Politik

Britischer Generalstabschef: Werden wegen Russland Ressourcen in Deutschland behalten

Dem britischen Generalstabschef Carter zufolge sollte Großbritannien militärische Kapazitäten in Deutschland behalten. Begründet wird dieser Vorstoß mit der Gefahr, die angeblich von Russland ausgehe.
28.11.2019 11:00
Lesezeit: 2 min
Britischer Generalstabschef: Werden wegen Russland Ressourcen in Deutschland behalten
Soldaten der 7. britischen Panzerbrigade stehen am 13.11.2014 in Bergen (Niedersachsen) während der Abschiedsparade vor dem Rathaus der Stadt. (Foto: dpa) Foto: Philipp Schulze

Großbritanniens Generalstabschef Nick Carter meint, dass das “rücksichtslose Verhalten Russlands und die mangelnde Achtung des Völkerrechts” zu einem Weltkrieg führen könnte. Der Frieden sei bedroht durch “neue Arten” von “Waffen” wie etwa Bargeld, Cyber-Angriffe und Propaganda, die als Alternativen zur Erlangung von Vorteilen und zum Säen von Zwietracht dienten, führt er in einem Gastbeitrag für die Zeitung The Telegraph aus.

Carter wörtlich: “Je weiter die persönlichen Kriegserfahrungen entfernt sind, desto wichtiger ist die Erinnerung (...) Die Bedrohungen diversifizieren sich, vermehren sich und verschärfen sich rasch. Das globale Spielfeld ist geprägt von ständiger Konfrontation mit der Rückkehr zu einer früheren Ära des Großmachtwettbewerbs. Ehrgeizige Staaten wie Russland, China und der Iran behaupten sich in einer Weise, die unsere Sicherheit, Stabilität und unseren Wohlstand in Frage stellt.”

Carters Beitrag kommt offenbar als Reaktion auf die Tatsache, dass im Oktober 2019 zehn russische U-Boote, mindestens acht davon mit Atomantrieb, aus dem Hafen von Murmansk in See gestochen sind, bevor einige von ihnen die Passage zwischen Grönland, Island und Großbritannien passierten und an britischen Hoheitsgewässern vorbeifuhren. Die U-Boote fuhren in den Nordatlantik mit dem Ziel, westlich von Grönland und so weit wie möglich in den Nordatlantik zu gelangen. Die Mission, die größte Mission der russischen Nordflotte seit dem Kalten Krieg, soll nach Angaben des norwegischen Geheimdienstes beweisen, dass Moskau in der Lage ist, die Ostküste der USA anzugreifen.

Nick Carter sagte im Januar 2018 im Rahmen einer Rede am Royal United Service Institute, Großbritannien werde Soldaten, Panzer, Munition und Treibstoff-Vorräte in Deutschland behalten, um im Falle einer russischen Aggression in Europa schneller reagieren zu können. “Wir prüfen aktiv den Erhalt der Infrastruktur in Deutschland”, sagte er und warnte vor der wachsenden militärischen Stärke Russlands. Russland habe “enorme” Fähigkeiten erworben, die eine “klare und gegenwärtige Gefahr” darstellen, zitiert ihn der EU Observer.

Das britische Militär erwägt nach Aussagen von Carter auch, zusätzliche Ressourcen für einen Stützpunkt in der Nähe von Mönchengladbach im Rheinland bereitzustellen, der im Fall eines russischen Angriffs die östliche Flanke Europas verstärken könnte, berichtet die Financial Times. Die Ayrshires Barracks in Rheindahlen sollten eigentlich zu einem Flotten- und Verkehrsknotenpunkt reduziert werden, nachdem die dortigen britischen Panzer im nächsten Jahr abgezogen werden.

Die NATO müsse aber aufgrund der Krim-Krise ihre “Geschwindigkeit bei der Entscheidungsfindung, der Einsatzgeschwindigkeit und bei den modernen Fähigkeiten" erhöhen. Das sei unerlässlich. “Unsere Fähigkeit, Bedrohungen zuvorzukommen oder darauf zu reagieren, wird ausgehöhlt, wenn wir nicht mit unseren Gegnern Schritt halten”, so der Generalstabschef.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Technologie
Technologie Warum lokale Medien ihre Technik aufrüsten und gleichzeitig Kosten senken

Wenn du heute eine Redaktion in einer Kleinstadt betrittst, fällt dir vielleicht eine überraschende Ruhe auf. Die übliche hektische...

DWN
Finanzen
Finanzen DAX-Kurs vor Nvidia-Zahlen: Anleger zwischen Hoffnung und Nervosität
20.05.2026

Zwischen KI-Euphorie, Rüstungsboom und kritischen Analystenurteilen bleibt die Stimmung an den Märkten angespannt. Anleger blicken...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Geopolitik in der Unternehmensstrategie: Wie Firmen ihre Resilienz stärken
20.05.2026

Die geopolitische Lage rückt Lieferketten, Rohstoffe und Märkte stärker ins Zentrum unternehmerischer Entscheidungen. Wie können Firmen...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Eurozone: Inflation schnellt wegen Iran-Kriegs auf 3,0 Prozent hoch
20.05.2026

Steigende Ölpreise infolge des Iran-Krieges sorgen in der Eurozone für neuen Inflationsdruck. Verbraucher müssen erneut tiefer in die...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Deutsche Banken bekommen Konkurrenz: JPMorgan Chase startet Angriff auf deutsche Sparer
20.05.2026

Deutschlands Bankenbranche bekommt prominente Konkurrenz aus den USA. JPMorgan Chase Deutschland startet im lukrativen...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Neue Risiken für die Wirtschaft? Erzeugerpreise in Deutschland steigen so stark wie seit 2023 nicht
20.05.2026

Die deutschen Erzeugerpreise steigen überraschend stark – so kräftig wie seit fast zwei Jahren nicht mehr. Vor allem geopolitische...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Abwicklung: Nach Hammer-Insolvenz wächst die Angst vor weiteren Pleiten
20.05.2026

Nach mehreren Insolvenzen und zahlreichen Filialschließungen steht die Hammer-Abwicklung offenbar endgültig bevor. Die traditionsreiche...

DWN
Politik
Politik Ölreserven vor dem Kipppunkt: IEA schlägt Alarm wegen neuer Ölpreisschocks
20.05.2026

Die weltweiten Ölreserven schrumpfen in einem Tempo, das selbst erfahrene Energiemanager alarmiert. Die IEA warnt vor knappen Beständen,...

DWN
Politik
Politik Drohnenalarm in Litauen: Staatsspitze in Sicherheit gebracht – Nato in Alarmbereitschaft
20.05.2026

Plötzlicher Luftalarm in der litauischen Hauptstadt sorgt für Unruhe: Behörden reagieren mit drastischen Maßnahmen, sogar die...