Politik

Neuer Fonds außerhalb von EU-Recht: Brüssel will mehr Partner in Afrika mit Waffen ausrüsten

Die EU will im Rahmen eines neuen Programms "Partnerländer" in Afrika mit Waffen ausrüsten. Dadurch soll Stabilität geschaffen und die Migration eingedämmt werden.
27.11.2019 16:19
Aktualisiert: 27.11.2019 16:19
Lesezeit: 1 min
Neuer Fonds außerhalb von EU-Recht: Brüssel will mehr Partner in Afrika mit Waffen ausrüsten
Die neue EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen. (Foto: dpa) Foto: Thierry Roge

Am 27. November 2019 werden die europäischen Botschafter Pläne zur Einrichtung einer Europäischen Friedensfazilität (EPF) erörtern, aus der bis zu 10,5 Milliarden Euro für militärische Operationen und Sicherheitsmaßnahmen der EU bereitgestellt werden sollen. Der erste Schritt zur Gründung der EPF wurde bereits im vergangenen Jahr vorgenommen. Im Rahmen der Fazilität könnte Europa zum ersten Mal “Partnerländer” und regionale Militäreinsätze mit tödlichen Waffen und Munition aus EU-Mitteln beliefern.

Die Staats- und Regierungschefs der EU wollen nach Angaben des EU Observers die Migration und Instabilität in der unmittelbaren Nachbarschaft eindämmen. Europa wendet sich mittlerweile militarisierten Ansätzen zu. Die EU-Mitgliedstaaten argumentieren, dass “harte Sicherheitstools eine bessere Kontrolle über die Konfliktdynamik bieten. “Die Staats- und Regierungschefs Europas riskieren heute, die Prioritäten zu vergessen, die in der Zeit des Kalten Krieges gut verstanden wurden: die Gefahr der Verbreitung des Autoritarismus und die Bedeutung der Ausweitung der Demokratie und der Menschenrechte”, kommentiert der EU Observer. Es bleibt unklar, in welchem Zusammenhang der plötzliche militaristische Ansatz mit dem Zwei-Prozent-Ziel der Nato zusammenhängt.

Die Linke im EU-Parlament kritisiert die EPF scharf. In einer Mitteilung argumentiert sie: “Diese Fazilität ist Teil eines umfassenderen Programms, das derzeit die gesamte EU in eine Militärunion umbaut und gleichzeitig den großen europäischen und allen voran auch deutschen Rüstungskonzernen Milliarden in die Kassen spülen soll und wird. Das wäre laut EU-Vertrag zudem auch noch illegal, denn Artikel 41(2) des EU-Vertrags verbietet es eigentlich, militärische Maßnahmen aus dem EU-Haushalt zu finanzieren. Um dieses Verbot zu umgehen wird das Budget zur Militärfinanzierung außerhalb des EU-Haushalts angelegt. Hier zahlen alle Mitgliedstaaten ein, aber diese Gelder können und dürfen vom EU-Parlament nicht kontrolliert werden und fallen auch nicht unter das EU-Recht.”

Die EU unterstützt die G5-Staaten in der Sahelregion beim Aufbau einer gemeinsamen Militärtruppe für den Kampf gegen Terrorismus und organisierter Kriminalität. EU-Staaten wie Deutschland und Frankreich erhoffen sich davon unter anderem mehr Sicherheit für Europa und einen Rückgang der illegalen Migration. Im Idealfall soll die Truppe es zudem irgendwann ermöglichen, die laufenden internationalen Militäreinsätze in der Region zu beenden. Deutschland beteiligt sich derzeit zum Beispiel mit rund 850 Soldaten an der UN-Friedensmission zur Stabilisierung Malis.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
X
DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft BayWa-Aktie im Fokus: Insolvenz vorerst abgewendet – so geht die BayWa-Sanierung weiter
23.07.2026

Der Nervenkrieg in der Münchner Zentrale ist vorerst beendet: Ende Juni haben sich Banken und Großaktionäre der BayWa grundsätzlich auf...

DWN
Technologie
Technologie Deutschland erlaubt Atom-Deal mit Russland
23.07.2026

Trotz scharfer Kritik genehmigt: In Niedersachsen sollen künftig Brennelemente für Atomkraftwerke russischer Bauart gefertigt werden....

DWN
Finanzen
Finanzen US-Aktienmarkt: Citigroup erklärt die Glorreichen Sieben für tot
23.07.2026

Sie galten jahrelang als unangefochtene Herrscher der Wall Street. Doch nun erklärt Citigroup das Konzept der Glorreichen Sieben für...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Börsenbericht: Ölpreis erreicht 95 Dollar und Anleger rüsten sich für Tech-Quartalszahlen
22.07.2026

Spannung an den Finanzmärkten: Erfahren Sie, welche Entwicklungen die Wall Street derzeit in Atem halten und worauf sich Anleger jetzt...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Preisoffensive im Handel: Wie Sie jetzt bei Haushaltswaren und Hörbüchern kräftig sparen können
22.07.2026

Sommerzeit ist Angebotszeit: Während Verbraucher ihre Ausgaben genauer planen, überbieten sich Händler mit attraktiven Preisaktionen....

DWN
Politik
Politik NATO-Verteidigungsausgaben: Wer für das neue Fünf-Prozent-Ziel zahlt
22.07.2026

Die NATO rüstet auf wie seit Jahrzehnten nicht mehr, doch zwischen den Mitgliedstaaten liegen Welten. Während Polen und die baltischen...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Lufthansa baut München zum Mega-Drehkreuz aus
22.07.2026

Die Lufthansa plant Größeres in München: Die Nummer zwei der deutschen Flughäfen soll mit einem milliardenteuren Ausbau international...

DWN
Technologie
Technologie Fabrik der Zukunft: Die vollautomatische Produktion ist ein Irrweg
22.07.2026

Die vollständig menschenleere Fabrik galt lange als Ideal der Industrie. Doch ausgerechnet leistungsfähigere KI-Systeme machen...