Deutschland

Bundesregierung senkt Obergrenze für anonyme Goldkäufe drastisch

Der anonyme Goldkauf beim Edelmetallhändler mit Bargeld wird weiter erschwert. Ab dem 1. Januar muss man bei sogenannten Tafelgeschäften im Wert von über 2.000 Euro den Personalausweis vorlegen. Es ist die dritte Absenkung der Obergrenze innerhalb weniger Jahre. Antreiber der Entwicklung ist die EU.
27.12.2019 15:00
Lesezeit: 1 min
Bundesregierung senkt Obergrenze für anonyme Goldkäufe drastisch
Wer zwei solche Krügerrand-Ein-Unzen-Münzen kaufen will, muss in Deutschland künftig den Personalausweis vorlegen und sich registrieren lassen. (Foto: dpa) Foto: Philip Mostert

Am 1. Januar 2020 sinkt in Deutschland die gesetzliche Grenze für den anonymen Kauf von Gold, Silber und anderen Edelmetalle auf 2.000 Euro. Wer mehr Münzen oder Barren erwerben möchte, der muss vom Edelmetallhändler namentlich erfasst werden. Bisher lag das Limit für diese sogenannten Tafelgeschäfte bei 10.000 Euro. Vor zwei Jahren konnte man sogar noch Edelmetalle im Wert von bis zu 15.000 Euro anonym mit Bargeld kaufen.

Die vermehrten Einschränkungen beim Erwerb von Edelmetallen sind Folge einer EU-Richtlinie, mit denen angeblich Geldwäschegeschäfte im Edelmetallbereich eingedämmt werden sollen - so die offizielle Lesart. Mit dem neuen Gesetz hat Deutschland nun die Änderungsrichtlinie zur 4. EU-Geldwäscherichtlinie umgesetzt, die von allen Mitgliedsstaaten bis 10. Januar umgesetzt werden muss.

Der Verweis der EU auf die Geldwäscheproblematik erscheint jedoch sonderbar, weil Edelmetalle bei solchen Geschäften offenbar kaum Anwendung finden. In ihrer Antwort auf eine Kleinen Anfrage von Frank Schäffler und weiteren FDP-Abgeordnete sagte die Bundesregierung bereits im September, dass es im Jahr 2018 insgesamt 77,252 Meldefälle für Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung gegeben habe, davon hätten allerdings nur 175 einen Bezug zu Edelmetallen gehabt.

Dass die Europäische Union mit dieser Änderungsrichtlinie angeblich mehr Transparenz schaffen und somit gegen Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung vorgehen will, kritisiert auch der Goldhändler Dominik Lochmann. Auf dem Edelmetall-Blog Goldreporter.de schreibt er:

"Der Anteil an Geldwäschefällen in Verbindung mit dem Handel von Edelmetallen ist laut offiziellen Zahlen verschwindend gering. Goldkäufer sind in der Regel klassische Sparer, die Sicherheit in einem wertstabilen Tausch- und Zahlungsmittel suchen und ihr Vermögen durch Gold lediglich diversifizieren möchten."

Während Kunden nun schon bei kleineren Käufen ihre Namen preis geben müssen, bedeutet das neue Gesetz für die Goldhändler hierzulande einen erheblichen Mehraufwand an Bürokratie. Sie müssen zum Beispiel bei Kunden, die nur zwei Ein-Unzen-Goldmünzen kaufen wollen, den Personalausweis einfordern und eine ausführliche Prüfung durchführen. In der Folge wird der Kauf künftig länger dauern. Voraussichtlich werden die Goldhändler daher ihre Preise anheben müssen.

Außerdem ist wegen der steigenden Kosten bei Tafelgeschäften zu erwarten, dass die Kunden nun verstärkt Gold, Silber und andere Edelmetalle im Versandhandel kaufen werden. Denn wenn sie sich beim Goldhändler vor Ort mit Personalausweis identifizieren lassen müssen und zudem höhere Preise werden zahlen müssen, können sie sich die Münzen auch bequem nach Hause schicken lassen. Einzelne Händler haben bereits angekündigt, künftig keine Tafelgeschäfte mehr anzubieten

Mehr zum Thema
article:fokus_txt
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Nach der Genehmigung eines XRP-ETFs durch Trump:Standard Chartered sieht XRP als potenziell renditestärkste Kryptowährung im Jahr 2026

Vor dem Hintergrund der Genehmigung eines XRP-ETFs durch Donald Trump und einer deutlich verbesserten regulatorischen Lage in den USA...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Edeka-Händler Feneberg insolvent: 3.000 Mitarbeiter bangen um ihre Jobs
09.01.2026

Die Feneberg-Insolvenz trifft den Lebensmitteleinzelhandel im Süden unerwartet hart. Trotz geöffneter Märkte und gesicherter Löhne...

DWN
Unternehmensporträt
Unternehmensporträt burgbad Badmöbel: Acht Millionen Euro für eine neue Produktionslogik
09.01.2026

Acht Millionen Euro investierte CEO Stefan Sallandt 2025 in die Automatisierung des Badmöbelherstellers burgbad. Damit gehört das...

DWN
Technologie
Technologie Anwendung von KI-Tools im Job: Mitarbeiter sind schneller als Arbeitgeber
09.01.2026

Noch nutzt nur jeder Fünfte KI regelmäßig am Arbeitsplatz, wie eine aktuelle Studie des ifo Instituts belegt. Doch was überrascht: Zwei...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Nach 25 Jahren Verhandlungen: EU macht Weg für Mercosur-Abkommen frei
09.01.2026

Nach jahrzehntelangen Verhandlungen ist der Weg für das Freihandelsabkommen zwischen der EU und südamerikanischen Staaten frei. Während...

DWN
Politik
Politik Atommülltransporte durch NRW: Gericht stärkt Genehmigung – Proteste gehen weiter
09.01.2026

Seit Monaten ist der Transport von Atommüll durch Nordrhein-Westfalen genehmigt. Nun hat ein Gericht den Widerstand des Umweltverbands...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Cybergefahr für Bankkunden: Sicherheitsamt warnt vor Betrugswelle
09.01.2026

Phishing-Mails, gefälschte Webseiten und Anrufe unter falschem Namen nehmen zu – Betrüger versuchen gezielt, an das Geld von Bankkunden...

DWN
Panorama
Panorama Berliner Blackout: Wegner startet Analyse des Krisenmanagements
09.01.2026

Nach dem öffentlichen Wirbel um sein Tennismatch während des Stromausfalls will Berlins Regierungschef Wegner verlorenes Vertrauen...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Zwischen Pflichtgefühl und Selbstfürsorge: So entscheiden sich Beschäftigte bei Krankheit
09.01.2026

Viele Arbeitnehmer stehen täglich vor der Frage, ob sie trotz Beschwerden zur Arbeit gehen oder eine Pause einlegen. Diese Entscheidung...