Weltwirtschaft

Einbrüche auf Chinas E-Auto-Markt lasten auf dem Lithiumpreis

Lesezeit: 2 min
26.11.2019 15:00
Chinas Regierung hat die Subventionen für E-Autos erheblich zurückgefahren - eine Entwicklung, welche die Blase im weltweiten E-Auto-Markt zum Platzen bringen könnte. Der Lithiumpreis setzt seinen Absturz fort.
Einbrüche auf Chinas E-Auto-Markt lasten auf dem Lithiumpreis
Besucher der Automesse "Auto Shanghai" im April betrachten einen Nio eT des E-Auto-Start-Ups Nio. (Foto: dpa)
Foto: Fang Zhe

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  

Aktuelle Daten der China Association of Automobile Manufacturers (CAAM) deuten darauf hin, dass Chinas Markt für Fahrzeuge, die mit elektrischer Energie betrieben werden, in diesem Jahr schrumpfen wird. Dem Branchenverband zufolge sind die Verkäufe von Elektro-, Hybrid- und Brennstoffzellenautos im Oktober verglichen mit dem Oktober 2018 um mehr als 45 Prozent eingebrochen. Es war der vierte Monat in Folge, in dem der Sektor einen Rückgang verzeichnete.

"Basierend auf dem aktuellen Entwicklungstrend könnten wir in diesem Jahr ein negatives Wachstum für neue Elektrofahrzeuge sehen", zitiert CNN den stellvertretenden Verbandschef Chen Shihua, der drei Gründe für die Probleme in der Branche festmacht.

  • Die unzureichende Nachfrage auf dem chinesischen Markt
  • Druck auf die Automobilhersteller, ihre Technologie auf den nationalen Standard zu bringen
  • Erhebliche Subventionskürzungen bei Fahrzeugen mit neuen Energien

China will, dass Fahrzeuge, die elektrisch betrieben werden, bis zum Jahr 2025 ein Fünftel aller verkauften Neuwagen ausmachen. Die Regierung hat sich zum Ziel gesetzt, bis zum Jahr 2025 einen Jahresumsatz von 7 Millionen für diese Fahrzeuge zu erreichen. Zu diesem Zweck hat sie eine Reihe von Subventionen und steuerlichen Anreizen für die Produktion und den Kauf von Elektroautos eingeführt, was dem Wachstum der Branche geholfen hat.

Doch in den letzten Monaten mussten die Behörden dieses Ziel mit einem anderen Ziel in Einklang bringen: der Bereinigung des überfüllten Marktes von Automobilherstellern und Kapazitäten. Im März wurden in China 486 Hersteller von Elektro-Fahrzeugen registriert, so die National Monitoring Platform for New Energy Vehicles. Einige von ihnen hatten in den vergangenen Jahren Milliarden von Dollar an Schulden aufgenommen.

Die Sorge, dass sich in dem Sektor eine Blase bilden könnte, hat die chinesische Regierung dazu veranlasst, die Anreize zur Produktion und zum Kauf dramatisch zu reduzieren. Im März reduzierte sie die Subventionen für Elektro-Fahrzeuge und sagte, sie wolle damit "das Überleben der Stärksten fördern", wie Chinas staatliche Nachrichtenagentur Xinhua berichtete.

Die Subventionskürzungen haben zu dem Umsatzeinbruch auf dem größten Automobilmarkt der Welt beigetragen. Im Oktober sanken die Gesamtverkäufe von Autos laut CAAM um 4 Prozent gegenüber dem gleichen Zeitpunkt des Vorjahres. Mehrere große Hersteller von Fahrzeugen, die mit neuen Energien betrieben werden, führen dies auf den Rückgang der Subventionen zurück.

BYD, einer der führenden Hersteller von Elektrofahrzeugen in China, meldete im vergangenen Monat einen Gewinnrückgang um 89 Prozent für das dritte Quartal. Das Unternehmen sagte, dass die Verkäufe unter anderem aufgrund des "erheblichen Abbaus" der Subventionen nicht den Erwartungen entsprochen hätten.

Auch der Autobauer Nio - der Vorreiter des Landes bei der Elektromobilität - steht nach mehreren schweren Verlustquartalen vor der Insolvenz.

Die schwachen Verkäufe von E-Autos machen sich auch bei den Herstellern von Autobatterien bemerkbar, wie Bloomberg berichtet. Daten von SNE Research zeigen, dass die Nachfrage nach Batterien im September nachgelassen hat, weil die Nachfrage nach Elektroautos zurückging.

Der Umsatz des Marktführers Contemporary Amperex Technology (CATL) fiel um 10 Prozent, während BYDs Einbruch 71 Prozent betrug, was dazu führte, dass das Unternehmen die Nummer 3 in der Rangliste der Batteriehersteller an Südkoreas LG Chem verloren hat. CATL kontrollierte in den ersten neun Monaten 26,6 Prozent des Weltmarktes, gefolgt von Panasonic mit 24,6 Prozent.

In der Folge der Rückgänge bei den Verkäufen von E-Autos hat der Lithiumpreis seinen Absturz, welcher bereits Mitte letzten Jahres begann, auch in den vergangenen Monaten weiter fortgesetzt. Zwischen Mitte 2015 und Mitte 2018 hatte sich der Lithiumpreis in chinesischen Yuan fast verdreifacht. Doch seitdem ist der Preis in der chinesischen Landeswährung wieder um knapp 40 Prozent eingebrochen.

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..


Mehr zum Thema:  

DWN
Politik
Politik Chinas Sozialkreditsystem: Orwellsches Schreckgespenst oder reiner Mythos?

Das chinesische System der sogenannten "Sozialkredite" taucht regelmäßig in den Medien auf. Fast immer jedoch ist die Darstellung...

DWN
Politik
Politik Gegen Biden: Türkei, Russland und China wollen gemeinsam Luftabwehrsystem produzieren

Ein einflussreicher türkischer Außenpolitiker hat verkündet, dass die Türkei, Russland und China ihre Kooperation bei der Verteidigung...

DWN
Politik
Politik „Putin festnageln“: Wie Victoria Nuland Russlands Präsident stürzen will

Die US-Diplomatin Victoria Nuland, die unter Joe Biden eine wichtige Rolle spielen könnte, hat vor wenigen Monaten in einer Analyse...

DWN
Politik
Politik Norwegen: Anzahl der Toten nach Corona-Impfung steigt von 23 auf 29

Bloomberg berichtet, dass in Norwegen die Anzahl der Toten nach Corona-Impfungen von 23 auf 29 Personen gestiegen ist. Alle gemeldeten...

DWN
Finanzen
Finanzen Bundesbank: Privathaushalte sparen in der Corona-Krise vor allem Bargeld

Ausgerechnet in der Pandemie sind die Menschen in Deutschland in Summe so reich wie nie. Privathaushalte sparen wie die Weltmeister Bargeld...

DWN
Finanzen
Finanzen Bitcoin: Lohnt sich der Einstieg noch oder ist es zu spät?

Wer in Bitcoin investieren will, braucht aufgrund der extremen Kurssprünge starke Nerven. Wer dafür bereit ist, erfährt hier, wie in...

DWN
Deutschland
Deutschland Reale Gefahr: Wenn ein Cyber-Angriff auf unser Stromnetz stattfindet, bricht die Nahrungsmittelversorgung zusammen

Die Gefahr von Cyber-Angriffen auf das deutsche Stromnetz ist real. Sollte tatsächlich ein Cyber-Angriff stattfinden, würde die gesamte...

DWN
Finanzen
Finanzen Drei Billionen in neun Monaten: Wie hoch kann die Fed-Bilanz noch steigen, bevor das System crasht?

DWN-Gastautor Andreas Kubin analysiert die besorgniserregenden Ereignisse rund um die Federal Reserve. Ausgehend von einem Ereignis, das...

DWN
Deutschland
Deutschland „Zwangsanweisung und höhere Bußgelder“: Härteres Vorgehen gegen Quarantäne-Verweigerer geplant

Mehrere Bundesländer wollen in der Corona-Pandemie härter gegen Quarantäne-Verweigerer vorgehen. Neben hohen Bußgeldern kommt es...

DWN
Politik
Politik Nach Todesfällen in Norwegen: China fordert Streichung des Impfstoffs von Pfizer und BioNTec

China fordert, dass der Corona-Impfstoff von BioNTec/Pfizer weltweit gestrichen wird. Zuvor waren 23 Personen in Norwegen nach einer...

DWN
Finanzen
Finanzen Weil es sich lohnt: Corona-Krise treibt Nachfrage nach Goldbarren

Die Corona-Krise hat dazu geführt, dass die unabhängig vom Goldpreis in physisches Gold in Form von Goldbarren investieren. Doch auch...

DWN
Politik
Politik Deutschlands EU-Ratspräsidentschaft ist zu Ende: Wie Angela Merkel viele Brände löschte - und einige Feuer neu entfachte

DWN-Kolumnist Ronald Barazon liefert einen - humorigen, aber höchst kompetenten - Rückblick blickt auf die sechsmonatige deutsche...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Der Corona-Lockdown wird bis zum Juni 2021 andauern

Die Bevölkerung und das deutsche Unternehmertum sollten sich nichts vormachen lassen. Der Lockdown wird in verschiedenen Intensitäten bis...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Amazon: "Wir machen der Deutschen Post bestimmt keine Konkurrenz"

Ein Akteur, der stark von der Pandemie profitiert, ist Amazon. Wie der Konzern mit den Großpaketdiensten zusammenarbeitet, welche...