Deutsche Bank: Staatliche Kryptowährungen könnten Bargeld bis zum Jahr 2030 ersetzen

 

Mehr zum Thema.

Benachrichtigung über neue Artikel:  
 
Lesezeit: 3 min
06.12.2019 12:59
Einem Bericht der Deutschen Bank zufolge könnten von Staaten herausgegebene Kryptowährungen das Fiat-Geld bis zum Jahr 2030 ersetzen.
Deutsche Bank: Staatliche Kryptowährungen könnten Bargeld bis zum Jahr 2030 ersetzen
Ein Quellcode unter der Lupe. (Foto: dpa)
Foto: Sebastian Kahnert

Benachrichtigung über neue Artikel:  

Ein aktueller Bericht der Deutschen Bank mit dem Titel "Imagine 2030" befasst sich ausführlich mit dem Thema der Kryptowährungen, die den Autoren des Berichts zufolge in den kommenden Jahren stark an Bedeutung gewinnen könnten. Schon im ersten Kapitel, das mit der Frage "Das Ende des Fiat-Geldes?" überschrieben ist, schreibt der DB-Analyst Jim Reid:

"Die Kräfte, die das gegenwärtige Fiat-System zusammengehalten haben, sehen jetzt zerbrechlich aus und könnten sich in den 2020er Jahren auflösen. Ist das der Fall, wird das zu einer Gegenbewegung zum Fiat-Geld führen und die Nachfrage nach alternativen Währungen wie Gold oder Krypto könnte steigen."

Der Bericht der Deutschen Bank enthält auch das Kapitel "Kryptowährungen: Das Bargeld des 21. Jahrhunderts". Darin heißt es, dass Kryptowährungen bisher "immer Ergänzungen und kein Ersatz zum globalen Geldbestand" waren. Kryptowährungen hätten es "trotz ihrer bekannten Vorteile wie Sicherheit, Geschwindigkeit, minimale Transaktionsgebühren, einfache Speicherung und Relevanz im digitalen Zeitalter nicht geschafft, sich als Zahlungsmittel durchzusetzen". Bemerkenswert ist, dass die Deutsche Bank den Faktor "Sicherheit" ihren Lesern als Vorteil der Kryptowährungen verkaufen will, wobei doch klar ist, dass alles Digitale auch gehackt, manipuliert und fremdgesteuert werden kann.

Weiter heißt es in dem Bericht:

"Mit Blick in die Zukunft kann sich das ändern. Was ist, wenn beispielsweise eins der GAFA [ein Kürzel für Google, Apple, Facebook, Amazon, Anm. d. Red.] oder einer ihrer chinesischen Gegenspieler BATX [Baidu, Alibaba, Tencent and Xiaomi, Anm. d. Red.] in der Lage ist, die regulatorischen Hürden zu überwinden - das derzeitige Haupthindernis? Auf lange Sicht würde dies die Attraktivität von Kryptowährungen erhöhen, ihre Einführung beschleunigen und ihnen das Potenzial geben, schließlich Bargeld zu ersetzen."

Entscheidend ist dem Bericht zufolge, was in den beiden bevölkerungsreichsten Ländern der Welt passiert. Noch verbieten China und Indien den Kauf und den Verkauf von Kryptowährungen. "Aber die Dinge entwickeln sich schnell." Ende Oktober habe der chinesische Präsident Xi Jinping die Absicht der Zentralbank des Landes wiederholt, Bargeld durch eine von der Zentralbank ausgegebene digitale Währung zu ersetzen. Damit verfolge die chinesische Führung das Ziel, "die Verbreitung und Internationalisierung des Yuan zu fördern".

Auch in Indien zeichnet sich dem Bericht zufolge ein Wandel ab. Im Jahr 2016 habe die Regierung des Landes Geldscheine der Größen 1.000 Rupien und 500 Rupien für ungültig erklärt. Und vor kurzem habe sich ein Wirtschaftspanel der Regierung für die Einführung einer offiziellen digitalen Währung mit dem Status eines gesetzlichen Zahlungsmittels ausgesprochen, das von der Zentralbank des Landes, der Reserve Bank of India, reguliert werden solle.

An dieser Stelle verschweigt die Deutsche Bank den Umstand, dass das vollkommen überraschend eingeführte Bargeldverbot der indischen Wirtschaft einen schweren Schlag versetzt hat, weil insbesondere die ärmeren Stadtbewohner und die Landbevölkerung auf Bargeld angewiesen sind. Indien hat sich noch heute nicht von den Folgen der Entscheidung erholt - in Gegenteil: inzwischen sieht es so aus, als ob das Land in eine schwere Wirtschaftskrise stürzt.

Zu den Vorteilen von Kryptowährungen heißt es in dem Bericht der Deutschen Bank weiter:

"Im 20. Jahrhundert akzeptierten und bevorzugten die meisten Unternehmen und Einzelhändler Bargeld für kleine Zahlungen. Heute ist es ganz anders. Digitale Zahlungen werden von Einzelhändlern bevorzugt, da Bargeld das Zählen von Rechnungen, das Beschaffen von Wechselgeld, Bankwarteschlangen und möglicherweise auch Diebstahl bedeutet. Diese Faktoren überwiegen die Kosten der Kreditkartengebühren bei denselben Transaktionen. Der nächste logische Schritt ist eine digitale Bargeldalternative, die die zusätzlichen Gebühren, welche die Kartenanbieter derzeit erheben, beseitigt oder zumindest senkt?"

In einer Umfrage der Deutschen Bank unter mehr als 3.600 Verbrauchern in China, Frankreich, Deutschland, Italien, Großbritannien und den USA gaben angeblich zwei Drittel an, dass sie digitale Zahlungen gegenüber Barzahlungen bevorzugten. Für Deutschland dürfen diese Zahlen nicht stimmen, da hierzulande eine große Mehrheit das Bargeld behalten will. Für ein Drittel allerdings sein Anonymität wichtig. Das seien aber genau die beiden Dinge, die Kryptowährungen am besten können, so der Bericht.

"Kryptowährungen müssen drei Haupthindernisse überwinden, um sich zu verbreiten. Erstens müssen sie von Regierungen und Regulierungsbehörden als legitim eingestuft werden. Das bedeutet, ihr Preis muss sich stabilisieren und sie müssen sowohl den Händlern als auch den Verbrauchern Vorteile verschaffen. Sie müssen auch eine globale Reichweite auf dem Zahlungsmarkt ermöglichen. Dazu müssen Allianzen mit wichtigen Beteiligten eingegangen werden - mit mobilen Apps wie Apple Pay, Google Pay, mit Kartenanbietern wie Visa und Mastercard sowie mit Einzelhändlern wie Amazon und Walmart."

Der Bericht nennt keine der heute weit verbreiteten Kryptowährungen wie Bitcoin beim Namen, sondern erwartet den Durchbruch in den nächsten zehn Jahren eher von Seiten einer oder mehrerer Zentralbanken der Welt. "Wenn wir auf das kommende Jahrzehnt blicken, wäre es nicht verwunderlich, wenn unerwartet eine neue und weit verbreitete Kryptowährung entstehen würde." Einige Länder mit historisch starken Bankenindustrien würden derzeit Kryptowährungen testen. Und die Deutsche Bank erwartet offenbar einen Wettlauf:

"Davon abgesehen können Kryptowährungen das beste Werkzeug für einen digitalen Krieg sein. Die Frage ist, welches Land davon profitieren wird, dass es das erste Land ist, das Lizenzen erhält und Allianzen aufbaut. In diesem Fall kann die Grenze zwischen Kryptowährungen, Finanzinstituten sowie zwischen dem staatlichen und dem privaten Sektor verschwimmen."



DWN
Finanzen
Finanzen Staatsbankrott in Argentinien: Gläubiger verlieren zehn Milliarden Dollar

Argentinien hat Zahlungen bei Anleihen in der Größenordnung von bis zu 10 Milliarden Dollar eingestellt. Es ist der neunte Staatsbankrott...

DWN
Finanzen
Finanzen Target 2: Forderungen der Bundesbank im Eurosystem nähern sich der Billionenmarke

Die Forderungen der Bundesbank gegenüber andere Euro-Zentralbanken nähert sich der Marke von einer Billion Euro. Die Marke dürfte bald...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Dienstag: Die Entwicklungen zum Coronavirus im Live-Ticker

Es folgen die Entwicklungen vom Dienstag, den 7. April, im Live-Ticker. Das Coronavirus ist noch immer weltweit das bestimmende Thema.

DWN
Politik
Politik Erdogan: „Globalisierung bedeutet moderne Sklaverei“

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan meint, die Globalisierung sei nichts weiter als eine Art der „modernen Sklaverei“ und...

DWN
Deutschland
Deutschland Bundesregierung plant Einführung des 12-Stunden-Arbeitstags

Die Bundesregierung will angesichts der Corona-Pandemie für zahlreiche Branchen längere Arbeitszeiten bis zu zwölf Stunden, kürzere...

DWN
Finanzen
Finanzen Schweiz: Briefkasten-Firmen profitieren von Corona-Krediten

Vom Schweizer Rettungsschirm für kleine und mittelgroße Unternehmen profitieren auch Briefkasten-Firmen, die sich unter der Kontrolle von...

DWN
Deutschland
Deutschland Städtetag fordert «kommunalen Rettungsschirm» in Milliardenhöhe

Der Deutsche Städtetag erwartet infolge der Corona-Krise sinkende Steuereinnahmen und zugleich höhere Ausgaben. Er fordert daher von der...

DWN
Politik
Politik China muss die Welt wegen des Corona-Virus entschädigen

Das chinesische Corona-Virus hat alleine in der G7-Staatengruppe einen Schaden von 3,62 Billionen Euro verursacht. Nun werden die Stimmen...

DWN
Deutschland
Deutschland Corona-Krise beendet den Boom bei Gewerbeimmobilien

Die Corona-Krise bereitet dem Immobilienboom ein jähes Ende. Experten erwarten sinkende Preise für Gewerbeimmobilien

DWN
Technologie
Technologie Schnellladestationen zerstören Teslas Auto-Batterien schon nach 25 Ladevorgängen

Beim Einsatz von heute üblichen Schnellladestationen geht die Ladekapazität der Batterien stärker verloren, als bisher angenommen.

DWN
Deutschland
Deutschland Ameisenhügel auf dem Gelände der Tesla-Fabrik werden umgesiedelt

Tesla will nahe Berlin seine erste Fabrik in Europa bauen. Doch zunächst müssen Ameisen umgesiedelt werden.

DWN
Politik
Politik Europas Krankenhäuser am Limit: Jetzt rächen sich Jahrzehnte des neoliberalen Abbaus

In ganz Europa stoßen die Gesundheitssysteme an ihre Belastungsgrenzen. Jahrelang wurde eisern gespart, um den Profit zu erhöhen – was...

DWN
Finanzen
Finanzen Dunkelziffern im Steuerparadies: Der Westen hat viel mehr Geld in Schwellenländern im Feuer, als bekannt ist

Finanz-Aufsichtsbehörden auf der ganzen Welt kalkulieren mit falschem Risiko, weil sie mit mangelhaften Daten zu den weltweiten...

DWN
Finanzen
Finanzen Grundsteuer: 36 Millionen Häuser und Grundstücke müssen neu bewertet werden

Im Rahmen der Grundsteuer werden 36 Millionen Grundstücke und Häuser neu bewertet. Anschliessend wird die Steuer bei Vermietern auf die...

celtra_fin_Interscroller