Deutschland

Neue Studie: Klimaziele der Bundesregierung für 2020 in greifbarer Nähe?

Die Emissionen sind im vergangenen Jahr so zurückgegangen, dass die Bundesregierung ihre Klimaziele fürs laufende Jahr vielleicht doch erreicht. Das geht aus Statistiken hervor, die die Denkfabrik Agora Energiewende veröffentlicht hat. Der Direktor des Instituts, Patrick Graichen, hat früher die Energiepolitik im Bundesumweltministerium verantwortet.
16.01.2020 20:05
Lesezeit: 2 min
Neue Studie: Klimaziele der Bundesregierung für 2020 in greifbarer Nähe?
Die Emissionen sind 2019 laut einer Studie deutlich zurückgegangen. Hier das Kraftwerk Jänschwalde in der Brandenburger Lausitz (Foto: dpa). Foto: Soeren Stache

Die Treibhausemissionen sind im vergangenen Jahr im Vergleich zum Vorjahr um rund 50 Millionen Tonnen auf 811 Millionen zurückgegangen. Wie der Think Tank „Agora Energiewende“ berichtet, ist damit das Volumen im Vergleich zum Vorjahr um sechs Prozent zurückgegangen. Gegenüber 1990 hat sich der Ausstoß um 35 Prozent reduziert. Damit würden die Ziele der Bundesregierung, bis zum 2020 den Emissionsausstoß um 40 Prozent zu verringern, in greifbare Nähe rücken.

Hintergrund: Die Denkfabrik stammt Berlin und vergibt Studien an Forschungsinstitute, um die Energiewende zu analysieren. Direktor Patrick Graichen hat früher die Energiepolitik im Umweltministerium verantwortet. Darüber hinaus ist der Gründungsdirektor Rainer Baake 2014 als Staatssekretär ins Wirtschaftsministerium gewechselt.

Agora begründet diesen Rückgang mit dem deutlich gesunkenen Stromverbrauch und die zunehmende Stromproduktion mit Hilfe erneuerbarer Energiequellen, die bereits einen spürbaren Anteil an Energiemix in Deutschland ausmachen. So steuern sie bereits 43 Prozent zur Gesamtproduktion bei. Die Erzeugung durch Steinkohle ist hingegen um 31 Prozent rückläufig gewesen. Ebenso verwendeten die Energieunternehmen immer weniger Braunkohle, um Strom zu produzieren.

Weitere Gründe waren die gestiegenen Preise für die CO2-Zertifikate im EU-Emissionshandel. Deswegen haben die fossilen Kraftwerke immer weniger ihre Stromproduktion an vielen Stunden des Jahres 2019 deutlich zurückgegangen.

SUV weiterhin eine starke Belastung

Allerdings sind die Emissionen in anderen Bereichen sogar gestiegen – beispielsweise durch Gebäude und durch den Straßenverkehr: Dort wurden mehr Erdgas, Heizöl, Benzin und Diesel als im Vorjahr verbraucht. Dadurch wurden die Emissionsminderungen, die es bei der Stromproduktion gegeben hat, zum Teil zunichte gemacht. Im Verkehr führte vor allem der steigende Anteil schwerer Fahrzeuge mit großen Verbrennungsmotoren, wie SUVs, zu einem Anstieg der Emissionen.

Das Problem besteht allerdings darin, dass die Zahlen von Agora nur vorläufig sind und bisher noch nicht bestätigt wurden. Im Vorjahr hatten das Institut ähnliche Statistiken vorgelegt, die dann aber doch nicht den offiziellen Zahlen entsprochen hatte, die später vorgelegt wurden. Darüber hinaus ist die Stimmung am Markt für die Erzeugung alternativer Energien erheblich eingetrübt. Der Ausbau der Windenergieanlagen kommt nur schleppend voran, so dass viele Windparkentwickler bereits den Abbau von Arbeitsplätzen angekündigt haben. Die Branche steht derzeit stark unter Druck und sorgt für große politische Diskussionen.

Dazu kommen die Kosten für den Umbau der Energiewirtschaft: Die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) schätzt, dass die Summe bis 2025 auf 425 Milliarden Euro steigt. Diese politische Plattform wird von den Arbeitgeberverbänden unterstützt.

Der Sprecher des INSM, Florian von Hennet, zeigte sich allerdings im Gespräch mit den Deutschen Wirtschaftsnachrichten von den Statistiken der Denkfabrik sehr angetan: "Die Zahlen der Agora Energiewende erscheinen plausibel und belastbar. Aus Sicht der INSM sind sie ein guter Beleg dafür, dass der europäische CO2-Deckel wirkt. Die Bereiche, deren CO2-Ausstoß derzeit über den europäischen Emissionshandel gedeckelt ist, erreichen die gesteckten Ziele. Das macht Mut für die Zukunft des deutschen CO2-Deckels. Marktwirtschaftliche Klimapolitik wirkt."

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