Politik

Deutsche bunkern Bargeld: Tresor-Hersteller erleben Hochkonjunktur

Die Deutschen bunkern ihr Bargeld vermehrt in Tresoren und Safes. Ein führender Tresorhersteller nennt die Angst der Bürger vor der Zinspolitik der EZB.
07.12.2019 10:06
Aktualisiert: 07.12.2019 10:06
Lesezeit: 1 min
Deutsche bunkern Bargeld: Tresor-Hersteller erleben Hochkonjunktur
Ein Zimmer-Safe in einem Raum. (Foto: dpa) Foto: Martin Gerten

Eine Sprecherin der Firma Hartmann Tresore bestätigte gegenüber den Deutschen Wirtschaftsnachrichten, dass der Verkauf von Tresoren in den Jahren 2018 und 2019 angestiegen ist. “Kunden berichten zum Teil, dass sie vermehrt Bargeld im Tresor aufbewahren wollen. Grund: Niedrigzinsen bzw. Strafzinsen. Tresore werden auch in den ländlichen Regionen vermehrt gekauft, da Bankfilialen schließen und keine Schließfächer mehr zur Verfügung stehen bzw. man dafür in die nächst größere Stadt fahren müsste”, so die Sprecherin.

Eine weitere Motivation für den Kauf von Tresoren durch die Bürger gehe auf die “gefühlte” Sicherheit zurück. “Obwohl statistisch gesehen die Einbruchszahlen sinken, hat sich die „gefühlte“ Sicherheit der Bürger nicht verbessert. Zu wissen, dass bei einem Nachbarn, im selben Wohngebiet oder bei Freunden eingebrochen wurde, motiviert auch häufig zu einem Tresorkauf. Eigenheimbesitzer sorgen häufig im ersten Schritt dafür, das Türen, Fenster, Kellerroste gut gesichert sind. Im zweiten Schritt ist es sinnvoll, seine Wertsachen in einem Tresor aufzubewahren, da Einbrecher häufig nicht die Zeit haben, solch einen massiven Schrank aufzubrechen”, meint die Sprecherin.

Welche Wichtigkeit das Bargeld für die Deutschen haben, führt die Bundesbank in einer Mitteilung aus: “Das Bargeld genießt innerhalb der Bevölkerung ein sehr hohes Vertrauen. Dies zeigte sich vor allem während der Finanzkrise 2008. In diesem Zeitraum nahmen die Auszahlungen von Banknoten außergewöhnlich stark zu – nicht nur in den sogenannten Krisenländern, sondern auch in Deutschland. Dies zeigt: Bargeld spielt nicht nur im Alltags- und Wirtschaftsleben eine bedeutende Rolle, sondern wird auch abseits dessen als stabiles Wertaufbewahrungsmittel geschätzt.”

Allerdings steht die neue EZB-Präsidentin Christine Lagarde dem Bargeld kritisch gegenüber. Stattdessen unterstützt sie den Einsatz von digitalen Währungen, die ihrer Meinung nach auch von Notenbanken in Umlauf gebracht werden sollten.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Politik
Politik Nach Angriff auf Diego Garcia: Könnten iranische Raketen inzwischen Europa erreichen?
29.03.2026

Der mutmaßliche Angriff iranischer Raketen auf Diego Garcia wirft neue Fragen zur militärischen Reichweite Teherans auf. Während...

DWN
Finanzen
Finanzen Novo Nordisk-Aktie: Warum die Führung zurücktrat und welche Rolle die Stiftung spielte
29.03.2026

Ein Machtkampf in der Führungsebene von Novo Nordisk hat das Unternehmen und die Novo Nordisk-Aktie in eine tiefe Governance-Krise...

DWN
Panorama
Panorama Spanien im Wandel: Vom Klischee zum Vorreiter beim Frauenschutz
29.03.2026

Spanien steht oft im Ruf eines klassischen Macho-Landes. Doch aktuelle Zahlen und konsequente Maßnahmen zeichnen ein anderes Bild....

DWN
Immobilien
Immobilien Mieter verstorben: Was passiert mit dem Mietvertrag nach einem Todesfall?
29.03.2026

Der Tod eines Mieters wirft für Hinterbliebene oft viele Fragen auf: Darf man in der Wohnung bleiben, wenn der Vertrag nur auf den...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Europas Wettbewerbsfähigkeit: Hinter verschlossenen Türen wächst die Angst
29.03.2026

Europa galt lange als stabiler Wirtschaftsraum mit klaren Regeln und berechenbaren Märkten. Doch hinter den Kulissen wächst die Sorge,...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Iran-Krieg verschiebt Kräfteverhältnisse am Himmel: Europäische Airlines profitieren – wie lange noch?
29.03.2026

Stillgelegte Flughäfen, steigende Ticketpreise und neue Flugrouten: Der Iran-Krieg verändert die Dynamik im globalen Luftverkehr...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Biotech-Strategie: Warum Gubra bewusst auf spätere Deals setzt
29.03.2026

Ein Biotech-Unternehmen stellt seine Strategie radikal um und geht bewusst höhere Risiken ein. Gubra will Wirkstoffe länger selbst...

DWN
Politik
Politik Ehegattensplitting vorm Aus? Die Institution Ehe soll tiefgreifend verändert werden
28.03.2026

Beim Ehegattensplitting wird das Einkommen beider Ehe- oder Lebenspartner gemeinsam versteuert, was sich lohnt, wenn einer deutlich weniger...