Unternehmen

Unternehmen verschulden sich weltweit wie nie zuvor

Unternehmen weltweit haben im letzten Jahr Anleihen im Umfang von mehr als 2,5 Billionen Dollar emittiert, das ist mehr als jemals zuvor. Hintergrund war die sich wieder lockernde Geldpolitik der Zentralbanken.
14.01.2020 12:33
Lesezeit: 1 min
Unternehmen verschulden sich weltweit wie nie zuvor
Mit niedrigen Zinsen und Wertpapierkaufprogrammen trägt auch die EZB zum Boom bei der Emission von Unternehmensanleihen bei. (Foto: dpa) Foto: Arne Dedert

Laut Daten der Finanzmarktplattform Dealogic haben Unternehmen weltweit im Laufe des Jahres 2019 Anleihen im Wert von mehr als 2,5 Billionen Dollar emittiert. Das ist mehr als im bisherigen Rekordjahr 2017. Hintergrund ist die sich wieder lockernde Politik der Zentralbanken. Diese begannen im vergangenen Jahr die Zinssätze wieder zu senken, wodurch die Kosten der Kreditaufnahme für alle Arten von Unternehmen zurückgingen.

Die US-Notenbank Federal Reserve senkte die Zinsen im Laufe des vergangenen Jahres mehrmals um insgesamt 0,75 Prozentpunkte. Damit kehrte sie einen Großteil der im Jahr zuvor von ihr vorgenommenen Zinsanhebung um einen Prozentpunkt wieder um. Auch die Europäische Zentralbank senkte die Zinsen und startete zudem ein erneutes Programm zum Ankauf von Anleihen mit dem erklärten Ziel, die Wirtschaft in der Eurozone zu beleben.

Letzte Woche wiederholte die Federal Reserve Bank of New York ihre Besorgnis im Hinblick auf die steigenden Neuschulden von Unternehmen mit niedrigeren Ratings, da diese bei einer Verschlechterung der wirtschaftlichen Bedingungen unter Druck geraten könnten. Investoren haben diese riskanten Anleihen zuletzt gekauft, um überhaupt noch positive Renditen zu erhalten. Denn im August letzten Jahres erreichte die Höhe der negativ verzinslichen Schulden den bisherigen Höchststand von über 17 Billionen Dollar.

Unternehmen machten sie die niedrigen Kreditkosten und die hohe Nachfrage nach Unternehmensanleihen zunutze, indem sie mehr Anleihen verkauften, wodurch sich allerdings ihre Kreditratings mitunter verschlechterten. "Ist das ein Problem? Ja, das ist etwas, das beobachtet werden muss", zitiert die Financial Times Asif Sherani von der britischen Großbank HSBC. "Aber es fühlt sich nicht so an, als ob es etwas ist, das hässlich wird - zumindest kurzfristig."

Der Trend zur verstärkten Emission von Unternehmensanleihen wird im Jahr 2020 voraussichtlich anhalten. Analysten der Bank of America stellten fest, dass die Emission von Anleihen höherer Qualität mit Investment-Grade-Rating in den USA in der letzten Woche mit 69 Milliarden Dollar das zweithöchste wöchentliche Volumen in der Geschichte erreichte, nachdem Anfang September letzten Jahres das bisherige Rekordhoch erreicht worden war.

In Europa verzeichnete man letzte Woche mit mehr als 90 Milliarden Euro die bisher beste Woche bei der Emission von Unternehmensanleihen. "Wir sehen den Wohlfühlfaktor an den Märkten nach wie vor durch die anhaltend lockere Politik der Zentralbanken, die dazu beiträgt, die Refinanzierungskosten so attraktiv zu machen, dass Unternehmen weiterhin historisch hohe Mengen an Schulden begeben", sagte Marco Baldini, Leiter des europäischen Anleihenkonsortiums bei Barclays.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Finanzielle Freiheit braucht einen starken Partner

Vermögen eröffnet Möglichkeiten – und bringt zugleich Entscheidungen mit sich: Wie lässt sich das Erreichte bewahren, gezielt...

 

DWN
Finanzen
Finanzen US-Märkte im Überblick: Wall Street schließt im Minus, während sich der Anleiheausverkauf fortsetzt
28.09.2026

Spannung an den Finanzmärkten: Erfahren Sie, welche entscheidenden Faktoren die Wall Street heute in Atem hielten.

DWN
Politik
Politik Geran-5: Wie die Ukraine auf Russlands schnelle Drohne reagiert
28.09.2026

Russlands schnelle Angriffsdrohnen stellen die ukrainische Luftverteidigung vor ein neues Problem. Während ältere Geran-5-Modelle...

DWN
Politik
Politik Europa schließt Fabriken und träumt von strategischer Autonomie
28.09.2026

Da es keine Antwort auf die heute und jetzt hohen Energiepreise gibt, zu denen auch die Politik der EU beigetragen hat, verkauft Ursula von...

DWN
Politik
Politik Verteidigungsfähigkeit: Bericht zu Verteidigungsbereitschaft der EU offenbart Lücken
28.09.2026

Signifikante Lücken bei der Luftverteidigung, bei Drohnen und bei Munitionsbeständen: Vor dem Treffen der europäischen...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Milliardeninvestition richtet Hunderte Satelliten auf Putin
28.09.2026

Die finnische Satellitenfirma Iceye spielt bereits eine wichtige Rolle für die Ukraine und ihre Angriffe auf russische Ziele. Nun will das...

DWN
Politik
Politik Erneuerbare Energien: Solarstromproduktion übertrifft Vorjahreswert
28.09.2026

Bereits Ende September hat die Solarstromproduktion in Deutschland den Vorjahreswert übertroffen. Welche Faktoren zu diesem Rekord...

DWN
Finanzen
Finanzen Weltweite Schulden mit Gold tilgen? Dann müsste es 400.000 Dollar kosten
28.09.2026

Die Goldpreise erreichen 2026 Rekordstände. Doch was wäre, wenn Staaten ihre Schulden theoretisch mit ihren Goldreserven decken wollten?...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft EU-China-Handelskonflikt: Expertin warnt vor 50 verlorenen Jahren
28.09.2026

Chinas Exportmaschine setzt Europas Industrie zunehmend unter Druck, und ausgerechnet Deutschland trifft der neue Wettbewerb besonders...