Politik

Gazprom muss Milliardenstrafe an Ukraine zahlen, Putin droht Europa

Der russische Energie-Riese Gazprom muss einem Schiedsurteil in Schweden zufolge der Ukraine eine Entschädigung 2,6 Milliarden US-Dollar zahlen. Putin droht mit dem Stopp des Gastransits nach Europa.
28.11.2019 14:00
Aktualisiert: 28.11.2019 14:04
Lesezeit: 2 min
Gazprom muss Milliardenstrafe an Ukraine zahlen, Putin droht Europa
Eine Anlage von Naftogaz in der Ukraine. (Foto: dpa) Foto: Roman Pilipey

Im Zusammenhang mit dem Gasstreit zwischen dem ukrainischen energiekonzern Naftogaz und Gazprom hat das Berufungsgericht im schwedischen Bezirk Svea in der laufenden Woche zugunsten von Naftogaz geurteilt.

Rückblick: Ende Februar entschied das Stockholmer Schiedsgericht zugunsten von Naftogaz im Zahlungsstreit mit Gazprom. Das Schiedsgericht verurteilte Gazprom zu einer Zahlung von 2,6 Milliarden US-Dollar, weil es der Ukraine über mehrere Jahre nicht die vereinbarte Menge an Erdgas geliefert hatte. Am 29. Mai 2018 gab Gazprom in einer Mitteilung bekannt, dass gegen das Urteil des schwedischen Schiedsgerichts Berufung eingelegt wurde. Am 30. Mai 2018 meldete Naftogaz, dass es die Vollstreckung der Gerichtsentscheidung in Höhe von 2,6 Milliarden US-Dollar in der Schweiz eingeleitet habe und dass die Schweizer Behörden Maßnahmen zur Beschlagnahme von Gazprom-Vermögenswerten in der Schweiz ergriffen hätten.

Die beiden Urteile waren Teil einer Reihe von laufenden Rechtsstreitigkeiten zwischen Naftogaz und Gazprom. Der Großteil der Rechtsstreitigkeiten stammte aus einem umstrittenen Zehn-Jahres-Gasvertrag, der im Januar 2009 von der damaligen ukrainischen Ministerpräsidentin Julia Timoschenko in Moskau unterzeichnet wurde und die Ukraine dazu zwang, für festgelegte Gasmengen aus Russland zu zahlen, unabhängig davon, wie viel Gas in der Realität verbraucht wurde.

Angesichts der gescheiterten Berufung von Gazprom vor dem Gericht im schwedischen Svea sagte der Direktor von Naftogaz, Juri Witrenko, nach Angaben der Nachrichtenagentur Ukrinform: “Das ist ein vollständiger Sieg! Die Ukraine gewinnt erneut. Wir haben die erste Berufung gewonnen, die Gazprom gegen die Entscheidung des Stockholmer Schiedsgerichts eingelegt hat.”

Damit fällt die sogenannte “Take-or-Pay”-Klausel, aus der die Ukraine nicht so leicht aussteigen konnte, weg. Das Verbot zum Re-Export von Gas wurde ebenfalls aufgehoben. Im Rahmen eines “Take-or-Pay”-Gasliefervertrags musste die Ukraine eine unbedingte Verpflichtung zur Zahlung übernehmen, unabhängig davon, ob Gazprom seine Leistung als Gaslieferant erbringt oder nicht.

Der russische Präsident Wladimir Putin hatte am 15. November 2019 beim Gipfel der Brics-Gruppe (Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika) in Brasilia vor einem Ende des Gastransits durch die Ukraine nach Europa gewarnt. “Es hängt nicht alles von uns ab. Deshalb gibt es das Risiko eines Endes des Transits”, so Putin. Der Vertrag über den Transit von russischem Gas durch die Ukraine nach Deutschland und in andere EU-Staaten läuft Ende des Jahres aus, so die dpa.

Der Kremlchef betonte einmal mehr, dass Russland bereit sei, mit der Ukraine einen neuen Transitvertrag abzuschließen. Zudem bot er an, die Ukraine selbst wieder direkt mit russischem Gas zu einem günstigen Preis zu versorgen. Auf russischer Seite sorgt seit langem für Unmut, dass der ukrainische Gaskonzern Naftogaz den Vertragspartner Gazprom vor internationalen Gerichten mit Milliardenklagen überzieht. Putin bezeichnete die Klagen als “Blödsinn”.

In der Ukraine würden durch den Wegfall der Gebühren für die Durchleitung russischen Gases in die EU Milliardeneinnahmen wegbrechen. Vor allem auch Deutschland hatte stets darauf bestanden, dass der Transit ungeachtet alternativer Wege erhalten bleibt - als wichtige Einnahmequelle für die verarmte Ukraine.

Russland baut allerdings längst neue Lieferwege. Besonders umstritten ist dabei die Pipeline Nord Stream 2. Russland will die Leitung bis Jahresende in Betrieb nehmen und wäre damit wieder ein Stück unabhängiger von dem bisher wichtigsten Transitland Ukraine.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Gold als strategischer Anker: Warum physische Substanz zählt

Wo sich die wirtschaftlichen Gewichte grundlegend verschieben, suchen Unternehmen sowie Privatanlegerinnen und Privatanleger nach...

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Politik
Politik Midterms in den USA: Warum eine Niederlage bei den Zwischenwahlen Trump entfesseln könnte
02.11.2026

Eine Niederlage der Republikaner bei den US-Zwischenwahlen könnte Donald Trump noch aggressiver machen. Der amerikanische Analyst Richard...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Ryanair streicht 62 Flugstrecken: Diese Ziele entfallen
02.11.2026

Ryanair nimmt 62 Verbindungen aus dem Buchungssystem, darunter elf Strecken von und zu sechs polnischen Flughäfen. Besonders betroffen...

DWN
Finanzen
Finanzen Bitcoin-Kurs aktuell: ETF-Abflüsse bremsen die Erholung
02.11.2026

Der Bitcoin-Kurs zeigt sich zum Start in die neue Börsenwoche etwa leichter. Nach einem schwachen Ausklang der vergangenen Handelswoche...

DWN
Finanzen
Finanzen Dieselpreis im November: Oktober deutlich billiger – doch Diesel bleibt teurer als E10
02.11.2026

Der Dieselpreis hat sich im Oktober nach den Rekordwerten des Septembers zwar spürbar entspannt. Laut der am 2. November veröffentlichten...

DWN
Finanzen
Finanzen Technologieaktien versprechen gigantische Renditen und globale Marktmacht – sind aber „nur für Einsteiger geeignet“
02.11.2026

15.288 Prozent Rendite seit dem Börsengang, steigende Gewinne und 64 Kaufempfehlungen von Analysten: Die Alphabet-Aktie gehört zu den...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft GTA 6 legt Amerikas Wirtschaft lahm: Wer vom Milliarden-Geschäft profitiert
02.11.2026

Millionen Fans warten auf GTA 6. Doch der Verkaufsstart könnte für die amerikanische Wirtschaft teuer werden: 1,5 Millionen Beschäftigte...

DWN
Finanzen
Finanzen Micron-Aktie: Eine Warnung aus Korea für meine KI-Investition
02.11.2026

Die Gewinne sind auf Rekordniveau, und für die Chips der kommenden Jahre gibt es größtenteils bereits Käufer. Trotzdem macht mir als...

DWN
Politik
Politik Kampf um die Arktis: Die EU will ein Stück vom Kuchen
02.11.2026

Russland mit Eisbrechern, die USA mit Militär, China mit Handelsschiffen. Und die EU mit einer Strategie, allerdings ohne klare...