Wirtschaft

DWN-Exklusiv-Interview: Deutsch-iranische Handelskammer warnt vor Zusammenbruch der Handelsbeziehungen

Der plötzliche Angriff durch US-Präsident Donald Trump auf den Iran hat auch die deutschen Investoren in dem Land völlig überrascht. Die Geschäftsführerin der Deutsch-Iranischen Industrie- und Handelskammer (AHK Iran), Dagmar von Bohnstein, gibt den Deutschen Wirtschaftsnachrichten im Interview eine rasche Einschätzung der Lage.
06.01.2020 17:00
Lesezeit: 2 min
DWN-Exklusiv-Interview: Deutsch-iranische Handelskammer warnt vor Zusammenbruch der Handelsbeziehungen
Der Präsident des Iran, Hassan Ruhani (M), bei der Eröffnung einer neuen Gaskondensat-Raffinerie. (Foto: dpa)

Deutsche Wirtschaftsnachrichten: Haben Sie damit gerechnet, dass die USA den Iran jetzt zum Jahresanfang angreifen würden?

Dagmar von Bohnstein: Nein, dass so etwas passieren könnte, war für niemanden vorhersehbar. Im Gegenteil: In den letzten Wochen des abgelaufenen Jahres haben wir sogar einige politische Zeichen gesehen, die in eine positive Richtung gegangen sind. Beispielsweise hat der iranische Staatspräsident Hassan Rohani den japanischen Premierminister Shinzō Abe besucht. Die Geschäftsleute haben gehofft, dass die Lage deeskaliert. Jetzt hat sich die Situation komplett verändert. Trotzdem hoffen wir, dass nun besonnene und überlegte Reaktionen erfolgen.

Deutsche Wirtschaftsnachrichten: Was bedeutet dies für die deutsch-iranischen Geschäftsbeziehungen?

Dagmar von Bohnstein: Es ist noch zu früh, um das einzuschätzen. Vor dem Ereignis war der deutsch-iranische Handel aufgrund der Sanktionen bereits auf einem niedrigen Niveau. Das Handelsvolumen hat im Jahr 2019 die Hälfte des Vorjahresniveaus erreicht. Obwohl die Unternehmen erst einmal sehen müssen, wie es weiter geht, kann man schon sagen, dass die Eskalation die Entwicklung mit Sicherheit nicht verbessern kann.

Deutsche Wirtschaftsnachrichten: Wie sind denn die Investoren grundsätzlich auf die politischen Konflikte in der Region vorbereitet?

Dagmar von Bohnstein: Das einzige, was sie jetzt machen können, ist abzuwarten und zu beobachten. Dabei handelt es sich um deutsche Unternehmen, die aus unterschiedlichen Branchen stammen – beispielsweise der chemischen Industrie, dem Medizin-Sektor, dem Maschinenbau und der Branche der Erneuerbaren Energien. Sie handeln mit dem Iran, produzieren aber auch. Solange es im Land ruhig ist, können sie weitermachen. Doch wird alles davon abhängen, was in der nahen Zukunft passiert.

Deutsche Wirtschaftsnachrichten: Wird sich dieser Angriff auf den Iran auch negativ auf die Wirtschaft in anderen Ländern der Region auswirken?

Dagmar von Bohnstein: Ich kann natürlich nicht die Wirtschaft in anderen Ländern kommentieren. Doch bin ich sicher, dass jede Art der Eskalation das Business in der gesamten Region beeinflusst.

Deutsche Wirtschaftsnachrichten: Wie unterstützen Sie nun die deutschen Unternehmen?

Dagmar von Bohnstein: Die Lösungen liegen in den Händen der Politiker. Anstatt etwas zu entwickeln, haben sich die Spannungen allerdings vergrößert. Wir versuchen den Verantwortlichen im Iran und in Deutschland zu vermitteln, wie groß das geschäftliche Potenzial mit dem Iran ist. In der Zwischenzeit versuchen wir, den deutschen Unternehmen ein klares Bild über die geschäftliche Lage zu verschaffen. Dabei weisen wir auf positive Aspekte und Risiken hin.

Deutsche Wirtschaftsnachrichten: Frau von Bohnstein, herzlichen Dank für das Gespräch.

Mehr zum Thema
article:fokus_txt
DWN
Finanzen
Finanzen Inflation und Kaufkraft: Was auf Haushalte 2026 zukommt
06.01.2026

Die Inflation ist zurück auf Normalmaß – zumindest statistisch. Doch im Alltag fühlt sich wenig davon an. Dienstleistungen bleiben...

DWN
Finanzen
Finanzen Adidas-Aktie verliert 2,2 Prozent: Analyst zweifelt an WM-Fantasie
06.01.2026

Die Adidas-Aktie hat sich zuletzt spürbar erholt, doch nun kommt Gegenwind aus unerwarteter Richtung. Eine doppelte Abstufung durch die...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Viel Öl, aber eine Wirtschaft in katastrophalem Zustand: Was man über Venezuela wissen sollte
06.01.2026

Donald Trump will die venezolanischen Ölvorkommen nutzen. In dem von einer schweren Krise gezeichneten Land ist der US-Konzern Chevron...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Chemieindustrie: BASF investiert Milliarden in China trotz geopolitischer Risiken
06.01.2026

Im ersten Quartal des Jahres eröffnet BASF sein neues Werk in China. Mit rund 8,7 Milliarden Euro ist das Werk im chinesischen Zhanjiang...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Börsen: Wall Street im Aufwind: Energie- und Bankensektor treiben Rallye an
06.01.2026

Die US-Aktienmärkte starteten mit starken Gewinnen in die Woche, angeführt von Energieerzeugern und dem Finanzsektor. Auftrieb erhielten...

DWN
Finanzen
Finanzen Wirtschaftliche Schwergewichte schlagen Alarm über neue Währung: Top-Ökonom fürchtet Panik
05.01.2026

Die Analyse ist ziemlich beunruhigend: Die USA befinden sich mitten in einem finanziellen Experiment. Wenn es schiefgeht, kann es in einer...

DWN
Panorama
Panorama Großflächiger Stromausfall in Berlin hält weiter an
05.01.2026

Auch am dritten Tag nach dem Ausfall sind rund 30.000 Haushalte ohne Elektrizität. Schulen bleiben teils geschlossen, Notunterkünfte...

DWN
Finanzen
Finanzen Wölfe der Wall Street: Ölaktien sind billig, Metalle und Bergbauaktien werden steigen
05.01.2026

Wall Street schaut bereits auf 2026 und setzt auf die nächste Runde der Rally. Ölaktien gelten plötzlich als Schnäppchen, Metalle und...