Finanzen

Kosten für das System steigen: Rente mit 63 nehmen viel mehr Bürger in Anspruch als gedacht

Viel mehr Menschen als von der Bundesregierung erwartet gehen mit 63 Jahren abschlagsfrei in den Ruhestand.
23.12.2019 15:00
Lesezeit: 1 min
Kosten für das System steigen: Rente mit 63 nehmen viel mehr Bürger in Anspruch als gedacht
Ein Bündel Geldscheine. (Foto: dpa) Foto: Patrick Pleul

Die Belastung für die Rentenkasse durch die abschlagsfreie Rente mit 63 Jahren steigt weiter an, da mehr Menschen als gedacht abschlagsfrei mit 63 in Rente gehen. Ende November erhielten rund 1,34 Millionen Senioren die Rente für langjährig Versicherte mit mindestens 45 Versicherungsjahren. Das berichtete die Deutsche Rentenversicherung Bund am Montag in Berlin. Somit nehmen deutlich mehr Menschen die abschlagsfreie Rente mit 63 in Anspruch als vom Gesetzgeber ursprünglich gedacht. "Es wird von etwa 200 000 Fällen je Jahr ausgegangen", stand im Gesetzentwurf. Das wären fünf Jahre nach dem Inkrafttreten des Gesetzes im Juli 2014 rund 1 Million gewesen.

Tatsächlich gingen etwa 2018 rund 240 000 Menschen abschlagsfrei mit 63 in Rente. In diesem Jahr registrierte die Rentenversicherung bis Ende November bereits 238 163 neue Anträge. Eine Sprecherin des Bundessozialministeriums verwies darauf, dass sich die Zahl der Bezieher im Bereich des Erwarteten bewege. "Die Zahl ist ein wenig höher, aber nicht viel höher als erwartet", sagte sie. "Für uns sind das keine großen Überraschungen."

Im Oktober stiegen die Kosten Berichten der Bild-Zeitung zufolge auf über 2 Milliarden Euro im Monat. Im November habe die Rentenkasse dann insgesamt 2,032 Milliarden Euro an Bezieher dieser Rente ausgezahlt. Keine Zahlen liegen zur Frage vor, wie hoch die Kosten ohne Rente mit 63 liegen würden, wie hoch also die Rentenbezüge der Betroffenen gegebenenfalls ohne diese Möglichkeit wären.

Die Ministeriumssprecherin betonte, dass es sich bei diesen zwei Milliarden Euro nicht um Mehrkosten handle. Denn auch ohne die Rente mit 63 wären viele der Betroffenen "bereits in Rente und würden einfach nur Abschläge auf ihre Rente bekommen", sagte sie. Dies hätte nur zu einer "minimalen Reduzierung" der nun ausgezahlten Renten geführt.

Allerdings bezogen im Juni 2014, dem letzten Monat vor Einführung der abschlagsfreien Rente, lediglich 41 280 Senioren eine Rente nach mindestens 45 Versicherungsjahren. Die Kosten betrugen damals 62,6 Millionen Euro.

Wer 2018 in den Ruhestand ging und die abschlagsfreie Rente kassierte, erhielt im Schnitt 1429 Euro Rente im Monat, Frauen 1096. Die durchschnittliche Altersrente für Männer lag 2018 bei nur 1083 Euro, bei Frauen 742 Euro.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Technologie
Technologie Windkraft-Ausbau und Verschiebung des Öl-Embargos
24.03.2026

Deutschland beschleunigt den Ausbau von Windkraft, während die Ölpreise global steigen. Politische und geopolitische Spannungen...

DWN
Politik
Politik Nachhaltigkeitsberichterstattung neu geregelt: Das sind die wichtigsten Änderungen
24.03.2026

Die Pflicht zur Nachhaltigkeitsberichterstattung gilt künftig nur noch für eine kleine Gruppe großer Unternehmen. Für viele andere wird...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft "Deutschland fährt auf Verschleiß": Geringste Investitionsquote seit 1990
24.03.2026

Deutschland lebt von seiner Substanz: Neue Daten zeigen, dass so wenig investiert wird wie seit der Wiedervereinigung nicht mehr. Selbst...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Kik schließt 300 Filialen
24.03.2026

Der Discounter Kik schrumpft sein Filialnetz in Europa deutlich zusammen und streicht rund 300 Standorte. Hinter dem Rückzug steckt nicht...

DWN
Finanzen
Finanzen Vermögensaufbau verlangt unternehmerisches Denken – warum Rendite aktiv erarbeitet werden muss
24.03.2026

Die Deutschen sparen so viel wie kaum ein anderes Volk in Europa. Doch ausgerechnet diese Tugend könnte beim Vermögensaufbau zum Problem...

DWN
Politik
Politik Trump steht im Iran-Krieg unter Druck: Warum ein Rückzug kaum möglich ist
24.03.2026

Der Iran-Krieg entwickelt sich für Donald Trump zunehmend zu einem strategischen Risiko mit globalen wirtschaftlichen Folgen. Kann...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Aumovio-Aktie: Continental-Spin-off zieht sich aus Litauen zurück – 800 Job betroffen
24.03.2026

Die Eigentümer der Unternehmen Aumovio Autonomous Mobility Lithuania und Aumovio Global Holding haben beschlossen, sich aus Litauen...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Erst Ölpreis bei 200 Dollar erschüttert die Welt – ohne das bleibt der Iran-Krieg nur eine Korrektur
24.03.2026

Historische Erfahrungen zeigen, dass nicht Kriege selbst, sondern makroökonomische Fundamentaldaten die Finanzmärkte bestimmen. Warum der...