werden wir in den nächsten Wochen ausarbeiten", kündigte Interimschef Michael Schneider im Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters am Mittwoch an. "Wir denken sicher breit darüber nach, wie wir die Standortstruktur verbessern können." Damit könnten auch Produktionsverlagerungen verbunden sein. "Inwiefern damit dann insgesamt Standortschließungen direkt verbunden sind, das wird sich im Detail noch zeigen."

Norma stellt Befestigungsschellen und Hightech-Verbindungselemente etwa für die Autoindustrie her und hat weltweit 29 Produktions- und weitere Vertriebsstandorte. Am Dienstag hatte das im SDax gelistete Unternehmen ein neues Sparprogramm angekündigt und betriebsbedingte Kündigungen nicht ausgeschlossen. "Wir sehen sicherlich 2019 als schwieriges Jahr und ich würde auch 2020 nicht direkt Wachstum sehen", beschreibt Schneider das wirtschaftliche Umfeld. "Wir müssen uns natürlich auch mit den Kapazitäten entsprechend anpassen." In diesem Jahr sei die Zahl der Mitarbeiter zwischen 300 und 400 gesunken, was vor allem über einen geringeren Einsatz von Leiharbeitern erreicht worden sei. Ende September habe Norma 8731 Mitarbeiter beschäftigt.

Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum ging der Überschuss um gut ein Fünftel auf 16,4 Millionen Euro zurück, wie das Unternehmen am Mittwoch im hessischen Maintal bei der Vorlage ausführlicher Zahlen mitteilte. Der Kapitalmarkt reagierte mit wenig Begeisterung. Die Norma-Aktie lag am Vormittag knapp zwei Prozent im Minus und notierte zuletzt bei 35,36 Euro. Seit Beginn des Jahres haben die Papiere fast 20 Prozent an Wert verloren und gehören damit zu den schwächeren Titeln im Nebenwerteindex SDax, in den Norma erst kürzlich abgestiegen war.

Im Rahmen eines vorangegangen Sparprogramms hatte Norma bereits ein Vertriebszentrum in den Niederlanden geschlossen und das Geschäft nach Deutschland verlagert. Dabei sei auch ein kleineres Werk in Russland zu gemacht und die Produktion nach Serbien verlagert worden, sagte Schneider. Einsparungen sollen künftig auch eine Bereinigung des Angebots von mehr als 47.000 Einzelprodukten bringen sowie Verbesserungen beim Einkauf.

Der bereinigte Gewinn pro Aktie, für den der Konzern 2019 einen starken Rückgang voraussagt, soll dadurch schon im kommenden Jahr wieder zulegen, kündigte Finanzvorstand Schneider an, der dem Konzern seit Sommer auch vorsteht. "Wir werden in den nächsten Jahren laufend besser, so dass wir auch 2020 schon eine Verbesserung gegenüber 2019 erwarten." Das setze aber eine gewisse Marktsituation voraus. "Wir gehen jetzt alle nicht davon aus, dass wir nächstes Jahr ein Zusammenbrechen des Marktes haben, vielleicht im Automobilmarkt kein direktes Wachstum, aber auch kein Zusammenbrechen des Marktes."

Mit dem neu aufgelegten Sparprogramm peilt Norma 2023 jährliche Einsparungen von 40 bis 45 Millionen Euro an. Organisch rechnet der Industriezulieferer, der seit längerem mit der akuten Krise der Automobilindustrie kämpft, für dieses Jahr mit einem Umsatzrückgang von zwei bis vier Prozent.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Technologie
Technologie iFLYTEK AINOTE Air 2 bringt KI-gestützte Notizen in ein noch kompakteres E-Ink-Tablet

Für viele Menschen sind die besten Produktivitätstools diejenigen, die nicht versuchen, den gesamten Arbeitstag zu übernehmen. Sie...

 

DWN
Unternehmen
Unternehmen Unternehmen setzen auf KI: Wer braucht schon Horden von Managern?
04.07.2026

Unternehmen bauen weltweit mittlere Führungsebenen ab und setzen stärker auf KI, Daten und flachere Strukturen. Was das konkret für die...

DWN
Panorama
Panorama Sechs tote Mitarbeiter in Stade – Schwiegermutter von SPD-Migrationsbeauftragtem fuhr Fluchtwagen
03.07.2026

In einer Jugendeinrichtung im niedersächsischen Stade sind sechs Mitarbeiter erschossen wurden. Nun werfen sowohl die Recherchen zur...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Varso Tower: Zweite Glasscheibe fällt vom höchsten Gebäude der EU
03.07.2026

Erst fiel Glas auf eine Straße, jetzt beschädigte eine Scheibe ein Auto: Am Varso Tower in Warschau häufen sich Vorfälle an der...

DWN
Finanzen
Finanzen Ethisches Investieren: Der Vatikan predigt Moral und kauft Tech-Aktien
03.07.2026

Der Vatikan will Geld nach moralischen Kriterien anlegen und landet dabei ausgerechnet bei Meta, Nvidia, Apple, Amazon und Alphabet. Was...

DWN
Unternehmensporträt
Unternehmensporträt Vogelhaus mit Kamera: Wie Bird Buddy an Amerikaner vier Mal so teuer verkauft wie an Chinesen
03.07.2026

Wer ein Vogelhaus mit Kamera sucht, um Meise, Spatz und andere heimische Singvögel zu beobachten, kommt an Bird Buddy kaum vorbei. Das...

DWN
Finanzen
Finanzen KI-Blase: Warum Anleger wieder an die nächste Wunderwelt glauben
03.07.2026

Erst kaufen Kleinanleger Chipaktien auf Kredit, dann sammelt SpaceX Milliarden ein, obwohl das Unternehmen weiter Verluste schreibt. Was...

DWN
Finanzen
Finanzen Goldpreis startet gut in den Juli: Erholung oder nur eine Atempause vor neuen Kursverlusten?
03.07.2026

Ist der diesjährige Ausverkauf lediglich eine starke Korrektur nach einem außergewöhnlichen Anstieg oder der Beginn einer längeren...

DWN
Immobilien
Immobilien Explosionsartige Mietsteigerungen: Wie Sie sich gegen den Mietenwahnsinn wehren können
03.07.2026

Die Wohnkosten in Deutschlands Großstädten kennen seit Jahren nur eine Richtung: steil nach oben. Eine aktuelle Auswertung des Deutschen...