Politik

Korruption bei der UN in Afrika: Wer am meisten zahlt, darf nach Europa

Das Umsiedlungsprogramm der UN-Organisation UNHCR wird von einem Korruptionsskandal erschüttert. Demnach besorgten Mitarbeiter in Afrika den Meistbietenden falsche Dokumente und ärztliche Atteste zur Ausreise nach Europa und in andere Staaten. Schon früher gab es ähnliche Fälle in der Organisation.
20.01.2020 17:27
Lesezeit: 1 min
Korruption bei der UN in Afrika: Wer am meisten zahlt, darf nach Europa
Afrikanische Migranten, die aus einem Schlauchboot im Mittelmeer gerettet wurden, verlassen in Rettungsfolien gehüllt ein Frontex-Patrouillenboot im Hafen von Malaga. (Foto: dpa) Foto: Jesus Merida

Im Zuge eines Umsiedlungsprogrammes für Afrikaner in die westliche Welt soll beim UN-Flüchtlingshilfswerk (UNHCR) jahrelang ein korruptes Netzwerk Ausreisemöglichkeiten für Meistbietende verkauft haben. Allein in Kenia seien 2016 und 2017 fünf Mitarbeiter wegen Korruption entlassen worden, sagte eine UNHCR-Sprecherin vergangene Woche in Genf. Die Ex-Mitarbeiter seien angezeigt worden. In Uganda gebe es ebenfalls Verdachtsfälle, dort seien die Untersuchungen noch im Gange.

Das Magazin Stern hatte zuvor über die Machenschaften berichtet. In Uganda soll nach dem Bericht ein UNHCR-Mitarbeiter geholfen haben, Meistbietenden gefälschte ärztliche Atteste und falsche Dokumente zu besorgen, mit denen sie auf die Umsiedlungslisten kamen. Für einen Platz auf der Liste hätten die Afrikaner etwa 2.500 Dollar zahlen müssen, heißt es in dem Bericht.

Der Stern beschreibt auch Fälle von Migranten, denen ein Platz auf den Listen des sogenannten Resettlement-Programmes zugestanden hätte, die aber leer ausgingen – denn ihre Identitäten sollen an andere Afrikaner verkauft worden sein, die damit ausreisten.

Der UNHCR hatte schon in der Vergangenheit mit Korruption im Resettlement-Programm zu kämpfen, schreibt der Stern. 2001 wurden demnach zum ersten Mal neun Personen, unter ihnen ein Deutscher, in Kenia verklagt, weil sie über Jahre Bestechungsgelder in Millionenhöhe kassiert hatten. 2017 sorgte ein ähnlicher Fall im kenianischen Kakuma für Schlagzeilen und zuletzt berichtete die Reporter-Website "The new Humanitarian" über Korruptionsfälle im Sudan.

Das UNHCR schätzt, dass im vergangenen Jahr 1,4 Millionen Migranten eine neue Bleibe brauchten. Es wurden aber nur 55.000 Umsiedlungsplätze angeboten. Solche Plätze sind für Menschen reserviert, die nach Prüfung des UNHCR aufgrund von Verfolgung oder Krieg nicht in ihre Heimat zurückkönnen.

„Wir verurteilen jeden Versuch, die Integrität des Umsiedlungsprogramms zu unterlaufen und schutzbedürftige Flüchtlinge auszubeuten, auf das Schärfste“, sagte UNHCR-Sprecherin Cécile Pouilly. „Unsere Mitarbeiter werden systematisch an ihre Verpflichtung erinnert, die höchsten Verhaltensstandards einzuhalten und sicherzustellen, dass sie niemals aufgrund von persönlichem Nutzen handeln.“

2017 und 2018 seien weltweit zehn Mitarbeiter wegen Korruption entlassen worden. Das betrifft nicht nur illegale Machenschaften im Umgang mit Plätzen zur Umsiedlung. Es gebe auch Fälle, in denen sich angebliche Vermittler mit gefälschten Ausweisen als UNHCR-Mitarbeiter ausgäben und Flüchtlingen falsche Versprechungen machten.

Die Bundesregierung will die Zahl der Umsiedlungsplätze deutlich erhöhen, nach Angaben des Bundesinnenministeriums von bislang unter 2000 auf 5500. Aus Kenia sind nach Angaben des UNHCR im vergangenen Jahr elf Menschen zur Umsiedlung nach Deutschland vermittelt worden. Aus Uganda seien keine Bürger nach Deutschland vermittelt worden.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Finanzen
Finanzen US-Marktbericht: Globaler Anleiheausverkauf drückt US-Aktien ins Minus
01.09.2026

Erfahren Sie, welche Faktoren die Wall Street belasten und warum Tech-Aktien jetzt besonders im Fokus stehen.

DWN
Unternehmen
Unternehmen EU-Regel zwingt Ritter Sport zum Überkleben
01.09.2026

Wegen neuer EU-Vorgaben muss Ritter Sport alte Verpackungen mit Stickern überkleben. Was sich für Verbraucherinnen und Verbraucher jetzt...

DWN
Politik
Politik Europa unter Druck: Experte warnt vor gefährlicher Doppelkonfrontation
01.09.2026

Europa gerät von mehreren Seiten gleichzeitig unter Druck. China verschärft den Handelskonflikt, Russland könnte den Krieg weiter...

DWN
Immobilien
Immobilien Mieter in Angst: Die Furcht vor dem Wohnungsverlust
01.09.2026

Die Wohnkosten steigen, und immer mehr Mieter fürchten, ihre Wohnung bald nicht mehr bezahlen zu können. Der Mieterbund fordert...

DWN
Technologie
Technologie China: Solar schlägt Kohle, doch Ausbau verliert an Tempo
01.09.2026

China ist Weltmeister beim Ausbau der Solarenergie. Doch das Land gilt zugleich als großer Klimasünder und will nicht von der Kohle...

DWN
Politik
Politik Berichte: Regierung sieht Russland hinter Drohnen-Vorfall
01.09.2026

Der Verdacht wiegt schwer: Die Bundesregierung macht offenbar einen russischen Geheimdienst für den versuchten Drohnenanschlag am...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Möbelbranche kämpft weiter gegen die Flaute
01.09.2026

Die Deutschen halten sich beim Möbelkauf zurück – und bringen eine ganze Branche in Bedrängnis. Steigende Kosten, sinkende Umsätze...

DWN
Finanzen
Finanzen Steuererklärung falsch ausgefüllt? Jetzt zählt schnelles Handeln
01.09.2026

Eine vergessene Ausgabe, eine falsche Zahl oder eine nicht angegebene Einkunft: Fehler in der Steuererklärung passieren schnell. Wer sie...